KFC Uerdingen: Manager Stefan Effenberg beklagt Wettbewerbsvorteil der Konkurrenz

KFC-Manager Effenberg zieht erste Bilanz : „Die Konkurrenz hat einen Wettbewerbsvorteil“

Seit gut zwei Monaten ist Stefan Effenberg Manager des KFC Uerdingen. Im ausführlichen Gespräch verrät er, wie er Ruhe in den Verein gebracht hat und was er verändern will.

Stefan Effenberg ist seit 71 Tagen beim KFC Uerdingen im Amt. Damals standen die Blau-Roten nach elf Spieltagen mit 13 Punkten auf Rang 15. Aus den dann folgenden acht Begegnungen holten sie 16 Zähler und haben sich auf Platz acht vorgekämpft. Daran hat Manager Effenberg großen Anteil. Ganz entgegen seiner früheren Art, wo er als Spieler extrovertiert, wortgewaltig und führungsstark auftrat, als Mannschaftsführer die Szenerie gerne dominierte, versieht er seine Aufgabe nun anders: aus dem Fokus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seine persönliche Bilanz der ersten Zweieinhalb Monate fällt positiv aus, doch verschweigt er nicht die Probleme. Stefan Effenberg sagt nach der Hinrunde über . . .

. . . seine ersten Tage beim KFC „Es war eine hochintensive Zeit. Der Verein war in einer sportlichen Situation, die nicht ganz einfach war. Die erste Aufgabe war, gemeinsam einen Trainer zu suchen und die Spieler kennenzulernen. Die Trainersuche haben wir schnell gelöst, weil wir uns intensiv ausgetauscht haben. Dabei haben wir besonders darauf geachtet, dass es menschlich passt. Philosophie oder Taktik spielten eine weniger große Rolle. Natürlich hängt es immer an Ergebnissen, aber aus heutiger Sicht funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Stefan Reisinger und Daniel Steuernagel sehr gut.“

. . . über seine ersten Eindrücke „Bevor ich zum KFC kam, habe ich als Außenstehender ja hauptsächlich die Ergebnisse gesehen. Und das habe ich nicht verstanden. Ich habe mich gefragt: Warum wird die vorhandene Qualität nicht abgerufen? Da muss man dann tief in die Analyse gehen und an den Defiziten arbeiten.“

. . . über die sportlichen Defizite „Es gab im physischen Bereich einen Nachholbedarf. Ohne die notwendigen körperlichen Voraussetzungen kann man weder in der zweiten, noch in der dritten oder vierten Liga bestehen. Daran haben wir hochintensiv gearbeitet. Die Spieler waren unter nicht guten Bedingungen trotzdem voll bei der Sache, die haben sie angenommen. Seitdem haben wir in jedem Training daran, aber auch an taktischen Dingen gearbeitet.“

. . . über die Trainingsbedingungen „Da brauchen wir nicht drum herum reden: Andere Vereine haben uns gegenüber einen klaren Wettbewerbsvorteil. Wir trainieren in der Grotenburg, in Vorst und Meerbusch. Das ist nicht einfach für die Spieler. Die Leute in Vorst und Meerbusch sind sehr bemüht, gute Bedingungen für uns zu schaffen, arbeiten jeden Tag am Rasen und sind dem KFC sehr zugetan, genau wie die Mitarbeiter in der Grotenburg. Die Konkurrenz in der Dritten Liga verfügt teilweise jedoch über bundesligataugliche Bedingungen, davon sind wir weit entfernt.“

. . . über die Gespräche mit der Stadt „Wir hoffen, dass wir was den Trainingsplatz angeht irgendwann eine Möglichkeit aufmachen, die uns viele Jahre erhalten bleibt. Wir müssen langfristig ein Zuhause finden. Das betrifft auch das Stadion. Die Gespräche laufen, der Aufstieg ging natürlich für alle sehr schnell. Wir müssen nun die Diskrepanz zwischen der ersten Mannschaft und den Strukturen drumherum schließen.“

. . . über seine Arbeit als Manager „Die gefällt mir sehr gut. Aber ich sitze nicht sechs, sieben oder acht Stunden täglich im Büro, sondern bin sehr viel bei der Mannschaft. Ich bin bei jedem Training, komme aber schon lange vorher, weil ich mit den Spielern, Trainern, Physios spreche. Ich will alles wissen und bin immer da. Es ist ein sehr, sehr intensiver Austausch – auch mit Mikhail Ponomarev. Da lege ich ganz großen Wert drauf und er auch.“

. . . über seine vielfältigen Aufgaben „Ich wusste doch, worauf ich mich einlasse. Das macht doch auch den Reiz aus, sich einbringen und Neues gestalten zu können. Woanders sind die Strukturen fest vorgegeben. Hier muss und kann vieles aufgebaut werden, der Fitnessraum, die medizinische Abteilung. Da müssen wir uns an der ersten und zweiten Liga orientieren.“

. . . über seinen Kontakt zu den Spielern „Es ist wie mit Kindern. Du musst sie manchmal tadeln, manchmal loben, aber am Ende des Tages magst du sie und freust dich auf sie. Ich freue mich jeden Morgen drauf, wenn ich aufstehe.“

. . . was ihm wichtig ist „Die Beziehung zu den Spielern und Trainern und zu Präsident Ponomarev hat höchste Priorität. Mit den Spielern spreche ich nicht nur über Fußball, sondern auch über private Dinge. Uli Hoeneß und Rolf Rüßmann waren mir immer ein Vorbild, sie waren immer für die Spieler da.“

. . . über den Skandalklub KFC Uerdingen „Skandalklub KFC finde ich ebenso lächerlich wie Bayern FC Hollywood. Das brauchen einige Medien. Ich bin davon überzeugt, dass ein Skandalklub nicht mal eben von der fünften in die dritte Liga durchmarschiert. Und dass Trainerwechsel manchmal Unruhe mit sich bringen, bleibt nicht aus. Mir ist wichtig, dass wir eine Sprache sprechen und einen Weg gehen; wenn dann gut gearbeitet wird und die Ergebnisse stimmen, dann herrscht auch Ruhe im Verein. Und je ruhiger es ist, desto besser wird gearbeitet.“

. . . über die Fans „Seit wir nicht mehr in der Grotenburg spielen können, ist die Nähe zu den Fans vielleicht etwas verloren gegangen. Wir arbeiten daran, diese Nähe wieder zu schaffen und auf die Fans zuzugehen. Wir wollen es gemeinsam schaffen. Am Sonntag in Köln war das schon toll, das hat mir sehr gut gefallen, das haben sie richtig gut gemacht. Auch da verändert sich was, wir sind auf dem richtigen Weg.“

. . . über die Kaderplanung „Die hat natürlich schon begonnen. 14 Verträge laufen aus. Ich sehe das positiv und relativ entspannt. Im Trainingslager werden wir die Kaderplanung intensivieren, dann mit den Spielern und Beratern sprechen. Auf die Gespräche freue ich mich. Natürlich hoffen wir, mit Spielern wie Mbom, Evina oder Barry länger arbeiten zu können, aber das können wir nicht alleine entscheiden, da gehören dann die verleihenden Vereine und Spieler dazu.“

. . . über Veränderungen des Kaders „Wir haben aktuell 28 Spieler, mit denen wollen wir grundsätzlich weiter zusammenarbeiten. Daher wollen wir in der Winterpause nicht viel verändern. Allerdings macht uns die U23-Regel Sorgen. Da könnten wir im Winter den einen oder anderen dazu holen. Aber die eigentlichen Planungen betreffen die kommende Saison. Da wird es eine strukturelle Veränderung geben.“

. . . über die Finanzen „Beim KFC kann man viel Geld verdienen? Das kann man überall im Fußball. Und die Spieler sollen viel verdienen, wenn sie dafür auch Erfolg haben.“

. . . über die Rückrunde „Wir haben uns jetzt etwas Luft verschafft. Jetzt fangen die Spieler vielleicht an, nach oben zu schielen. Das geht aber nur, wenn sie jeden Tag hundert Prozent Einsatz bringen, sonst wird das nichts. Ich war lange genug Spieler, ich weiß das. Der Abschluss der Hinrunde war ordentlich. Wir freuen uns alle auf Weihnachten, aber ich will die drei Punkte am Sonntag in Halle trotzdem.“

. . . über das Saisonziel „Jetzt warten wir mal noch das Spiel in Halle ab. Wenn wir dann eine optimale Vorbereitung haben, wird die Mannschaft noch besser. Dann können wir uns vielleicht im März über Ziele unterhalten. Aber vor zwei Monaten waren wir auf Platz 15, da können wir jetzt nicht anfangen zu träumen. Jetzt vom Aufstieg zu sprechen, das wäre angesichts der Bedingungen noch nicht realistisch. Demut ist da ein gutes Wort.“

. . . über das Weihnachtsfest „Das verbringe ich mit der Familie zu Hause in Düsseldorf. Ich werde manchmal gefragt, warum ich nicht in München bin. Ganz einfach: weil ich hier arbeite und zu hundert Prozent für den KFC da bin. Das kann ich nicht nur predigen, sondern lebe es den Spielern auch vor. Und ich fühle mich hier verdammt wohl.“