KFC Uerdingen : Feierabend für Physios ein Fremdwort

Die beiden Physiotherapeuten Sebastian Zuleger und Jens Hesse sind im Trainingslager des KFC Uerdingen fast rund um die Uhr im Einsatz. Im Hotelzimmer 202 werden die strapazierten Muskeln der Spieler wieder weich geknetet.

Es ist kurz nach 23 Uhr am Dienstagabend, dem ersten Tag im Trainingslager des KFC Uerdingen im österreichischen Hopfgarten. Während auch die letzten Spieler des Drittliga-Aufsteigers vom Niederrhein, die bis gerade noch das WM-Achtelfinale England gegen Kolumbien geschaut haben, auf ihren Zimmern verschwinden, räumen die Physiotherapeuten Sebastian Zuleger und Jens Hesse im Hotel noch ihr Zimmer 202, in dem ihre beiden Behandlungsliegen stehen, auf. Seit dem Abendessen um 20 Uhr haben sie durchgängig noch die Muskeln der Kicker wieder weich geknetet oder andere Verspannungen oder Blockaden gelöst.

Wie werden Leistungssportler bestmöglich physiotherapeutisch betreut? Diese Frage war beim KFC seit jeher ein Thema. Immer wieder wurden Kooperationen mit unterschiedlichen Institutionen vollmundig verkündet und häufig nach nur schon wenigen Monaten beinahe stillschweigend wieder beerdigt.

Seit Anfang des Jahres geht der KFC jetzt einen anderen Weg, hat den 38-jährigen Sebastian Zuleger fest eingestellt. Der bringt aus der renommierten Mediaparkklinik von Dr. Peter Schäferhoff in Köln eine siebenjährige Erfahrung in der Betreuung von Leistungssportlern mit. Welche Vorteile hat so ein eigener Therapeut?

„Ich glaube, dass – wenn man beim Verein direkt angestellt ist – die emphatische Identifikation eine noch größere ist, als wenn man lediglich von seinem Arbeitgeber ausgeliehen ist“, sagt Zuleger. „Und es ist wirklich immer jemand für die Spieler da.“ In Hopfgarten sieht man die beiden am Rand des Spielfeldes bei wirklich jeder Trainingseinheit, dafür selten in irgendwelchen Gemeinschaftsräumen, verschwinden sie zumeist in ihrem Zimmer 202, scheinen sie das Wort Feierabend kaum zu kennen.

Seit erst zwei Monaten gehört auch Jens Hesse zum Team. Der 33-jährige hat bereits in vergleichender Funktion bei Eintracht Braunschweig, im Nachwuchsbereich von Borussia Dortmund und ebenfalls in der Mediaparkklinik gearbeitet. Von dort lotste ihn Zuleger zum KFC. „Wenn immer der gleiche Therapeut mit ein und demselben Spieler arbeitet, kann er viel intensiver auf spezifische Stärken aber auch mögliche Defizite eingehen“, benennt Hesse einen weiteren Vorteil des Modells eigener Physiotherapeuten.

Der KFC stellt sich an der Stelle so auf, wie es im Profifußball heute Usus ist. Dazu gehört auch, dass sich die Spieler in einer vorher festgelegten Regelmäßigkeit bei den beiden Physiotherapeuten vorstellen. „Gerade den jüngeren Spieler muss man an der Stelle die Wichtigkeit dieser Thematik noch vermitteln“, spricht Zuleger aus Erfahrung.

Bei den regelmäßigen Checks wird zum Beispiel die Statik aber auch die Beweglichkeit der Gelenke überprüft. Von den Spielern geschätzt ist der Rat der beiden aber auch bei einfacheren gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Beide, Zuleger und Hesse werden den KFC in Zukunft bei Auswärtsspielen begleiten, bei Heimspielen darf einer frei machen, denn wird immer ein Arzt bei der Mannschaft sein. Sollte sich ein Spieler schwer verletzen, sprechen sich Zuleger und Hesse zudem mit ihren Kollegen vom berufsgenossenschaftlichen Klinikum in Duisburg-Buchholz, dem Partner im ärztlichen Bereich, ab.

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