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KFC Uerdingen: Kapitän Assani Lukimya schlägt Alarm

KFC-Kapitän Lukimya schlägt Alarm : Ohne bessere Trainingsbedingungen kein Aufstieg

Nicht die schwache Torausbeute oder die Negativ-Schlagzeilen im Umfeld des KFC Uerdingen verhindern laut Kapitän Assani Lukimya den Aufstieg in die zweite Liga, sondern die katastrophalen Trainingsbedingungen.

Es gab einige, die die Nase rümpften, als Mikhail Ponomarev, Präsident und Investor des KFC Uerdingen, im Januar 2019 Assani Lukimya verpflichtete. Sie waren der Meinung, es handele sich um einen weiteren Akteur, der seinen Zenit längst überschritten habe und auf seine alten Tage nur noch einmal absahnen wolle. Diese Kritiker wurden Lügen gestraft. Der Innenverteidiger, der in drei Wochen sein 35. Lebensjahr vollendet, bringt nicht nur Woche für Woche seine Leistung, sondern ist ein Leistungsträger, Wortführer, Kapitän. „Er ist eine Autorität in der Kabine“, berichtet Trainer Stefan Krämer. „Wenn er aufsteht und etwas sagt, dann spitzen alle die Ohren. Sein Wort hat Gewicht.“ Was liegt da näher, als mit ihm zu sprechen?

Das Kabinengespräch beginnt gleich ziemlich überraschend. „2020 war ein gutes Jahr“, sagt Lukimya allen Ernstes. Das klingt angesichts der Corona-Pandemie, fehlender Zuschauer, dem 13. Tabellenplatz am Saisonende und dem aktuellen Rang neun geradezu kess und provokativ. Doch Lukimya meint es ernst. „Natürlich gab es sportlich gesehen Höhen und Tiefen, aber umso schöner ist es doch, wenn man zum Abschluss des Jahres es so positiv gestalten kann, dass man zufrieden zurückblicken kann.“

Dass es zum Abschluss eine bittere 0:2-Niederlage gegen den Angstgegner 1. FC Kaiserslautern gab, weiß er natürlich, doch hat er nicht ein Spiel, sondern die gesamte Entwicklung des KFC im Blick. „Wir haben aus den letzten vier Spielen sieben Punkte geholt, dadurch Selbstvertrauen getankt und freuen uns jetzt auf 2021. Wir wollen da weitermachen, wo wir aufgehört haben.“

Beim Rückblick auf das vergangene Jahr lüftet er auch ein Geheimnis: Für ihn war es nämlich nicht selbstverständlich, seinen Vertrag zu verlängern – nicht weil er einen Vereinswechsel in Erwägung zog, wohl aber das Karriereende. „Ich hatte wirklich überlegt, aufzuhören. Aber dann hatte ich gute Gespräche mit dem Trainer. Es hat dann wirklich vieles dafür gesprochen, weiterzumachen, gerade wenn er hier ist. Es wurde darüber gesprochen, was man plant, wie man die Mannschaft zusammenstellen will. Das hat mir dann viel Mut und Kraft gegeben, so dass ich sagen konnte: Wir können gerne weitermachen. Und die Zusagen wurden eingehalten. Wir haben eine junge, hungrige Mannschaft, die sich in den vergangenen Monaten enorm weiter entwickelt hat. Da steckt sehr, sehr viel Potenzial drin.“

Dass sich Trainer Stefan Krämer mühte, Lukimya zum Weitermachen zu bewegen, kann nicht überraschen. Schließlich war der Innenverteidiger nach der Corona-Zwangspause der Spieler, der in viereinhalb Wochen alle elf Begegnungen über 90 Minuten auf dem Platz stand. „Er ist körperlich topfit“, urteilt der Coach. „Aber das ist nicht nur eine Sache des Trainings, sondern Luki lebt für den Fußball. Er arbeitet auch privat an der Fitness, holt sogar einen eigenen Physiotherapeuten zu sich nach Hause, wenn er merkt, dass sein Körper es braucht.“

Lukimya ist von der Qualität der Mannschaft überzeugt und hat seine Entscheidung nicht bereut. „Es freut mich, in der Mannschaft zu sein und macht riesig Spaß. In der Vergangenheit hatten wir defensiv Probleme, da hat jeder gemacht, was er wollte. Aber jetzt ziehen alle an einem Strang, alle sind gewillt, defensiv zu arbeiten.“

Bereits vor der Saison hatte sich der KFC-Kapitän im Gespräch mit dieser Redaktion festgelegt und behauptet, die Mannschaft werde einen einstelligen Tabellenplatz holen. Das scheint inzwischen durchaus möglich. Aber was fehlt, um in die Spitzengruppe vorzustoßen? Etwa ein Torjäger? Schließlich hat der KFC zwar die zweitbeste Abwehr der Liga, aber den schwächsten Sturm. Doch Lukimya hat auch hier ein überraschende Antwort parat: „Ich glaube, das wäre sogar mit der Mannschaft ohne große personelle Änderungen möglich, wenn die Bedingungen stimmen würden. Es ist wirklich schwierig, Abläufe zu trainieren, wenn man Plätze vorfindet, auf denen das nicht möglich ist. Wir gehen mit einer guten Mentalität in die Spiele und geben alles, haben aber noch Luft nach oben, was die Spielabläufe angeht. Und das ist auf die Bedingungen zurückzuführen.“ Jeder Arbeiter benötige das richtige Werkzeug, um seine Arbeiten gut ausführen zu können. Entsprechend sei ein vernünftiger Trainingsplatz erforderlich. Das sei nicht der Fall. „Im Sommer hatte ich noch die Hoffnung, aber es wurde von Woche zu Woche schlechter und ist nicht das, was im Profibereich erforderlich ist. Die spielerischen Abläufe, die erforderlich sind, um oben mitzuspielen, können wir auf diesem Platz einfach nicht trainieren. Das ist das, was fehlt.“ Die Unruhe im Umfeld habe hingegen weniger Einfluss auf die Leistungen. „Negative Schlagzeilen sind natürlich schade“, sagt er. „Da bekommt man Anrufe, ob es stimmt, was berichtet wird und was da los sei. Ich kann immer nur sagen: Es stimmt nicht alles, aber es gibt auch ein paar Sachen, die kann man oder muss man besser machen, wenn man erfolgreich sein will. Es ist immer die Frage, welche Ziele man hat, aber wenn man oben mitspielen oder aufsteigen will, dann  reicht es nicht. Wir haben eine gute Mannschaft, mit der man viel erreichen kann, aber das ganze Drumherum muss auch einfach passen. Das ist momentan schwierig bei uns.“

Lukimya ist trotz der von ihm angesprochenen Kritikpunkte zuversichtlich, sein Wunschzettel für 2021 entsprechend überschaubar. „Ich hoffe, dass der Zusammenhalt bestehen bleibt, das auf dem Platz weiterhin jeder für jeden da ist“, sagt er. „Darüber hinaus wünsche ich mir natürlich, dass der Verein ein bisschen mehr dafür tut, dass wir bessere Bedingungen haben, damit wir uns spielerisch und offensiv verbessern können, weil das nur über bestimmte Abläufe geht, die wir hier einfach nicht trainieren können.“

Auf die anstehenden Veränderungen in der Vereinsführung ist Lukimya gespannt. „Herr Ponomarev war schon mit dem Herzen dabei“, sagt der Kapitän. „Er hat den Verein übernommen, wo er komplett am Boden lag. Er hat sehr, sehr viel investiert, damit der KFC jetzt da steht, wo er steht und die Hoffnung hat, in die zweite Liga aufzusteigen. Das muss man ihm zugute schreiben. Aber jetzt gibt es eine Phase, in der es nicht optimal läuft. Wenn er weitermachen wollte, müssten die Bedingungen geschaffen werden, so dass er auch sagen kann: Jungs, jetzt gibt es keine Ausreden mehr, das ist das Ziel. Das wünsche ich mir – ob von Herrn Ponomarev oder seinem Nachfolger.“ Dann könne er sich sogar vorstellen, noch eine Saison dran zu hängen, sofern sein Körper grünes Licht gibt. „Sonst muss ich Platz machen für einen Jüngeren, der es besser macht.“