KFC Uerdingen: Khalil Mohammad und weitere Ladenhüter auf der Abschussliste

Wer verlässt den KFC? : Mohammad und das Missverständnis

Der Kader des KFC Uerdingen ist zu groß. Vor allem hat er viel zu viele verletzungs- und krankheitsanfällige Spieler in seinen Reihen. Trennungen während der Transferperiode sind erwünscht, aber schwierig.

Es war einmal ein junger ehrgeiziger Spieler namens Khalil Mohammad. Der kickte als kleiner Junge beim FC Norden und Kickers Emden. Im Alter von zwölf Jahren wurde er von Borussia Mönchengladbach entdeckt. Bei den Fohlen am Niederrhein genoss er eine solide Ausbildung und träumte davon, Profi zu werden. Doch für den ganz großen Sprung in die Bundesliga reichte es nicht, deshalb wechselte er mit 22 Jahren zur SG Wattenscheid 09, dann zu Alemannia Aachen, von dort zum SC Wiedenbrück. Bei dem Regionalligisten erwies er sich als kampfstarker, defensiver Mittelfeldspieler und beeindruckte die damaligen Entscheider des KFC Uerdingen derart, dass sie ihn im Sommer 2018 mit einem Zweijahresvertrag ausstatteten. Glücklich ist er in Uerdingen allenfalls beim Blick auf sein Konto geworden.

Mohammad hätte den KFC schon im vergangenen Sommer verlassen können. In der vergangenen Saison stand er bei drei Einsätzen insgesamt nur 59 Minuten auf dem Platz. Das kann einen Fußballer, der spielen will, nicht zufrieden stellen. Doch der inzwischen 27 Jahre alte Profi blieb und stand in dieser Saison nicht eine Minute auf dem Feld. So hat er in 58 Meisterschaftsspielen nur drei Mal das blau-rote Trikot getragen, von 5220 Minuten nur 59 gespielt.

„Es ist keine einfache Situation für ihn“, sagt Teamchef Stefan Reisinger. Bleibt die Frage, warum er sie nicht ändert und den Verein wechselt? Das Argument, bei einem anderen Klub werde er nicht so viel verdienen, ist richtig, aber nicht stichhaltig. Schließlich ist es nicht ausgeschlossen, dass der KFC ihm finanziell entgegen käme. Eigentlich müsste Mohammad eine solche Gelegenheit suchen und ergreifen – aus eigenem Interesse: denn seinen Marktwert kann er auf der Tribüne nicht steigern, sich nicht zeigen, vor allem nicht Fußball spielen.

Khalil Mohammad ist aber kein Einzelfall. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Tobias Rühle, Selim Gündüz, Dennis Daube, Ali Ibrahimaj, Oliver Steurer oder auch Kevin Großkreutz derzeit zufrieden sind. Sie alle sind in dieser Saison nicht wie erhofft zum Zug gekommen. So unterschiedlich die Gründe auch gewesen sein mögen, ihre Einsatzzeiten waren gering. Daube stand bei vier Einsätzen insgesamt 139 Minuten auf dem Platz, nur wenig mehr Ibrahimaj (5/168), Steurer (5/382), Rühle (7/238), Gündüz (10/529) und Großkreutz (8/699).

Wird der eine oder andere Spieler den KFC in der Winterpause verlassen? Das wäre durchaus möglich. Preußen Münster soll zum Beispiel an einer Rückkehr von Rühle interessiert sein. Mit 28 Spielern ist der Kader zu groß, dabei gehören ihm viel zu viele verletzungs- und krankheitsanfällige Spieler an. „Wir wollen mit den Spielern weiter zusammenarbeiten“, sagt Manager Stefan Effenberg. Aber spätestens in wenigen Wochen kommt eine Menge Arbeit auf ihn zu, denn 14 Verträge laufen aus. „Das sehe ich positiv und entspannt“, sagt er.

Zwei Spieler sollen im Januar den Kader aber auch noch verstärken. „Die U23-Regel macht uns Sorgen“, sagt Effenberg. Teamchef Reisinger hofft aber nicht nur auf zahlenmäßige Verstärkung, sondern auf junge, hungrige Spieler, die den Konkurrenzkampf im Team weiter anheizen. „Für mich zählt nur die Leistung“, sagt er.