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Patrick Schneider geht mit dem KFC Uerdingen ungewöhnliche Wege

Probetraining in Uerdingen : Patrick Schneider geht mit dem KFC ungewöhnliche Wege

Der Jugendleiter des KFC Uerdingen reagiert auf die Krise, indem er bleibt. Gemeinsam mit Dmitry Voronin bittet er Spieler zum Probetraining. Das ist aber nur ein Baustein bei den sportlichen Planungen der kommenden Saison.

Patrick Schneider erinnert sich noch genau an den Tag, an die Stunde, wo die Nachricht kam, dass die Noah Group die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geforderten sieben Millionen Euro für die Lizenzerteilung in der Dritten Liga nicht zahlen wird und sich beim KFC Uerdingen zurückzieht. Schneider saß in der Geschäftsstelle am Dießemer Bruch. Was nun? Er schaute Dmitry Voronov, Leitender Trainer des Nachwuchsbereiches an, und beide zögerten nicht, sondern packten an. „Eines war uns sofort klar“, erinnert sich Schneider. „Egal, wie es beim KFC weiter geht, wir wollten die Jugend zusammenhalten, damit unsere Aufbauarbeit der vergangenen Jahre nicht verpufft.“

Dabei ist es jedoch nicht geblieben. Die meisten Mitarbeiter der Geschäftsstelle, die seit fast einem Jahr kein Geld oder nur noch einen Bruchteil  ihrer zugesagten Bezüge erhalten haben, arbeiten weiter und versuchen dem Verein im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen.

Patrick Schneider und Dmitry Voronin kümmern sich derzeit um den sportlichen Bereich. Auch sie wissen zwar nicht, wer den Traditionsverein künftig führen wird, aber sie vertrauen darauf, dass es irgendwie weitergeht und versuchen, den Boden zu bereiten, damit der Verein nicht demnächst völlig bei Null anfangen muss.

Auch in dieser Woche sind wieder Spieler zum Probetraining eingeladen. Morgens stehen Schneider und Voronin dann auf dem Rasen in Oppum, mittags sortieren und sondieren sie Spielerprofile, nachmittags und abends trainieren sie die Jugend – ein Fulltime-Job.

Eine Woche mit Testspielern liegt bereits hinter ihnen. Was hat sie gebracht? Haben sie einen Spieler entdeckt, der für den Regionalliga-Kader in Frage kommt? Was sind das überhaupt für Spieler, die am Probetraining teilnehmen? „Wir hatten in der ersten Woche 13 Testspieler“, berichtet Schneider. „Wir haben sie positionsgetreu eingesetzt und die beider Mannschaften mit A-Jugendlichen aufgefüllt. Tatsächlich waren auch hoffnungsvolle Talente dabei.“ Dass der KFC solch ein Probetraining überhaupt anbietet, ist ungewöhnlich. „Stimmt, aber wir vergeben uns da nichts und wollen gute Entscheidungen treffen. Uns werden viele Spieler angeboten, aber wir verlassen uns nicht auf Highligth-Videos. Die ersetzen keinen realen Blick. Wir wollen Spieler sehen: im Spiel elf gegen elf, bei Über- und Unterzahl, ihre Schnelligkeit und Durchsetzungsfähigkeit, wie sie sich in einer Gruppe verhalten.“

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Natürlich sind es fast alles junge Spieler, die vorspielen. „Sie suchen ihre Chance in der Regionalliga bei einem Verein, der ihnen eine etwas größere Bühne bietet, der vielleicht Anfang des Jahres wieder in der Grotenburg spielt und Strahlkraft hat“, sagt Schneider. Er weiß natürlich nur allzu gut, dass er nur mit solch jungen, ehrgeizigen Akteuren keine Regionalligamannschaft zusammenstellen kann. „Es geht um einen gesunden Mix“, sagt Schneider. „Wir werden sicher eine junge Mannschaft stellen, aber keine verstärkte A-Jugend. Natürlich brauchen wir auch gestandene Spieler, die es verkraften, wenn mal in zwei, drei Spielen weniger gepunktet wird. Nach einem Jahr Pandemie zeigt sich aber auch: alle wollen spielen und sich zeigen.“