KFC Uerdingen im Trainingslager: Dreikampf der Torhüter

Dritter Torwart beim KFC Uerdingen: Der dritte Mann

Tim Schneider, 21 Jahre alter Torhüter des KFC Uerdingen, trainiert täglich, darf aber nie mitspielen. Der Krefelder verrät, warum er trotzdem zufrieden ist und seine Mannschaft eine gute Chance hat, in die Zweite Liga aufzusteigen.

Was ist das nur für ein Leben? Im Sommer 2017 kam Tim Schneider zum KFC Uerdingen. Er hat seitdem in der vergangenen Spielzeit kein einziges Spiel für die Blau-Roten absolviert und in dieser Saison 19 Spiele von der Tribüne aus gesehen. Einmal durfte er auf der Bank sitzen: beim 2:1-Sieg gegen Carl-Zeiss Jena. Er kommt jeden Tag zum Training, arbeitet hart, wirft sich bei Regen in den Schlamm und schwitzt bei sengender Sonne. Nur mitspielen, was doch für fast jeden Fußballer sonst das wichtigste ist, darf er seit eineinhalb Jahren nicht.

Was ist das nur für ein Leben? „Ein sehr gutes“, antwortet Tim Schneider. „Es war immer mein Traum Fußballprofi zu werden, und jetzt bin ich es. Für mich ist das eine Riesenchance, Erfahrung zu sammeln. Ich bin noch sehr jung und muss noch viel lernen.“

An Neujahr vor 21 Jahren ist er geboren nicht in Krefeld, sondern in Köln. Weil das seine Eltern so wollten, die aus der Domstadt kommen. Aber gewohnt hat er nie in Köln, nicht einen Tag. Nach der Geburt ging es sofort nach Krefeld. „Natürlich bin ich Krefelder“, sagt er und lacht. Und deshalb ist es für ihn noch mal etwas ganz Besonderes für den KFC Uerdingen zu spielen. „Hier habe ich als kleiner Junge angefangen, Fußball zu spielen. Und ist habe immer verfolgt, was der Verein macht, so wie ich auch den Weg des KEV verfolge.“

Müde, abgekämpft und trotzdem zufrieden kommt KFC-Torhüter Tim Schneider vom Trainingsplatz in Belek. Foto: Thomas Schulze

Ein Jahrzehnt lang wurde er bei anderen Vereinen ausgebildet. Seine Eltern haben ihn nach der Schule fast täglich zum Training nach Leverkusen, Essen, Bochum und Aachen kutschiert. Doch verwurzelt ist er in Krefeld. Hier hat er am Horkesgath Gymnasium sein Abitur bestanden, hier ist sein Freundeskreis, mit denen er auch früher Spiele des KFC besucht hat. „Ich genieße es, nicht mehr pendeln zu müssen und in der Stadt Fußball zu spielen, in der ich lebe.“

Demut, Dankbarkeit und ein hohes Maß an Professionalität zeichnen ihn aus. Demut und Dankbarkeit schwingen in seinen Worten mit: „Vor vier Jahren habe ich namhafte Spieler wie Kevin Großkreutz oder Dominic Maroh im Fernsehen gesehen, jetzt spiele ich mit ihnen zusammen in einer Mannschaft.“ Doch erstarrt er nicht respektvoll, sondern sein Ehrgeiz wird angestachelt und ist entsprechend groß.

All das hilft ihm dabei, täglich zu trainieren und an sich zu arbeiten, wohlwissend, dass er auch in dieser Saison wohl kaum ein Spiel absolvieren wird. Bewahrheitet sich hier, die Redewendung, dass Torhüter und Linksaußen eine Macke haben? „An dem Punkt nicht“, widerspricht er. „Vielleicht, wenn ein Torwart den Ball ins Gesicht bekommt und sich freut, weil er den abgewehrt hat. Das könnte man vielleicht als Macke bezeichnen.“

Mit seiner tadellosen Einstellung genießt er bei Trainer Stefan Krämer großen Respekt. „Tim ist charakterstark und ungemein ehrgeizig“, sagt der Coach. Dieser ungeheuere Ehrgeiz ist es, der Schneider antreibt, so dass er den Platz auf der Tribüne verschmerzt. „Ich habe in René Vollath und Robin Benz zwei Torhüter vor mir, von denen ich viel lernen kann. René verfügt zum Beispiel über ein hervorragendes Stellungsspiel. Aber oft geht es nur um Kleinigkeiten, die man sich abschaut. Aber ich frage mich bei jedem Ball, was hätte ich besser oder anders machen können.“

Seiner Mannschaft traut Schneider den Aufstieg vor allem aus zwei Gründen zu: „Weil wir über eine Riesenqualität verfügen und trotzdem eine Mannschaft, eine Einheit geblieben sind.“ Das passt in seinen Karriereplan, der kein konkretes Ziel beinhaltet: „Ich möchte so weit kommen, wie es geht; vor allem aber so lange wie möglich hoch spielen.“

Und so wird er vielleicht im Mai zum zweiten Mal mit der Mannschaft aufsteigen, ohne ein einziges Mal gespielt zu haben.

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