KFC-Trainer Krämer gibt denkwürdiges Interview „Die Spieler kaufen ihr Wasser selbst, die Physios ihr Massageöl“

Lotte · Dass die Situation beim KFC Uerdingen brenzlig ist, ist bekannt. Wie ernst es aber um die Trainingsbedingungen beim Drittligisten bestellt ist, hat Trainer Stefan Krämer am Sonntag vor dem „Heimspiel“ in Lotte gegen den MSV Duisburg verraten.

 KFC-Trainer Stefan Krämer.

KFC-Trainer Stefan Krämer.

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Vor dem ersten Spiel am neuen, 200 Kilometer entfernten Heimspielort des KFC Uerdingen in Lotte hat Trainer Stefan Krämer ein denkwürdiges Interview gegeben, das die bizarre Situation beim Klub offenbart. „Immer wenn du denkst, du hast schon alles erlebt, dann kommt noch etwas Neues dazu. Zum Heimspiel 200 Kilometer zu fahren, ist schon lustig“, sagte der 53-Jährige vor der 1:2-Niederlage gegen den MSV Duisburg bei „MagentaSport“. „Wir sind ja Kummer gewöhnt. Die Mannschaft wird seit Monaten schändlich im Stich gelassen. Wir haben keine Trainingsbedingungen, die Spieler kaufen ihr Wasser selbst, die Physios müssen ihr Massageöl selbst kaufen. Wir haben kein Schnittprogramm mehr für den Videoanalysten. Die Spieler kriegen seit Monaten kein geregeltes Gehalt. Da kann uns das jetzt hier auch nicht mehr großartig schocken.“

Die Vorbereitungen von Krämer, der das Team bereits von 2018 bis 2019 leitete, gleichen einer „schlechten Betriebsmannschaft“, sagte er. „Wir können thematisch nicht viel machen. Wir können schauen, dass wir uns ein bisschen bewegen, ohne dass sich Spieler verletzen. Wir haben viel an der Taktiktafel gemacht, das nehmen die Spieler auch gut auf, aber wenn sich das nicht schlagartig bessert, wird uns das irgendwann einholen.“ Nach der Niederlage gegen den MSV sind die Uerdinger auf Abstiegsplatz 17 abgestürzt, haben aber auch wegen Corona-Fällen und der unklaren Spielsituation vier Spiele weniger als beispielsweise der 1. FC Kaiserslautern auf Rang 16.

Bei den Uerdingern herrscht seit Wochen Chaos. Anfang Dezember verkündete Investor Mikhail Ponomarev, dass er „emotional müde“ geworden sei und seine Anteile am Klub deshalb verkaufen werde. Die Zahlungen an Düsseldorf, wo der KFC bislang seine Heimspiele austrug, stellte er ein. Der neue Eigner Roman Geworkjan kommt aus Armenien, das Geld fließt aber bislang offenbar noch nicht. „Ich glaube, dass Herr Kruth, unser Insolvenzverwalter, tatsächlich ein sehr guter Mann ist, dem auch wirklich sehr viel daran gelegen ist, den Verein zu retten. Aber er ist natürlich auch auf frische Gelder angewiesen. Ob die kommen, wissen wir nicht. Wir wissen nicht, was ab morgen ist und trotzdem spielen wir heute Fußball“, sagte Krämer.

Von den neuen Investoren in Krefeld hat der Trainer jedenfalls noch nicht viel mitbekommen. „Also, mit mir hat noch keiner gesprochen. Ich denke, mit den Jungs auch nicht. Das macht natürlich etwas mit den Spielern, gerade mit denen - und von denen gibt's ne ganze Menge -, die im Winter zu anderen Klubs hätten wechseln können. Da wurde ein Riegel vorgeschoben und jetzt, paar Wochen später, weiß keiner, wie es weitergeht.“ Dabei hob Krämer aber vor allem die positive Solidarität in der Mannschaft hervor. Die Spieler helfen sich offenbar sogar finanziell gegenseitig aus. „Und wenn du nicht weißt, wo das nächste Gehalt herkommt, das macht ja gerade mit den jungen Spielern auch was. Aber da ist die Truppe echt cool, die helfen sich gegenseitig mit Kohle. Wir haben ein Pott, wo einer sich was rausholen kann, wenn er Probleme hat und wenn es irgendwann wieder etwas gibt, legt er es wieder zurück. Und was die Leistungen betrifft, muss ich jeden Tag den Hut ziehen. Das ist schon beeindruckend, wie sie das wegsteckt.“

Auch das Hygienekonzept wurde in Lotte eher locker genommen. Auf Fotos, die in den sozialen Medien kursieren, sind vier Personen zu sehen, die auf die Mannschaft einreden. Zwar maskiert, aber wegen der Corona-Pandemie sind derzeit keine Fans im Stadion erlaubt. Laut Krämer waren das „ehrenamtliche Helfer“.