KFC Uerdingen: Wandlung vom Auf- zum Abstiegskandidaten

Vom Auf- zum Abstiegskandidaten : Die verstörende Wandlung des KFC Uerdingen

Aus dem Aufstiegsaspiranten ist ein Abstiegskandidat geworden. Das irritiert Spieler, Fans und Gegner. Die tabellarische Situation ist ebenso komfortabel wie gefährlich. Das schürt die Unsicherheit.

Die Verwirrung, die der KFC Uerdingen stiftet, ist riesengroß. Das war auf dem Platz der Fall, aber auch nach dem Spiel. Eine knappe Viertelstunde bot die Mannschaft gegen Eintracht Braunschweig eine exzellente Leistung. Da wurde gekonntes Kurzpassspiel mit öffnenden Pässen und Seitenwechseln, meist von Patrick Pflücke, garniert. Aber eine gute Viertelstunde reicht natürlich nicht, vielmehr sind 90 oder gar 95 Minuten erforderlich. Und das reicht schon gar nicht, wenn ein derartiger Leistungseinbruch erfolgt.

Wie die Braunschweiger, die nach der Führung in allen Belangen deutlich überlegen waren, bei ihrem 3:0-Sieg allerdings ihre Tore erzielten, das war erschütternd. Beim Führungstreffer nach einem Eckball sind weder Christian Dorda noch Assani Lukimya noch Manuel Konrad in der Lage, den Ball am Fünf-Meter-Raum weg zu schlagen; auch Mario Erb und Connor Krempicki stehen in der Nähe. Da fehlt den Spielern einfach ein bisschen Kreisliga-Mentalität: einfach weg den Ball!

Den Gegentreffern zwei und drei ging ein Abschlag des Braun schweiger Torhüters voraus. Beim ersten langen Ball verliert Lukimya ein Kopfballduell und anschließend patzt Torhüter Robin Benz. Beim zweiten steht Krempicki zu weit vom eingewechselten Gegenspieler entfernt, verliert das Laufduell und kommt nicht mehr in den Zweikampf. „Wir haben komplett versagt“, fasste Trainer Frank Heinemann das Geschehene zusammen, ohne den Leistungseinbruch erklären zu können. „Es war ein gebrauchter Tag, da passte der verschossene Elfmeter ins Bild.“ Maximilian Beister hatte kurz vor der Halbzeit die Chance zum möglichen Ausgleich vergeben und den Pfosten getroffen. Typisch, denn auch der Torjäger, ansonsten ein Leistungsträger, hatte einen schwachen Tag erwischt.

„Wir haben wieder nach einer Standardsituation ein Gegentor bekommen und dann nicht mehr ins Spiel gefunden“, meinte Kapitän Erb. „In der zweiten Halbzeit haben wir uns keine Chancen mehr erspielt. Das ist zu wenig. Wir haben sechs Punkte Abstand zum ersten Abstiegsplatz. Wir müssen schnellstmöglich schauen, dass wir in die Spur zurückkehren und drei Punkte holen.“

Alexander Bittroff, der für den gesperrten Kevin Großkreutz spielte, fand deutliche Worte: „Wir haben nicht das gezeigt, was wir können und was man zeigen muss, um ein Spiel zu gewinnen. Wenn man nur 90 Prozent gibt, reicht das nicht. Wir spielen gegen den Abstieg und wissen, dass es um viel geht.“

Vom Aufstiegsaspiranten zum Abstiegskandidaten – das ist verstörend: für die Spieler, aber auch für die Fans, sogar für den Gegner. So geriet Braunschweigs Trainer Andre Schubert nach dem Spiel geradezu ins Schwärmen: „Die Voraussetzungen in Uerdingen sind sehr, sehr gut. Das ist eine absolut gut besetzte Mannschaft. Wichtig ist jedoch immer, dass jeder für den anderen alles gibt.“

Vier Spieltage vor dem Saisonende haben die Uerdinger sechs Punkte Vorsprung auf den 17. Tabellenplatz, der den Abstieg bedeutet. Mindestens zehn Mannschaften schweben in Gefahr, wenn nicht sogar 14. Drei Punkte aus den vier bevorstehenden Begegnungen sollten reichen, um die Klasse zu erhalten. Dass der KFC nun am Samstag beim VfR Aalen antritt, bietet Chance und Gefahr zugleich. „Für Aalen ist es die letzte Patrone“, sagt Alexander Bittroff. Sollten die Gastgeber verlieren, stünden sie als Absteiger fest und Uerdingen könnte den Klassenerhalt feiern. Sollte der VfR gewinnen, dürfte er angesichts des relativ leichten Restprogramms noch einmal Morgenluft wittern und beim KFC begänne das große Zittern. Dass bei diesem Spiel in Beister, Aigner und Konrad gleich drei Stammspieler gesperrt sind, ist ärgerlich.

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