KFC Uerdingen: Mikhail Ponomarev spricht über den Saisonstart

KFC-Präsident Ponomarev im Interview : „Ich bin in Krefeld glücklich“

Der rasante Aufstieg des KFC Uerdingen aus der fünften in die Dritte Liga ist untrennbar mit einem Mann verbunden: Mikhail Ponomarev. Im Interview spricht der KFC-Präsident über Trainer Krämer, die Stadt Krefeld, die Aufstiegsambitionen und die 50+1-Regel.

Seit März 2015 engagiert sich der russische Geschäftsmann bei dem Traditionsverein, dessen Mitglieder ihn am 25. Juni 2016 als Präsident an die Vereinsspitze gewählt haben. Ponomarev ist kein Mensch, der sich in den Vordergrund drängt, die Öffentlichkeit oder gar das Blitzlichtgewitter sucht.

Herr Ponomarev, wie beurteilen Sie den Meisterschaftsstart des KFC in der Dritten Liga?

Mikhail Ponomarev Zehn Punkte aus den ersten fünf Begegnungen sind okay, das ist eine ordentliche Bilanz. Mit zwei Punkten pro Spiel hält man Kontakt zu den vorderen Plätzen. Aber spielerisch kann sich die Mannschaft noch steigern, da ist noch Luft nach oben. Aber wir haben einige neue Spieler geholt, das braucht etwas Zeit.

Um die heutige Situation besser zu verstehen, in der sich der KFC befindet, ist ein Blick zurück notwendig. Sie haben im März etwas Verrücktes getan: als Tabellenzweiter den Trainer entlassen.

Ponomarev Das war nicht verrückt, sondern eine wohl begründete Entscheidung. Wir waren Tabellenzweiter, aber spielerisch nicht gut. Wir hatten nicht nur einmal schwach gespielt, nicht nur das Pokalspiel gegen Oberhausen verloren, in Essen mit viel Glück einen Punkt geholt. Es war keine emotionale Entscheidung, sondern wohlüberlegt. Wir wussten, dass die Mannschaft mehr kann, und wir wollten Meister werden.

Was zu dem Zeitpunkt aber doch schon ein verwegenes Ziel war.

Ponomarev Als wir Trainer Stefan Krämer geholt haben, waren wir uns in den Gesprächen einig: Der Aufstieg ist kein Muss, aber wir wollen alles tun, um bis zum Ende oben mitzumischen. Und wir machen uns nichts vor, sondern sagen ehrlich: Hätte Viktoria Köln nicht Punkte liegen lassen, wären wir nicht Meister geworden.

Mikhail Ponomarev trug sich bei der Aufstiegsfeier des KFC ins Goldene Buch der Stadt ein. OB Frank Meyer gratulierte im Namen der Stadt. Foto: Lammertz/Lammertz Thomas

Aber konnten Sie ernsthaft eine solche Siegesserie erwarten?

Ponomarev Wir wussten, was die Mannschaft kann. Aber sie hat ja nicht nur 13 von 14 Spielen gewonnen, sondern auch zehn- oder elfmal dabei sehr gut gespielt. Wenn man attraktiv Fußball spielt, kommen auch die Resultate.

War die Verpflichtung von Stefan Krämer als Trainer ein Glücksgriff?

Zwei, die sich gut verstehen: Pinguine-Chef Wolfgang Schulz und KFC-Präsident Mikhail Ponomarev. Foto: Samla

Ponomarev Dass die Mannschaft eine solche Serie hinlegt, konnte er natürlich nicht garantieren. Aber wir wussten genau, wen wir holen. Wir wollten ihn ja schon vor der vergangenen Saison holen, konnten uns aber mit Rot-Weiß Erfurt, wo er damals unter Vertrag stand, nicht einigen.

Warum wollten Sie Krämer?

Ponomarev Weil ich seinen Stil liebe. Er will immer attraktiven Fußball und nach oben.

Das wollen alle anderen Trainer doch auch.

Ponomarev Ja, aber Stefan Krämer setzt das auch um. Seine Arbeit bei Arminia Bielefeld ist das beste Beispiel. Aber war haben uns nicht nur diese Zeit angeschaut, sondern seine Arbeit der vergangenen Jahre genau analysiert und waren überzeugt, dass er zu uns passt.

Wo liegen Krämers Stärken?

Ponomarev Er ist ein emotionaler Typ, und Sport ohne Emotionen kann nicht attraktiv und erfolgreich sein. Natürlich ist er ein Fußballfachmann. Aber vor allem ist er kommunikativ. Das ist besonders wichtig. Er sieht das Beziehungsgeflecht einer Mannschaft und spricht viel mit den Spielern – mit allen, nicht nur mit den ersten elf. Mit elf Spielern kann man nicht gewinnen, höchstens mal ein Spiel, aber selbst das wird schwer. Auf die Saison gesehen werden alle gebraucht.

Apropos Saison, wie lautet denn nun das Ziel?

Ponomarev Wir wollen bis Weihnachten so viele Punkte wie möglich holen.

Erstens, das wollen alle, zweitens, die Saison endet doch nicht Weihnachten. Die anderen Vereine sehen im KFC aufgrund der Verstärkungen einen Aufstiegskandidaten. Ist der KFC das nicht?

Ponomarev Wir sind ein Verein von vielen, die aufsteigen wollen. Aber der Aufstieg ist im Moment nicht unser Ziel. Wir wollen attraktiven Fußball spielen und punkten, dann sehen wir weiter. Und warum ich Weihnachten genannt habe: Das ist der Zeitpunkt, wo wir eine Zwischenbilanz ziehen und die Weichen stellen. Entweder folgt dann der Aufstiegskampf oder es beginnen die Planungen für die kommende Saison.

Mit weiteren Verstärkungen?

Ponomarev Wir sind immer auf der Suche nach Verstärkungen und halten die Augen auf.

Mit Stefan Aigner und Weltmeister Kevin Großkreutz hat der KFC in ganz Deutschland Aufsehen erregt.

Ponomarev Das mag sein, aber wir suchen immer Verstärkungen, keine großen Namen. Allerdings haben wir dabei auch die Erfahrung gemacht, dass Geschichten geschrieben werden, die frei erfunden und nicht wahr sind.

Welche Geschichten meinen Sie  denn da?

Ponomarev Ich gebe ein Beispiel. Da wurde berichtet, wir hätten für Kevin Großkreutz eine Ablösesumme an Darmstadt 98 gezahlt. Wir haben nicht einen Cent Ablösesumme gezahlt, das entspricht auch nicht unserem Konzept. Hier wird versucht, dem KFC ein falsches Image anzuheften.

Aber Aigner und Großkreutz sind ja nicht wegen der schönen, maroden Grotenburg nach Krefeld gekommen.

Ponomarev Nein, das natürlich nicht. Aber wir zahlen auch keine verrückten Gehälter, sondern gut. Entscheidend ist nicht das Geld, sondern die Gespräche mit den Spielern über deren Motivation, mit Großkreutz und Aigner über Wochen, mit Beister über Monate. Entscheidend sind die vielen, vielen Gespräche.

Die könnten andere Vereine doch auch führen. Wo sehen Sie die Unterschiede?

Ponomarev In unserer schlanken Struktur. Wir haben nicht so eine große Geschäftsstelle und Jugendabteilung. Wo bei anderen Drittligisten 100 abseits des Fußballs arbeiten, sind es bei uns nur zehn oder 15. Das ist unser Vorteil. Allerdings haben wir auch nicht 30.000 Zuschauer, da sind andere im Vorteil. Aber unter dem Strich macht jeder Verein in der Dritten Liga ein Minus, es wird nur auf unterschiedliche Weise kompensiert: mal durch städtische Sponsoren, mal durch Investoren. Aber Minus macht jeder.

Gegen Großaspach kamen nur 3.482 Zuschauer in die Schauinsland-Reisen-Arena. Ist das nicht enttäuschend?

Ponomarev Mit den bisherigen Zuschauerzahlen sind wir nicht zufrieden. Wir haben mit 5.000 bis 7.000 Besuchern im Schnitt geplant und hatten uns mehr Zuspruch erhofft. Jeder spricht über den KFC, über die Erfolgsserie, über die Euphorie, aber all das spiegelt sich in den bisherigen Zuschauerzahlen noch nicht wider. Allerdings haben wir auch noch nicht gegen Gegner mit klangvollen Namen gespielt, die kommen vor allem in der Rückrunde.

Ist der Umzug nach Duisburg schuld?

Ponomarev Nein, der mag einen Einfluss haben, ist aber nicht entscheidend. Die Ultras und der harte Kern der Fans unterstützen uns ja, auch wenn es die eine oder andere kritische Äußerung gibt. Aber dass die MSV-Kurve für unsere Fans geschlossen bleibt, ist für mich kein stichhaltiges Argument. In der Grotenburg ist die Ostkurve seit Jahren geschlossen.

Stichwort Grotenburg. Wann kann sie wieder genutzt werden? Und wie wird sie aussehen?

Ponomarev Das kann ich auch nicht genau sagen. Aber die Satdt weiß, was wir brauchen: ein neues, modernes Stadion, am besten in der Grotenburg. Wir haben viele Gespräche geführt und ich bin davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Reicht das?

Ponomarev Wir wollen und werden nicht jahrelang auswärts unsere Heimspiele austragen. Ich bin auch kein Fan von einem schrittweisen Umbau. Man muss sehr gut mit dem Geld umgehen und überlegen, wenn man investiert. Da benötigen wir aber auch Geduld.

Sind Sie denn in Krefeld angekommen? Fühlen Sie sich hier wohl?

Ponomarev Ich habe einen guten Kontakt zu Oberbürgermeister Frank Meyer und einigen Politikern, mit der lokalen Wirtschaft noch nicht. Ich kann noch nicht sagen, das ist meine Stadt, die ich liebe. Aber ich bin in Krefeld glücklich. Allerdings: Wenn man Erfolg hat, ist man immer willkommen.

Herr Ponomarev, Sie sind Präsident, Sponsor, Gesellschafter, Investor. Wie stehen Sie eigentlich zur 50+1-Regel, die im deutschen Fußball gilt und besagt, dass ein Investor nicht die absolute Mehrheit in einem Verein haben darf?

Ponomarev Das ist schwierig, weil beide Seiten recht haben. Die Top-Vereine müssen die Chance haben, sich weiter zu entwickeln. Es ist schwierig, wenn in England und Spanien andere Regeln gelten, man sich aber mit ihnen messen will. Und die Insolvenzen in der Dritten Liga zeigen auch, dass es ohne Geld von außen nicht geht. Ich glaube, die 50+1-Regel muss fallen, aber es braucht Zeit. Das Verhältnis von Geschäft und Tradition muss gut ausbalanciert werden.

Haben Sie so viel Zeit?

Ponomarev Mich betrifft das nicht. Ich befolge die Regeln, achte auf die Mitglieder und Transparenz. Ich weiß, dass die nächste Mitgliederversammlung kommt, aber das ist für uns kein Problem. Ich verstehe aber die Vereine, die international mitmischen wollen. Da müssen einheitliche Regeln herrschen, sonst ist es kein fairer Wettbewerb. Ohne einheitliche Regeln geht es nicht. Aber es ist wie immer und überall: Beim Erfolg ist alles super, beim Misserfolg alles schlecht.

Nächstes Spiel des KFC Uerdingen: Samstag, 1. September, 14 Uhr bei Preußen Münster

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