KFC Uerdingen: Pfefferspray gegen Lakis

KFC Uerdingen : Pfefferspray gegen Lakis

Der Vorsitzende des KFC Uerdingen bekam in Ratingen eine volle Ladung Pfefferspray in die Augen, als er schlichten wollte. Jetzt will er den Polizisten anzeigen. Den Fans rät er, erst einmal nicht mehr zu Auswärtsspielen zu fahren.

Meerbusch, am Tag danach. KFC-Vorsitzender Lakis spricht leise ins Telefon. Ja, es gehe ihm besser. Vor allem auf dem linken Auge. Das rechte würde noch schmerzen, erzählt der KFC-Boss. Die ganze Nacht lang habe er seine Augen gekühlt. In die hatte er aus knapp 30 Zentimeter Entfernung aus der Hand eines Polizisten Pfefferspray bekommen, als er versuchen wollte, die aufgebrachte Fan-Meute der Uerdinger zu beruhigen. In Begleitung eines Ordners wurde er dann zu den Notärzten gebracht, die ihn versorgten. Spielmacher Ersan Tekkan fuhr ihn später aus Ratingen nach Hause nach Meerbusch.

"Ich bin zu den Fans gelaufen, als die Situation zu eskalieren drohte", schildert Lakis die aufwühlenden Szenen ab der 72. Minute des Fußballspiels zwischen Ratingen und dem KFC, die zum Spielabbruch führten. "Gegenüber den Polizisten habe ich mehrfach klar geäußert, dass ich der Vereinsvorsitzende bin und ihnen helfen wollte. Es hat sich auch von den Fans keiner geprügelt, auch wenn sie natürlich getobt und gegen die Bande getreten haben. Das rechtfertigt aber noch lange nicht den Einsatz von Pfefferspray. Ich bin überzeugt, dass wir ohne die Polizei die Lage in drei, vier, fünf Minuten beruhigt hätten. Aber dann habe ich das Pfefferspray abbekommen habe, und dann ist die Situation eskaliert." Lakis will nun Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den Polizisten mit dem Spray stellen, kündigte er an.

Überhaupt wollen die Uerdinger sich in den kommenden Tagen häufiger noch juristischen Beistand holen. Denn der KFC strebt ein Wiederholungsspiel an, sagte Lakis. Er habe bereits mit einigen Schiedsrichtern gesprochen. Die hätten ihm gesagt, dass von einer Neuansetzung auszugehen sei, weil zum Zeitpunkt des Abbruchs noch recht lange zu spielen gewesen und die Partie noch nicht eindeutig entschieden gewesen sei. "Wir werden alles daran setzen, dass das Spiel neu angesetzt wird", sagte Lakis — was aus Uerdinger Sicht verständlich ist, schließlich geht es weiterhin um den Aufstieg in die NRW-Liga.

Auch die Fans, die die Bande heftig malträtierten und somit die Polizisten möglicherweise dazu zwangen, aus Selbstschutz Pfefferspray einzusetzen, haben Konsequenzen zu befürchten. Welche das sein werden, dazu wollte sich Lakis gestern noch nicht äußern. Ein gängiges Mittel dazu sind Stadionverbote.

Ob die Vorfälle für ihn persönlich Konsequenzen hätten, das wusste er gestern noch nicht einzuschätzen. Sein Engagement beim KFC will er jedenfalls weiterführen. "Ich werde sicherlich beim nächsten Mal vorsichtiger in einer solchen Situation sein", sagte er recht lapidar.

Möglicherweise wird es auch noch einige Zeit dauern, bis er noch einmal auf diese Art eingreifen muss. Gestern tagten die KFC-Verantwortlichen, um die kommenden Schritte durchzusprechen. "Wir werden an unsere Fans einen Appell starten. Sie sollten uns bei unseren nächsten Auswärtsspielen zu ihrem eigenen Schutz besser nicht begleiten. Wir bieten über den Liveticker im Internet, über das Internetradio und über Grotenburg-TV ja auch Bilder von den Spielen an. Dann sollen sie lieber nur zu unseren Heimspielen kommen."

(RP)
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