Maroh in Köln: mit dem falschen Verein am falschen Ort

Dritte Liga : Marohs Rückkehr nach Köln

Sechs Jahre trug er das Trikot des 1. FC, am Samstag spielt er wieder in der Domstadt – mit dem KFC Uerdingen bei der Fortuna. Es ist sein zweites Spiel für die Blau-Roten.

Der FSV Zwickau feierte ausgelassen den 2:1-Sieg beim KFC Uerdingen. Aus der Kabine dröhnte Musik, nicht irgendeine, sondern von der Kölner Gruppe Brings: Kölsche Jung. Für Abwehrspieler Dominic Maroh und Trainer Stefan Krämer wäre es an diesem Abend ein weiterer Nadelstich gewesen, doch sie hatten die Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg zu diesem Zeitpunkt schon verlassen. Was Maroh und Krämer eint, ist die Liebe zur Domstadt, in der sie heute (14 Uhr/live im Dritten Programm) ein schweres Spiel haben, aber nicht bei ihrem Lieblingsverein 1. FC, sondern in der Südstadt bei der Fortuna.

Der gebürtige Mainzer Krämer lebte, studierte und arbeitete viele Jahre in Köln. Der gebürtige Nürtinger Maroh kam 2012 in die Domstadt und spielte sechs Jahre lang beim FC. Dabei wurde das Herz des slowenischen Nationalspielers im Sturm erobert. „Ich habe hier herausragende Persönlichkeiten der langen FC-Geschichte kennengelernt, wie Toni Schumacher, Wolfgang Weber, Bernd Cullmann, Lukas Podolski und, und, und“, schrieb Maroh in seinem Abschiedsbrief, als sein Vertrag im Sommer beim FC nicht verlängert wurde. „Über den Sport hinaus habe ich innerhalb kürzester Zeit die Stadt, die Menschen und das Kölsche Lebensgefühl kennen und lieben gelernt.“

In dem bewegenden Schreiben lässt er einen Zweifel daran, wie traurig ihn der Abschied stimmt, aber wie stolz er auch ist. „Dass ich die Mannschaft nach 25 Jahren im Europapokal als Kapitän auf den Platz führen durfte, werde ich noch meinen Enkeln erzählen.“ Am Ende legt der Liebling der FC-Fans noch ein Treuebekenntnis ab, das mit den Wortes des Songs von Cat Ballou endet: „Und egal, wo ich meinen Weg fortsetzen werde, ein Stück meines Herzens bleibt in Köln. Denn: Et gitt kei Wood, dat sage künnt,wat ich föhl, wann ich an Kölle denk . . .“

Nun setzt Maroh, der 133 Bundesligaspiele bestritten hat, seinen sportlichen Weg beim KFC Uerdingen fort. „Es ist schön, wieder mit Teamkameraden auf dem Platz zu stehen und das Projekt angehen zu können“, sagte er nach seinem Debüt gegen Zwickau. „Die Mannschaft hat es mit sehr einfach gemacht und ich freue mich, dass ich jetzt ein Teil davon sein kann und vor allem, dass ich natürlich auch in der Region bleiben kann. Das war für mich sehr wichtig.“

An die Spielweise der Uerdinger muss er sich noch etwas gewöhnen. „Es gibt wenig Zeit, wird nicht abwartend gespielt“, sagt der 31 Jahre alte Innenverteidiger. „Der Trainer möchte das auch nicht. Wir sollen direkt drauf gehen und auch nach einem Ballverlust den Ball schnell zurück erobern.“ Auch die Laufwege müssten noch besser abgestimmt werden, aber das werde von Tag zu Tag besser.

Das sieht Trainer Stefan Krämer ganz ähnlich, der mit dem Debütanten zufrieden ist. „Er ist erst kurze Zeit bei uns, und dafür hat er schon viel gezeigt. Ab der 75. Minute wurde es für ihn etwas schwerer, das hat man gesehen“, sagt der Coach, der allerdings überzeugt ist: Wir werden auf Strecke viel Freude mit ihm haben.“

Das wird vor allem dann der Fall sein, wenn die Ergebnisse positiv sind und sich Erfolge einstellen. Maroh kann seinen Beitrag dazu leisten: auf dem Platz, in der Kabine, mit den Fans. Dann besteht die große Chance, dass er auch hier einer der Publikumslieblinge wird.

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