KFC Uerdingen: Mikhail Ponomarev gesteht Fehler ein

Fans feiern KFC-Präsidenten : Ponomarev gesteht Fehler ein

Der Präsident des KFC Uerdingen nimmt die Stadt in Sachen Grotenburg in die Pflicht, gesteht Fehler ein, erklärt juristische Streitigkeiten und verrät, was Trainer Vogel vor seiner Unterschrift zur Bedingung gemacht hat.

Der KFC Uerdingen hat in den vergangenen Wochen deutschlandweit für Gesprächsstoff gesorgt. Sogar Leipzigs Trainer Ralf Rangnick fühlte sich berufen, über den Krefelder Klub zu urteilen – aus der Distanz und mit fragwürdigem Halbwissen, so dass über seine wahre Motivation, sich zu äußern, trefflich spekuliert werden kann.

Mikhail Ponomarev, der Präsident des KFC Uerdingen, überraschte, indem er zu einem öffentlichen Fan-Treffen lud und sich den Fragen stellte. Über 400 Anhänger des Vereins kamen. Sie wurden mit einer Fülle verschiedener Themen konfrontiert und legten ein beeindruckendes Bekenntnis ab: Sie stellten sich demonstrativ hinter den Präsidenten und Investor und feierten ihn. Ein Überblick über die wichtigsten Themen des Abends. Ponomarev über . . .

. . . die Grotenburg Die Sanierung des Stadions wird in den kommenden Wochen die Schlüsselrolle spielen. Ponomarev will, dass die Stadt die marode Spielstätte so her richtet, dass in der Saison 2020/21 dort Drittliga-Fußball gespielt werden kann. Der Präsident ist nur noch bereit, eine zweite Saison in einem fremden Stadion – nachdem der KFC seine Heimspiele in dieser Saison in Duisburg austragen musste, will er sie in der nächsten Saison in Düsseldorf bestreiten – zu finanzieren. Sollte der Stadtrat der Sanierung nicht zustimmen, habe der Fußball-Standort Krefeld überregional keine Zukunft.

. . . das Nachwuchsleistungszentrum Ein solches NLZ werde nicht nur von den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verlangt, sondern sei auch die Voraussetzung, um den Verein weiter zu entwickeln. Jugendleiter Patrick Schneider leiste hervorragende Arbeit, fast allen Nachwuchsmannschaften stünden unmittelbar vor dem Aufstieg. Allerdings sei es angesichts der in Krefeld herrschenden Rahmenbedingungen nahezu unmöglich, gute Spieler in die Seidenstadt zu holen. „Es geht nicht um meine Kinder“, sagte Ponomarev. „Es geht um die Kinder von Krefeld.“

. . . die Trainerwechsel Die Trennung von Stefan Krämer sei seiner Meinung nach notwendig gewesen. Zwar habe die Punktausbeute gestimmt, nicht aber die Leistung. Viele Punkte seien glücklich errungen worden, selbst gegen unterklassige Gegner habe sich das Team im Pokal schwer getan, es habe eine Spielphilosophie gefehlt. Die Verpflichtung von Norbert Meier sei unter enormem Zeitdruck erfolgt, weil Co-Trainer Stefan Reisinger nicht über die benötigte Fußballlehrer-Lizenz verfügte. Der DFB erlaubt einem Verein nur zwei Wochen ohne Fußballlehrer zu arbeiten. Das war bei der Suche von Meiers Nachfolgers dann anders, weil der inzwischen geholte Co-Trainer Frank Heinemann die geforderte Lizenz besitzt.

. . . Heiko Vogel Es habe intensive Gespräche mit dem Coach vor seiner Verpflichtung gegeben, die bis ins Detail gingen. Dabei sei sogar der Mannschaftsbus ein Thema gewesen. Vogel habe es zur Bedingung gemacht, dass die Mannschaft kommende Saison mit einem anderen Bus gefahren werde. Dabei gehe es nicht nur um mehr  Komfort für die Spieler, sondern auch um eine bessere Präsentation des KFC.

. . . juristische Streitigkeiten Die Vielzahl der Prozesse habe zwei Gründe: teils resultierten sie noch aus der Vergangenheit, teils seien sie aktuell. Dabei gehe es dann um Detailfragen. Das wurde an einem Beispiel deutlich: Im Fall einer Abfindung müsse der Arbeitnehmer nach deutschem Recht die Lohnsteuer zahlen; und der KFC zahle die Abfindung nur, wenn die andere Seite sich dazu schriftlich bereit erklärt habe. Das sei nicht der Fall gewesen, weshalb es zum Beispiel zum Prozess gekommen sei. Oft komme es jedoch zu freundlichen Trennungen, manchmal eben nicht; das sei in der Wirtschaft nicht unüblich.

. . . die Medien All das sei von einigen Medien in den vergangenen Woche – teilweise fern der Wahrheit –  genüsslich ausgeschlachtet worden. Es sei eine Kampagne gegen den KFC und seine Person gewesen. Verwundert sei er darüber, dass sich auch Krefelder daran beteiligt hätten, anstatt den Verein zu unterstützen. Da habe er auch die Solidarität in der Stadt vermisst.

. . . die Twitter-Aktivitäten Dass er einen Twitter-Acount eingerichtet und sich dort geäußert habe, sei ein Fehler gewesen. „Es war der Versuch, auf all die Anfeindungen, die gegen den KFC gerichtet waren, aber mich treffen sollten, zu reagieren. Das war nicht der richtige Weg, die falsche Plattform.“

. . . Chistopher Schorch Im Winter sei es zur Trennung von dem Abwehrspieler gekommen. Das sei sicherlich nicht schön gewesen. Aber Schorch habe sich angesichts der Kampagne bei ihm gemeldet und gefragt, ob er irgendwie helfen oder unterstützen könne.

. . . Kevin Großkreutz Er sei in einer schwierigen Situation zu uns gekommen. Die Zahlen, die über sein Gehalt kursierten, würden nicht einmal annähernd stimmen. Da würden reine Fantasiesummen genannt. Der Spieler sei mit ganzem Herzen in Uerdingen und überall Anfeindungen ausgesetzt. Das habe er nicht verdient.

Mikhail Ponomarev ist angesichts der Unterstützung gut gelaunt. Foto: Mocnik/Mark Mocnik

. . . Johannes Dörfler Der Spieler werde den Verein am Saisonende verlassen. Er habe nicht den langen Atem und Durchsetzungswillen, um sich beim KFC zu etablieren. Wohin er gehe, wisse er nicht. Dörfler wird mit dem SC Paderborn in Verbindung gebracht.