Präsident Ponomarev will dem KFC Uerdingen nur noch eine Saison im fremden Stadion finanzieren

Beim Fan-Treffen in Fischeln : Ponomarev will Grotenburg-Zusage

Der KFC-Präsident will noch die kommende Saison in der Fremde finanzieren – dann muss das Krefelder Stadion saniert sein. Das macht er auf dem Fan-Treffen klar, wo er von 400 Anhängern der Blau-Roten gefeiert wird.

Es war eine extrem schwierige Aufgabe, nach der teilweise völlig überzogenen, diffamierenden Kritik die Ruhe zu bewahren und die richtigen Worte zu finden. Doch Mikhail Ponomarev ist die Gratwanderung gelungen. Er hat selbstkritisch Fehler eingestanden, verschiedene Missverständnisse aus dem Weg geräumt, manches erklärt und am Ende die Solidarität der Stadt Krefeld eingefordert und sie in die Pflicht geommen. „Ich werde noch die kommende Saison in der Fremde finanzieren, aber in der Saison 20/21 muss der KFC wieder in der Grotenburg spielen können“, sagte er. „Ich erwarte ein klares Bekenntnis seitens der Stadt.“ Und wenn die Sanierung bis zum Sommer 2020 nicht fertig werde, müssten Kompensationsleistungen erfolgen. Es war das einzige Mal an dem Abend, dass Ponomarev richtig offensiv agierte.

Der Präsident des Fußball-Drittligisten KFC Uerdingen war überrascht, dass über 400 Fans zu dem Informationsabend nach Fischeln gekommen waren und über den Empfang sichtlich gerührt. Standing Ovations gab es, als er in den Saal kam. Es war für ihn das wohltuende Kontrastprogramm zu der Kritik, über die er sich seine eigenen Gedanken gemacht hat. Für einige sei es scheinbar schwer gewesen, zu akzeptieren, dass ein Investor kommt, der mit einem neuen Finanzierungsmodell sportlichen Erfolg hat und dem der Durchmarsch von der fünften in die dritte Liga gelingt. „Ich kann die Attacken nicht nachvollziehen und möchte sie auch gar nicht kommentieren“, sagte er. „Wir müssen mit der Kampagne leben und unseren Weg weiter gehen.“

Dass die Saison nicht wunschgemaäß gelaufen sei, räumte Ponomarev ein. „Jeder amcht Fehler, auch ich“, sagte er. Als Beispiel nannte er die Kaderzusammenstellung (Sturm und Abwehr) und die schnelle Trainerverpflichtung, die wegen der DFB-Statuten unter enormem Zeitdruck vorgenommen wurde. Aber auch seine Aktivität bei Twitter bereut er: „Es war der Versuch, auf all die Anfeindungen, die gegen den KFC gerichtet waren, aber mich treffen sollten, zu reagieren. Das war nicht der richtige Weg, die falsche Plattform.“ Als weitere Schwachstellen nannte er das Stadion in Duisburg, den Mannschaftsbus und die Trainingsbedingungen.

Weniger problematisch sieht der Vorstand die zahlreichen juristischen Streitigkeiten. „Das ist bei einem Unternehmen, das so rasant gewachsen ist, normal“, meinte Geschäftsführer Frank Strüver. „Es gibt freundliche Trennungen und solche, die nicht so schön sind. Einige landen vor dem Arbeitsgericht – das ist in der Wirtschaft ein normaler Vorgang. Klar ist aber auch: Berechtige Forderungen werden bezahlt.“ Aber auch er gab sich nachdenklich: „Vielleicht hätten wir die ein oder andere Trennung sanfter vollziehen sollen. Aber wir handeln im Interesse des Vereins.“

Dann wagte Ponomarev einen Blick in die Zukunft. „Es gibt fünf Voraussetzungen für Erfolg“, sagte er. „Eine gute Mannschaft, ein gutes Trainerteam, eine gute Infrastruktur, ein Nachwuchsleistungszentrum und die Unterstützung in der Stadt.“ Die hat er in den vergangenen Wochen und Monaten vermisst. Und jetzt fordert er sie vehement ein. Dabei geht es natürlich um die Grotenburg, aber auch um die Trainingsbedingungen und ein Nachwuchsleistungszentrum. „Es sind nicht meine Kinder, es sind die Kinder von Krefeld. Unser Jugendleiter Patrick Schneider leistet großartige Arbeit, fast alle Mannschaft stehen vor dem Aufstieg. Aber so geht es nicht weiter.“

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