KFC Uerdingen: Großkreutz will bei Elfmeterschießen gegen BVB nicht antreten

Die alte Liebe macht es möglich : Großkreutz’ Rückkehr auf die große Bühne

Für den KFC Uerdingen ist das Pokalspiel gegen Borussia Dortmund einer der Höhepunkte in dieser Saison, doch für den Verteidiger ist es viel mehr: die Begegnung mit der großen, alten Liebe. Entsprechend aufgeregt ist er.

Kevin Großkreutz nimmt auf dem Podium Platz. Vor ihm sitzen mehr als drei Dutzend Journalisten, fünf Fernsehsender haben ihre Kameras aufgebaut. Sein Blick ist wehmütig. Er spiegelt die Erinnerungen an längst vergangene Tage wider – damals, bei Borussia Dortmund, als er Weltmeister, deutscher Meister und Pokalsieger wurde, als er auf der großen Bühne stand, Kameras ständig auf ihn gerichtet waren. Jetzt blicken sie wieder alle auf ihn. Aber nicht, weil er derzeit der Kapitän des KFC Uerdingen ist, sondern weil er mit dem Fußball-Drittligisten am Freitag (20.45 Uhr/live bei Sport1/Sky) in der ersten DFB-Pokalrunde auf Borussia Dortmund trifft. Die Duelle zwischen David und Goliath üben immer einen besonderen Reiz aus, der noch einmal potenziert wird durch das Treffen zwischen Großkreutz und seiner großen, alten Liebe BVB.

„Als das Los gezogen wurde, sind wir alle durchgedreht“, erzählt der gebürtige Dortmunder. „Ich hatte innerhalb von zwei Minuten 200 Nachrichten auf meinem Handy.“ Vielen Freunden hat er Karten für das Spiel in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena besorgt, die mit über 30.000 Zuschauern gut gefüllt, aber nicht ausverkauft sein wird. „Ich habe 200 Karten organisiert, habe quasi meinen eigenen Fan-Block, und ich weiß, wo sie sitzen.“ Seine Augen leuchten, wenn er darüber spricht, in ihm lodert das Feuer der Liebe: zur Borussia, zum Fußball und ein kleines bisschen auch schon zum KFC. „Das ist für mich ein ganz großes Spiel, ich kann es kaum abwarten.“

Am Freitag soll Großkreutz seine alte Liebe bearbeiten, quälen, im besten Fall sogar raus werfen aus dem Pokal. Er findet dafür gemäßigte Worte. „Wir werden versuchen, den BVB etwas zu ärgern“, sagt er. „Ich bin seit meiner Kindheit Fan von Borussia Dortmund und werde es immer sein. Aber für die 90 Minuten kenne ich keine Freunde. Danach werde ich wieder Fan von Dortmund sein.“

Angst hat er vor dem Duell mit den Schwarz-Gelben nicht, weder vor seinem Freund Marco Reus, mit dem er anschließend das Trikot tauschen wird, noch vor Jadon Sancho. „Ich habe mich jedem Gegner gestellt“, sagt er. „Ich freue mich auf die Duelle und will sie ein bisschen ärgern. Aber das ist schon komisch.“ Sollte es allerdings dazu kommen, dass die Uerdinger den Ärger auf die Spitze treiben, dann wird sich Großkreutz zurückziehen. Bei einem eventuellen Elfmeterschießen stünde er nur ungern zur Verfügung. „Ich bin so ein schlechter Schütze“, behauptet er. „Da sind andere für zuständig. Aber wenn ich es muss, dann werde ich versuchen, ihn rein zu hauen.“ Trainer Heiko Vogel wird Großkreutz die seelische Notsituation sicherlich ersparen.

Dass der Drittligist überhaupt eine Chance hat, bezweifeln die meisten. Es wäre schon schön, wenn der David dem Goliath eine zeitlang Paroli bieten könnte und es ein schönes Spiel wird. „Um gegen Borussia zu bestehen, muss schon vieles zusammen kommen“, sagt Großkreutz. „Das ist eine Weltklassemannschaft. Michael Zorc und Sebastian Kehl haben bei der Zusammenstellung überragende Arbeit geleistet.“

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