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Kevin Großkreutz lässt das Team des KFC Uerdingen im Stich

Nicht mit nach Rostock : Kevin Großkreutz lässt den KFC im Stich

Der 31 Jahre alte Verteidiger sieht gegen Würzburg die gelbe Karte und ist damit für das Spiel in Rostock gesperrt. Innerhalb der Mannschaft brodelt es, weil der Weltmeister von 2014 regelmäßig nicht hilft.

Eigentlich hätte nach dem 1:1 des KFC Uerdingen gegen den Chemnitzer FC vieles thematisiert werden können: Die Misserfolgsserie von acht sieglosen Spielen; die Heimschwäche (20 Punkte aus 18 Spielen); die Sturmflaute (39 Tore in 36 Begegnungen). Doch es ist eine auf den ersten Blick normale Szene, die Aufsehen erregt: In der 79. Minute führt der Uerdinger Kevin Großkreutz einen Einwurf aus, obwohl Chemnitz zum Einwurf berechtigt ist. Schiedsrichter Mitja Stegemann ahndet das Vergehen mit einer Gelben Karte. Für Großkreutz ist es die Fünfte. Damit ist er für das Spiel bei Hansa Rostock gesperrt.

Es gibt zwei Interpretationsmöglichkeiten: Entweder hat Großkreutz in Gedankenlosigkeit gehandelt oder absichtlich – ersteres wäre eine Verfehlung, letzteres eine Schandtat. Wenngleich sich der objektive Betrachter nicht festlegen möchte, so tendiert doch so mancher Beobachter zur Absicht, weil Großkreutz den Ball selbst ins Aus befördert hatte. Es bliebe ihm aber noch die Erklärung, aus taktischen Gründen so gehandelt zu haben.

Innerhalb der Mannschaft scheint die Meinung hingegen eindeutig: Großkreutz hat sich die Gelbe Karte absichtlich abgeholt. Die Mitspieler beziehen gegenüber unserer Redaktion so klar Stellung, weil sie extrem sauer auf ihn sind. Bereits in den drei zurückliegenden Auswärtsspielen in Magdeburg, Jena und Kaiserslautern war er nicht dabei. Wollte er sich so die stundenlange Busfahrt und eine Nacht im Hotel ersparen? Auch hier vermuten sie Absicht, denn die muskulären Probleme seien erst kurz vor dem Trainingsende aufgetreten. Dann sei er vom Feld gehumpelt. Dass Großkreutz seinen Mitspielern auf dem Platz nicht helfe und sie im Stich lasse, ist aber nur ein Teil des Ärgers, dem sie nun Luft machen. Auch seine Sticheleien in der Kabine seien sie leid – nicht nur, dass er sich in ihren Augen ein schönes Wochenende daheim macht. So soll er damit geprahlt haben, keinen Gehaltsverzicht während der Corona-Zwangspause geleistet zu haben. Das stieß vielen Mitspielern sauer auf, zumal Großkreutz’ Angestellte in seiner Kneipe „Schmackes“ in Dortmund Kurzarbeit hatten. Großkreutz selbst wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion zu den Vorwürfen nicht äußern.

Lange hat Präsident Mikhail Ponomarev seine schützende Hand über ihn gehalten. Auch die Trainer Stefan Krämer und Heiko Vogel stellten sich immer vor ihn. Als Großkreutz vor einem Jahr bei einem Streit schlichten wollte, wurde er selbst verprügelt. „Ich bin stolz darauf, wie er gehandelt hat“, sagte Vogel damals. Im Winter sorgte Großkreutz als Trainer des Bezirksligisten Türkspor Dortmund dann für Wirbel, wies die Anschuldigungen, er haben einen Spieler zum Foul aufgefordert, aber energisch zurück. Da wollten einige sich mit seinem Namen schmücken, sagte er.

Auch Trainer Stefan Krämer stellte sich bislang vor seinen Schützling, lobte ihn sogar, dass er vor der Abfahrt nach Magdeburg muskuläre Probleme bekannte: „Er war sehr professionell. Er hat gesagt: Nimm lieber gesunde Spieler mit.“

Nur Teamchef Stefan Reisinger Teamchef gab einmal zu, mit Großkreutz’ Leistung nicht einverstanden zu sein, als er ihn vor dem Spiel in Unterhaching aus dem Kader strich: „Er war nach der letzten Woche nicht 100 Prozent einsatzbereit.“ Auch eine weite Fahrt.