KFC Uerdingen: Torjäger Maximilian Beister zieht Bilanz nach einem Jahr beim KFC

KFC-Torjäger Beister zieht Bilanz : Sportlicher Erfolg reicht auf Dauer nicht

Maximilian Beister ist jetzt seit einem Jahr beim KFC Uerdingen. Die Bilanz ist überragend, die Perspektiven sind ausgezeichnet. Doch auch er fürchtet um die Nachhaltigkeit, sofern die Infrastruktur nicht erheblich verbessert wird.

Maximilian Beister ist erstaunt. „Es hat sich in den vergangenen Jahren viel getan“, sagt der Torjäger des KFC Uerdingen, als er vom Trainingsplatz kommt. Nicht in Krefeld, denn da ist derzeit kein Training möglich. Nachdem die Mannschaft im Kraftraum gearbeitet hat, dann in der Soccer-Arena war und Co-Trainer Stefan Reisinger alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um einen Platz zu finden, sogar in Duisburg und Dortmund angerufen hat, wurde ein Platz in Düsseldorf angemietet: beheizter Kunstrasen. „Damals gab es hier zwei Trainingsplätze, heute sind es fünf. Trotzdem gibt es viele, die meckern.“ Da würde er mit Blick auf die Krefelder Bedingungen sicherlich gerne tauschen.

Ansonsten ist Beister mit der Entwicklung zufrieden – mit der des Vereins, aber auch mit seiner persönlichen. Vor einem Jahr kam er zum KFC. Seine Bilanz: „Ich hatte Bock, den Verein wieder hoch zu bringen, diesem Traditionsverein auf die Beine zu helfen. Das hat geklappt. Und ich wollte mich persönlich zurück kämpfen, noch mal zeigen und mir beweisen, dass ich auf hohem Niveau spielen kann. Auch das ist mir gelungen, ich habe gezeigt, dass ich es noch drauf habe. Das eine Jahr war komplett positiv, es gibt nichts, worüber ich mich aktuell beschweren kann.“

Als Beister vor einem Jahr kam, lautete die Zielsetzung von KFC-Präsident Mihail Ponomarev: „Wir wollen in spätestens vier Jahren in der Zweiten Liga spielen.“ Bereits ein halbes Jahr später, sind die Blau-Roten in die Dritte Liga aufgestiegen, woran Beister mit zwölf Toren in 17 Spielen maßgeblichen Anteil hatte. „Ich glaube, der Aufstieg kam ein Jahr schneller als erwartet, aber er war verdient. Wer am Saisonende zwölf Spiele in Folge gewinnt, steigt verdient auf. Wir haben alles raus gehauen. Auf die Art und Weise des Aufstiegs kann man stolz sein. Zumal es von der Regionalliga in die Dritte Liga der schwierigste Aufstieg ist, weil man als Meister nicht automatisch aufsteigt. Leipzig hat drei Jahre gebraucht, um aus der Regionalliga aufzusteigen. Und jetzt machen wir den nächsten Schritt.“

Kein leichtes Unterfangen, wie die Hinrunde gezeigt hat. Es war nicht nur die neue, höhere Klasse, die den KFC vor Probleme stellte, sondern er hatte auch mit sich selbst zu tun. 13 neue Spieler mussten integriert werden, quasi eine neue Mannschaft aufgebaut werden. Zu Saisonbeginn haben die Ergebnisse gestimmt, nicht aber die spielerischen Leistungen. Dann fielen die Uerdinger in ein Loch, wo weder Ergebnisse, noch Leistungen stimmten. Doch dann ging es bergauf und es gab fünf Siege in Folge, die zur Winterpause den dritten Tabellenplatz bescherten. „Es hat etwas Zeit gebraucht, bis wir wieder besser gespielt haben“, gesteht Beister. „Aber dann waren wir wieder dominanter und haben zu unserem Spiel gefunden. Am Ende waren wir souveräner und haben attraktiver gespielt. Unter dem Strich stimmte die Ausbeute.“

In der Winterpause hat der KFC nochmals drei neue Spieler verpflichtet: Osayamen Osawe, Adriano Grimaldi und Roberto Rodriguez. Die beiden erstgenannten als Sturmspitzen, letzteren für das offensive Mittelfeld, wo Ali Ibrahimaj noch bis April ausfällt. Damit ist jede Position doppelt besetzt und der Konkurrenzkampf wird weiter angeheizt. „Es liegt an einem selbst“, sagt Beister. „Jeder muss im Trainings und im Spiel überzeugen und eine Top-Leistung bringen.“ Dass das auch problematisch werden und zu Unruhe im Team führen kann, glaubt er nicht. „Es ist doch ganz einfach: Man muss Leistung bringen. Und wer Leistung bringt, der spielt.“ Gerade weil fast alle schon höherklassig gespielt haben, sieht der Angreifer in dem hervorragend besetzten Kader kein Problem: „Die Jungs haben schon auf allerhöchstem Niveau gespielt und wissen, wie schnell es im Fußball gehen kann – und schon ist man raus. Auf der anderen Seite ist Ersatz da, wenn sich einer verletzen sollte.“

Dennoch warnt Beister davor, aufgrund des gut bestückten Kaders zu glauben, der erneute Aufstieg sei greifbar nahe: „Die Rückrunde wird noch schwieriger als die Hinrunde. Jeder Gegner kennt uns, und außerdem ist es immer schwieriger, eine gute Leistung zu bestätigen.“

Beister setzt auf das Team. Von der alten Fußball-Weisheit, wonach der Angriff das Spiel entscheidet, aber die Abwehr die Meisterschaft, davon hält er nichts. „Heute verteidigst du im Verband und greifst im Verband an“, erklärt er. „Es ist doch viel zu einfach, zu sagen: die Viererkette verteidigt und die Stürmer machen die Tore. Wir brauchen mutige Innenverteidiger im Aufbau und Offensivkräfte, die gegen den Ball verteidigen, um der Abwehr möglichst viel Arbeit abzunehmen. Wir brauchen die Elf, nicht einzelne Mannschaftsteile.“

Im Kampf um den Aufstieg sieht er ein Quintett gut positioniert: Osnabrück, Karlsruhe, Halle, Unterhaching und den KFC. „Am Ende entscheiden Konstanz und Ruhe, die Geschlossenheit von Mannschaft und Trainerteam.“

Allerdings hat der KFC einen klaren Wettbewerbsnachteil: Alle Kontrahenten haben bessere Trainingsbedingungen. Aktuell sieht Beister das Team aber dank des Trainingslagers in der Türkei gerüstet: „Durch die harte Arbeit gute Gegner und optimale Bedingungen haben wir uns so perfekt vorbereiten können. Dass die Bedingungen in Krefeld nicht optimal sind, ist bekannt. Aber ich bin zuversichtlich, dass Stadt und Verein die Weichen stellen, damit die sportlichen Erfolge auch nachhaltig sind.“ Der sportliche Erfolg allein wird nämlich nicht ausreichen, um den Verein am Leben zu halten.

Gerne denkt Beister an die Grotenburg-Kampfbahn. „Wenn man da raus kam, das war schon geil. Die Grotenburg war ein echtes Faustpfand. In dieser Saison haben wir gefühlt 38 Auswärtsspiele, auch wenn uns unsere Fans bestmöglich supporten.“ Doch es ist nicht nur das heimische Stadion, das der Mannschaft fehlt, sondern auch ein Trainingszentrum, wie es jede andere Stadt hat und es vom Verband auch vorgeschrieben ist.

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