1. Sport
  2. Fußball
  3. KFC Uerdingen

KFC Uerdingen: Trainer Stefan Krämer bestreitet Autoritätsverlust

Nach Fehlereingeständnis : Uerdingens Trainer Stefan Krämer bestreitet Autoritätsverlust

Der Trainer des KFC Uerdingen erklärt, warum er die 0:4-Niederlage gegen Wiesbaden auf seine Kappe genommen und sich schützend vor die Spieler gestellt hat. Und er nennt weitere Gründe für den schlechten Saisonstart.

Im Alter werden die Regenerationsphasen länger. Bei Stefan Krämer scheint das nicht der Fall zu sein. Der Trainer des KFC Uerdingen präsentierte sich 40 Stunden nach der 0:4-Niederlage gegen Wiesbaden ziemlich aufgeräumt und gut gelaunt. Dazu dürfte auch beigetragen haben, dass Präsident Mikhail Ponomarev seiner Argumentation in einem langen Gespräch nicht nur folgen konnte, sondern ihm das Vertrauen ausgesprochen hat.

Erklärungsbedarf hatten aber auch die Fans, die die Ausführungen des Trainers nach dem Spiel staunend zur Kenntnis genommen hatten. Krämer hatte nämlich in aller Öffentlichkeit gesagt, dass die Niederlage auf seine Kappe geht. Entsprechend befürchteten einige einen Autoritätsverlust, andere wiederum spekulierten, er bettele um seinen Rauswurf.

„Beides ist falsch“, erklärte Krämer in einem ausführlichen Gespräch. „Ich glaube nicht, dass ich an Autorität einbüße, wenn ich einen Fehler eingestehe, im Gegenteil. Ich hatte der Mannschaft vor dem Spiel in der Kabine gesagt: Wenn es heute schief geht, stelle ich mich vor euch. Dabei geht es nicht darum, der Mannschaft ein Alibi zu geben, sondern junge Spieler zu schützen. Ich fasse mich zunächst einmal an die eigene Nase. Ich stehe an vorderster Front, auch wenn es nicht läuft. Das heißt natürlich nicht, dass wir intern die Dinge nicht deutlich ansprechen. Die Videoanalyse nach dem Spiel war schon knackig, da sind wir extrem kritisch. Ich denke, so muss es sein. Das ist ein guter Führungsstil, den mag ich.“

Doch es geht nicht nur um das 0:4 gegen Wiesbaden, sondern um den schlechten Saisonstart mit sechs Punkten aus fünf Spielen. „Dafür gibt es Gründe“, sagt Krämer. „Wir haben viele junge, sehr talentierte Spieler, die von so genannten Führungsspielern gestützt, sich entwickeln sollten. Genau die Spieler, an denen sie sich aufrichten sollten, sind jedoch verletzt ausgefallen. Nicht missverstehen: Das ist keine Entschuldigung, aber es ist eine Erklärung. Richtig ist aber auch, dass wir auch ohne diese Schlüsselspieler ein paar Punkte hätten mehr haben können. Aber von der Qualität der Spieler bin ich hundertprozentig überzeugt.“

Zwei Dinge sind für den Coach wichtig: dass er mit sich und seiner Arbeit im Reinen ist und dass er Lösungen für die Misere findet. „Wir sind hier alle total fokussiert. Wir kommen morgens, wenn es noch dunkel ist, und gehen abends im Dunkeln. Wir tun alles, um Erfolg zu haben. Weil ich das weiß, kann ich so handeln. Ich stelle mich vor die jungen Spieler, um ihnen den Druck zu nehmen.“ Und der wird nicht geringer, denn nach dem misslungenen Start haben die Blau-Roten zwei Brocken vor der Brust: Am Samstag geht es zum MSV Duisburg, dann kommt der Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken. „Wir müssen und werden Lösungen finden.“ Keine leichte Aufgabe angesichts der Verletztenmisere (siehe Infobox). Trotz der misslichen Situation und Rückendeckung von Präsident Ponomarev weiß Krämer auch: „Natürlich müssen wir sehen, dass wir punkten. Das muss jede Mannschaft, aber den Druck finde ich gut.“