KFC Uerdingen: Darum behält Präsident Mikhail Ponomarev die Ruhe

Krise beim KFC Uerdingen : Warum KFC-Präsident Ponomarev die Ruhe bewahrt

Die Situation des KFC Uerdingen ist besorgniserregend. Nicht wenige hatten spätestens nach dem Pokal-Aus gegen Essen mit der Ablösung von Trainer Heiko Vogel gerechnet. Doch Präsident Mikhail Ponomarev reagiert überraschend anders.

Der Saisonstart des KFC Uerdingen ist desaströs. Sechs Punkte nach sieben Spieltagen in der Dritten Liga, seit sechs Begegnungen sieglos, das Pokal-Aus beim Viertligisten Rot-Weiss Essen – eine niederschmetternde Bilanz. Die Fans forderten in Essen lautstark die Trennung von Geschäftsführer Niko Weinhart. Viele hatten bereits vor dem Pokalspiel mit der Ablösung von Trainer Heiko Vogel gerechnet. Doch KFC-Präsident Mikhail Ponomarev strahlt in diesen Tagen eine Ruhe und Gelassenheit aus, die ihm nur wenige zugetraut haben. „Ich möchte im Moment kein Statement abgeben“, sagt er. Warum schweigt er und wie ist das zu deuten?

Ponomarev hat sich wieder aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der 44 Jahre alte Unternehmer wollte nie im Rampenlicht stehen und hat nur selten Interviews gegeben. Von dieser Linie ist er nur einmal abgewichen: im Frühjahr 2019. Damit hat er allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Beispiel 1: Seine Ausführungen, die Anzahl der Trainerwechsel sei uninteressant – „Wenn notwendig, hole ich 18 Trainer“ –, war von einigen als fehlende Wertschätzung von Fußballlehrern missgedeutet worden; dabei wollte er ausdrücken, dass er alles für den Verein und den Erfolg tut. Beispiel 2: Als er Norbert Meier via Twitter als schlechtesten Trainer den Uerdingen je hatte, bezeichnete, bezog sich Ponomarev auf die Punktausbeute, was statistisch richtig war; dennoch brach ein Sturm der Entrüstung los. Ponomarev reagierte wie der Grünen-Chef Robert Habeck, der sich nach missverständlichen Aussagen aus den sozialen Netzwerken verabschiedet hatte.

Ponomarev denkt wieder als Investor. So hatte er sein Engagement beim KFC begonnen: mit klarer Analyse, mit klaren Zielen. Zwischenzeitlich aber triumphierte das heiße Sportlerherz über den kühlen Verstand. Der KFC-Präsident agierte emotional. Er trennte sich von Trainer Stefan Krämer, ohne einen Nachfolger parat zu haben und geriet unter Zeitdruck, weil keiner im Verein die notwendiger Fußballlehrer-Lizenz hatte. All das wird ihm nicht noch einmal passieren.

Ponomarev bleibt entscheidungsfreudig. Wer nun glaubt, der Investor rücke von seinen Ziele ab oder agiere künftig mit ruhiger Hand, der dürfte schief liegen. Das gilt auch für jene, die denken, er habe das Interesse an dem Verein inzwischen verloren und lasse es nun einfach laufen. Dann aber hätte der KFC sicherlich nicht vor wenigen Tagen noch den niederländischen Stürmer Tom Boere geholt.

Ponomarev bleiben noch gut eineinhalb Jahre. In vier Jahren wollte er mit dem KFC aus der Regionalliga in die Zweite Liga aufsteigen, hatte er im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt. Das wäre spätestens im Mai 2021. Zwei Jahre lief alles nach Plan, in den zurückliegenden neun Monaten wurde das Soll nicht erfüllt. Die bisherige Bilanz von Trainer Heiko Vogel, der im April kam, ist überaus enttäuschend. Sein Kredit schrumpft von Woche zu Woche. Ponomarev wird die Reißleine ziehen, wenn er er sein Projekt KFC in Gefahr sieht. Und dann dürfte ihn vor allem die Frage bewegen: Was für einen Trainer braucht diese Mannschaft? Wer kann ihr helfen?

Ponomarev fühlt sich allein gelassen. Es ist erst ein Jahr her, dass die Schar der Schulterklopfer ziemlich groß, fast unübersichtlich war. Inzwischen sind die Jubelarien verklungen. Die Mannschaft gewinnt nicht, die Fans sind enttäuscht, die Sponsoren geben sich zugeknöpft und auch das Verhältnis zur Stadt hat sich deutlich abgekühlt – spätestens seitdem Ponomarev gesagt hat, dass es mit ihm keine dritte Spielzeit mit Heimspielen außerhalb der Grotenburg geben werde, zumindest nicht ohne Kompensationsleistungen seitens der Stadt. Allein drei Millionen Euro hat er gezahlt, damit der KFC seine Heimspiele in Duisburg und Düsseldorf bestreiten darf. Damit ist jedes Heimspiel ein Zuschussgeschäft, denn die Zuschauereinnahmen decken nicht einmal die Mietkosten.

Gibt Ponomarev auf? Diese Frage drängt sich aufgrund der Entwicklung in den vergangenen Monaten auf, sie bewegt die Fans. Der KFC-Präsident ist wieder zur nüchternen Analyse eines Unternehmers zurück gekehrt. Noch sieht er keinen Grund, von seinem ursprünglichen Vorhaben und Zeitplan abzurücken. Das könnte allerdings dann aktuell werden, wenn der sportliche Erfolg und die Unterstützung durch die Stadt ausbleiben.

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