Lokalsport: KFC-Kapitän Erb: Lieber Aufsteiger als Meister

Lokalsport : KFC-Kapitän Erb: Lieber Aufsteiger als Meister

Der 27 Jahre alte Abwehrchef war schon Deutscher Meister, ist aber in seinem Leben noch nie aufgestiegen. Dieses Erlebnis will er jetzt mit dem Fußball-Regionalligisten KFC Uerdingen auskosten.

Das Größte im Sport ist es, Deutscher Meister zu werden. Mario Erb ist das bereits in jungen Jahren gelungen. Im Sommer 2007 gewann er mit der B-Jugend von Bayern München den Titel. Natürlich erinnert er sich gerne daran, doch das reicht ihm nicht. "Ich bin noch nie aufgesteigen", sagt er nach dem Erfolg lechzend. "Ich war mit den Mannschaften meist in den Abstiegskampf verstrickt. Den Klassenerhalt zu feiern ist schön, aber ich glaube, dass ein Aufstieg noch einmal eine ganz andere Qualität hat, dass man da noch ganz andere Glücksgefühle spürt. Der Aufstieg löst etwas ganz anderes aus, das hoffe ich zumindest."

Erb fühlt sich gut. Er erlebt den packenden Zweikampf, den sich der KFC Uerdingen und Viktoria Köln um die Meisterschaft in der Fußball-Regionalliga liefern, keineswegs als Druck. "Es ist eher eine positive Anspannung", sagt er. "Noch zwei Siege, und uns ist der erste Platz nicht mehr zu nehmen. Das ist doch ein ganz anderes Gefühl, als wenn man ständig auf den Sack bekommt und um den Klassenerhalt kämpfen muss."

Den Kampf um den Klassenerhalt hat er schon einmal mit Trainer Stefan Krämer gemeinsam gemeistert: in der dritten Liga bei Rot-Weiß Erfurt. Daher kennen und schätzen die beiden einander. "Mario ist kein Lautsprecher", sagt der Trainer über den Mannschaftskapitän. "Er hatte das Amt auch in Erfurt inne und hat es in einer sehr schwierigen Phase übernommen. Mit seiner ausgeglichenen Art hat er das Team zusammen gehalten und wir sind nicht abgestiegen. Ich habe ihn dabei immer ins Vertrauen gezogen. Seine Leistung war top. Er ist ein Vorzeigeprofi, ein Vollprofi."

Auch in Uerdingen ist Erb der Kapitän, auch hier fungiert er nicht als Lautsprecher, sondern als Führungspersönlichkeit, die weiß, worauf es ankommt. Das wird auch deutlich, wenn er nach dem Erfolgsrezept gefragt wird. "Natürlich verstehen wir uns auch abseits des Platzes gut, der Zusammenhalt ist da", sagt er. "Aber entscheidend ist, was auf dem Trainingsplatz und im Spiel passiert. Was hilft es, wenn man sich gut versteht oder befreundet ist und dann ständig verliert?"

Da werden Erinnerungen an Adi Preißler wach, den freilich nur die älteren unter den Fußballfreunden kennen. Von dem gebürtigen Duisburger, der mit Preußen Münster Vizemeister (1951) und mit Borussia Dortmund 1956 und 1957 Deutscher Meister wurde, stammt der Satz: "Grau is' im Leben alle Theorie - aber entscheidend is' auf'm Platz."

Verloren hat der KFC in dieser Saison erst zwei Mal: im August in Bonn (0:1) und im November beim 1. FC Köln II (0:1). "Das ist nicht üblich", sagt Erb, der alles daran setzen will, die positive Bilanz fortzuschreiben. "Wir geben nie auf. Und jetzt wollen wir in den letzten Wochen der Saison dran bleiben und uns für den Aufwand belohnen."

Zwei Spiele noch bis zur Meisterschaft: heute (14 Uhr) daheim in der Grotenburg gegen den Wuppertaler SV, in einer Woche dann noch das Auswärtsspiel beim SC Wiedenbrück. "Es ist gut, dass wir uns ganz auf uns konzentrieren können und nicht auf die anderen Plätze schauen müssen", sagt der Kapitän.

An fehlender Unterstützung wird es dem KFC auf der Zielgeraden nicht mangeln. 6.000 Zuschauer werden heute bei herrlichem Frühsommerwetter zum Treffen der Erzrivalen erwartet.

(ths)
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