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KFC Uerdingen: Kapitän Jan Kirchhoff wirbt nach 1:4-Pleite bei Eintracht Braunschweig um Verständnis

Nach der 1:4-Schlappe in Braunschweig : Uerdingens Kapitän Kirchhoff wirbt um Verständnis

Der KFC Uerdingen leistet sich zu viele Fehler und verliert bei Eintracht Braunschweig verdient mit 1:4. Torhüter Lukas Königshofer patzt, Roberto Rodriguez agiert zu unüberlegt und ungestüm.

Jan Kirchhoff ist ein ruhender Pol. Dadurch wirkt er auf dem Platz manchmal geradezu lethargisch. Abseits des Feldes ist diese Ruhe aber wohltuend. Er fällt kein vorschnelles Urteil, sondern wählt überlegte Worte, sein Gedankengang ist durchdacht. Auch nach der doch ziemlich ernüchternden Vorstellung seiner Mannschaft in Braunschweig, wo der KFC Uerdingen vieles schuldig blieb und verdient mit 1:4 (0:3) unterlegen war. „In der ersten Halbzeit haben wir keinen Zugriff bekommen und waren immer einen Schritt zu spät“, sagt er. „Wir waren heillos unterlegen, hatten keine Balleroberung. Das hat sich in den Toren widergespiegelt, das 0:3 war berechtigt.“

Mit diesem Resultat war die Begegnung in Braunschweig entschieden, obwohl Hertha BSC tags zuvor in Düsseldorf vorgemacht hatte, dass auch solch eine Partie noch gedreht werden kann. Doch so etwas ist nicht für den rational denkenden Kirchhoff: „Ja, so etwas gibt es im Fußball, aber es kommt nicht allzu oft vor. In 99 Prozent der Fälle ist bei einem 0:3-Rückstand zur Pause das Spiel entschieden.“ So war es auch in Braunschweig.

Anders als bei der blamablen 0:2-Niederlage gegen Münster in der Vorwoche wollten die Verantwortlichen der Mannschaft diesmal den Siegeswillen nicht absprechen.  Kapitän Kirchhoff stellt sich schützend vor seine Mitspieler: „Das ist doch keine böse Absicht, jeder will gewinnen und alles richtig machen. Da werde ich keinen Vorwurf machen. Fußball ist auch ein Fehlersport.“

Fehler leistete sich der KFC zu viele, natürlich ungewollt. Aber diesmal stellte sich Trainer Daniel Steuernagel nicht einfach vor das Team, sondern nannte Ross und Reiter, wobei es auch jeder gesehen hatte: „Entscheidend waren heute dumme Fouls. Vor dem ersten Gegentor von Roberto Rodriguez. Das 1:0 ist dann ein klarer Torwartfehler, da darf er nicht spekulieren. Dem zweiten Treffer geht wieder ein Foul von Rodriguez voraus.“ Allerdings auch eine Abseitsstellung, die der Schiedsrichter übersieht, dafür aber auf Elfmeter entscheidet, als Osawe einen Schuss abbekommt. Dem dritten Gegentor geht ein ungeahndetes Foul an Matuschyk voraus. „Aber da dürfen wir den Gegner nicht laufen lassen, sondern müssen ihn irgendwie stoppen“, sagt Steuernagel. Notfalls mit einem durchdachten, angemessenen, klugen Foul.

Wenngleich die Entstehung der Gegentore teils dumm, teils unglücklich war, so gab es doch noch weitere Gründe für die Niederlage. „Es war kein gutes Spiel und eine verdiente Niederlage“, sagte Steuernagel, der auch taktische Defizite sah. „Die Wege aus der Raute waren viel zu weit, wir hatten dadurch viel zu wenig Druck auf den Ball. Nach der Pause haben wir umgestellt, da hat die Mannschaft Moral bewiesen, aber es war zu wenig.“

Tatsächlich kamen die Uerdinger nach dem Wechsel wenigstens mal gefährlich vor das gegnerische Tor, was in Durchgang eins kein einziges Mal der Fall war. Das schöne Ehrentor durch Ali Ibrahimaj war der Lohn, worüber sich jedoch keiner so recht zu freuen vermochte.

Kapitän Kirchhoff, in dem möglicherweise ein Diplomat verloren gegangen ist, sagte mit Blick auf die speziellen Uerdinger Verhältnisse: „Profifußball bedeutet jeden Tag Kampf. Kampf um die Trainingszeit, Kampf um den Trainingsplatz, das ist jeden Tag anders. Es gibt Schwankungen von Tag zu Tag. Aber es muss alles passen, um erfolgreich zu sein. Ich möchte auch um etwas Verständnis werben, weil es nicht so einfach ist.“