KFC Uerdingen gibt Torjäger Lucas Musculus nicht ab

Dritte Liga : KFC gibt Torjäger Musculus nicht ab

Trainer Stefan Krämer hatte seinen Wunsch geäußert, jetzt zerstreut auch Präsident Mikhail Ponomarev Zweifel. Er will nicht viel Geld für den Stürmer, sondern Tore von ihm sehen. Doch die Wechselfrist läuft erst Freitag ab.

Nach einer Stunde kommt Lucas Musculus auf den Platz. Er ist der Hoffnungsträger des KFC Uerdingen im Spiel gegen die defensivstarke SG Sonnenhof Großaspach. Schließlich hatte der 27 Jahre alte Stürmer zwei Mal in Folge als Joker gestochen: Gegen Meppen erzielte er in der Nachspielzeit den Siegtreffer zum 3:2 und in München bereitete er das Siegtor vor. Auch diesmal war er keine 60 Sekunden auf dem Platz, da setzte er seine erste Duftnote, doch sein Schuss verfehlte das Tor. Diesmal gelang es den Uerdingern auch mit Hilfe von Musculus nicht, den entscheidenden Treffer zu markieren, es blieb beim 0:0.

Kommentar zum 0:0 des KFC Uerdingen gegen Großaspach

Seit Wochen wird nun darüber spekuliert, ob Torjäger Musculus beim KFC bleibt oder doch noch wechselt? Bis zum 31. August ist das noch möglich. Trainer Stefan Krämer hatte bereits vor einer Woche gegenüber dieser Zeitung gesagt, dass er den Stürmer nicht abgeben möchte. „Es ist unser einziger Neuner“, hatte der Coach gesagt. „Und er hat einen guten Arbeitsnachweis erbracht.“ Auch nach dem Spiel gegen Großaspach änderte er seine Meinung nicht.

Die Fans lieben Musculus, auch weil er ein Typ ist. Er ist kein brillanter Techniker, wirkt manchmal sogar eher etwas unbeholfen. Aber er arbeitet unermüdlich und sucht konsequent den Abschluss. Das würde natürlich nicht reichen, doch hat der Stürmer etwas, was man nicht lernen, nicht üben kann: einen Torriecher. Er ist im richtigen Moment am richtigen Ort – und vollstreckt.

Doch warum spielt er nicht immer? Warum gibt es die Wechselgerüchte? Musculus spielt nicht immer, weil nicht in jeder Begegnung über 90 Minuten ein Strafraumspieler benötigt wird. Zum Beispiel ist er nicht von Beginn an erste Wahl in einem schweren Auswärtsspiel, wo es darum geht, vorne den Ball festzumachen oder zu kontern.

Aber er will Tore schießen, was jedoch nur möglich ist, wenn er spielen kann. In den ersten fünf Meisterschaftsspielen ist er 90 Minuten zum Einsatz gekommen, wobei er in den ersten beiden Begegnungen zuschauen musste. Das hat ihm überhaupt nicht geschmeckt und hat die Wechselgerüchte befeuert. Konkretes Interesse soll von Rot-Weiss Essen, dem 1. FC Saarbrücken und Viktoria Köln vorgelegen haben. Die Domstädter sind übrig geblieben und haben laut „Kicker“ die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Doch die Kölner sind chancenlos, der KFC gibt Musculus nicht ab. Das stellte Präsident Mikhail Ponomarev gegenüber dieser Zeitung klar: „Das Thema ist beendet. Musculus hat hier einen Vertrag, er muss bleiben.“ Allerdings hat Ponomarev auch Verständnis für den Torjäger: „Er hat sicher emotional reagiert. Ich verstehe, dass er spielen will, aber er bekommt keine Stammplatzgarantie. Wir haben jede Position doppelt besetzt, da muss er eben besser sein als andere.“

Könnten die finanzkräftigen Kölner dem KFC einen Wechsel denn nicht mit einer fetten Ablösesumme schmackhaft machen? „Geld ist uninteressant, wir wollen eine gute Rolle in der Dritten Liga spielen“, antwortet Ponomarev. „In dieser Situation ist das Geld nicht so wichtig für uns. Und es war Lucas’ Traum, in der Dritten Liga zu spielen. Er ist der beste Stürmer der Regionalligen in Deutschland gewesen, jetzt kann er sich in der Dritten Liga zeigen. Für uns zählt die Qualität.“

Doch wie sagt Trainer Stefan Krämer: „Im Fußball ist alles möglich. Erst wenn die Wechselfrist abgelaufen ist, geht nichts mehr.“ Bleibt zumindest noch die theoretische Möglichkeit, dass die Uerdinger einen Plan B haben. Laut RevierSport ist der KFC an Jakub Sylvestr interessiert. Der 29 Jahre alte Slowake erzielte in 112 Zweitligaspielen 33 Tore. Zuletzt spielte er für Beitar Jerusalem, wo er optional noch unter Vertrag steht. Sollte es tatsächlich zu einer Verpflichtung kommen, könnte der KFC Musculus ziehen lassen.

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