KFC Uerdingen: Für Franck Evina zählen nicht nur Tore

Ladehemmung nach dem Traumstart : Für Evina zählen nicht nur Tore

Der Trainerwechsel war für den 19 Jahre alten Kameruner ein Kulturschock. Auch mit der Art des Fußballs in der 3. Liga musste er sich erst anfreunden. Die Umstellung ist ihm nicht leicht gefallen.

Als Franck Evina in der Lobby des Park Hotels in Horst nahe Venlo auf die ersten vier Saisonspiele angesprochen wird, kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Es war ein Traumstart für ihn: in der 3. Liga, im Trikot des neuen Vereins KFC Uerdingen. Vier Spiele, vier Tore, in jedem Spiel einmal getroffen. „Die Quote zu halten, war nicht möglich“, sagt er. Das Lächeln, das über sein Gesicht huschte, verschwindet. „Es war zwar schön, dass ist vier Tore in vier Spieler erzielt habe, aber wir haben nur das erste gewonnen. Die Quote war zwar okay, aber wenn wir nicht gewinnen, bringen die Tore nichts.“

Das war aber nicht der einzige Grund, warum ihm das Lachen in den folgenden Wochen vergangen ist. Trainer Heiko Vogel, den er seit fünf Jahren kennt und der ihn zum KFC gelotst hatte, musste Ende September nach der blamablen 0:3-Niederlage gegen Mannheim gehen. Für Evina war das eine Art Kulturschock, denn es war das erste Mal, dass er eine Trainerentlassung erlebte. „Das war natürlich nicht so einfach für mich“, sagt der offensive Mittelefeldspieler rückblickend. „Er wusste, was ich kann. Nach dem Trainerwechsel musste ich mich erst einmal hinten anstellen.“

Stefan Reisinger, damals Interimstrainer, jetzt Teamchef, setzte auf einen Neuanfang und Evina auf die Bank. „Er hat Talent und gute Anlagen, aber Talent allein reicht nicht“, sagte Reisinger und forderte mehr. „Franck muss ein Profi werden, Tag und Nacht arbeiten, ehrgeizig bleiben. Nur dann kann er es nach oben schaffen. Es wäre schade, wenn er sein Talent nicht nutzt.“

Evina nahm sich die Forderungen zu Herzen und arbeitete härter. Die Umstellung fiel ihm nicht leicht – weder die von Vogel zu Reisinger, noch die der anderen Art des Fußballs. „Ich hatte in all den Jahren nur Fußball gespielt, in denen Ballbesitz und Dominanz gefragt waren“, sagt der 19 Jährige. „Aber in der Dritten Liga geht es vorne und hinten sehr intensiv zu. Da habe ich meine Spielweise angepasst. Ich denke, dass ich mich in puncto Zweikampfhärte und der Intensität des Spiels deutlich verbessert habe.“

Der Lohn der Arbeit folgte prompt – zunächst in Form von Einwechslungen, dann wieder durch die Nominierung für die Startelf.Nur ein Tor hat er nicht mehr erzielt. Wann trifft er denn endlich mal wieder? „Ich hoffe, im nächsten Spiel“, sagt er. Dabei scheint er ganz vergessen zu haben, dass das gegen seinen Verein Bayern München ist, dessen zweite Mannschaft am 26. Januar nach Düsseldorf kommt. Schließlich werden Stürmer an Tore gemessen. „Mir geht es nicht um Statistik“, entgegnet er. „Für mich geht es darum, dass ich meine eigenen Erwartungen erfülle. Es geht nicht um Tore, sondern darum, gut zu spielen und alles zu geben. Wenn ich gut spiele und Chancen kreiere, dann bin ich zufrieden. Und je mehr Chancen ich mir erarbeite, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch mal wieder einer rein fällt.“

Ganz ähnlich sieht er die Situation der Mannschaft. Sie muss einfach fleißig Punkte sammeln, und wenn sie das tut, kann ein paar Wochen vor dem Saisonende auch das Wort Aufstieg in den Mund genommen werden. So lange wartet Evina noch damit.