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Jugendwahn beim KFC Uerdingen ist gewollt

Nur zwei Spieler Ü23 : Jugendwahn beim KFC Uerdingen ist gewollt

Die Uerdinger haben einen radikalen Umbruch vollzogen. Hinter den personellen Wechseln steht auch ein Strategiewechsel. Trainer Stefan Krämer ist von der neuen Philosophie überzeugt.

Der KFC Uerdingen ist gleichermaßen bemüht wie gewillt, sich alter Probleme zu entledigen. Dabei hat er einen neuen Weg eingeschlagen, der zwar schon kommuniziert, nun aber auf eindrucksvolle Weise dokumentiert wurde – und zwar derart deutlich, dass manch einer geneigt ist zu vermuten: Beim KFC herrscht der Jugendwahn.

Natürlich war der Kurswechsel schon anhand der Uerdinger Transferaktivitäten deutlich geworden. Nach dem Aufstieg in die Dritte Liga hatten die Blau-Roten namhafte, erfahrene Spieler verpflichtet, die ihren Leistungszenit allerdings überschritten hatten. Als prominente Beispiele dafür dürfen Kevin Großkreutz und Dominic Maroh genannt werden.

Wenngleich diese Strategie heute von vielen als Irrweg eingestuft wird, so gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass der Verein nach mehr als einem Jahrzehnt in der Bedeutungslosigkeit auf nationaler Ebene zunächst einmal wieder Fuß fassen musste. Nach zwei Jahren in der Dritten Liga mit Platzierungen im Mittelfeld der Tabelle wurde nun ein völlig neuer Weg eingeschlagen, der von den allermeisten als richtig befürwortet wird, in der Radikalität aber überrascht.

Schließlich ist es erst vier Monate her, dass sich Trainer Stefan Krämer und sein Assistent Stefan Reisinger allwöchentlich den Kopf darüber zerbrachen, wie der U23-Regelung genüge getan werden kann. In der Dritten Liga müssen nämlich mindestens vier Spieler dem Kader angehören, die 23 Jahre oder jünger sind. So kam es zu der kuriosen, in Deutschlands Profi-Fußball einmaligen Situation, dass in Philipp Bachmeier und Julius Paris gleich zwei Torhüter auf der Ersatzbank saßen, zudem in Hüseyin Mert Aflaz ein weiterer A-Junior, nur um genügend derart junge Spieler im Kader zu haben.

Welch ein Kontrast dazu bietet sich in dieser Saison! Ältere Spieler auszusortieren und jüngere zu verpflichten, das ist das eine; sie aber auch spielen zu lassen das andere. KFC-Trainer Stefan Krämer beließ es nicht bei markigen Ankündigungen, sondern ließ Taten folgen. So standen am Samstag gegen den FC Bayern München II (1:1) nur zwei Feldspieler in der Anfangsformation, die älter als 23 Jahre waren: Kapitän Christian Dorda und Mittelfeldspieler Tim Albutat.

Benjamin in der Mannschaft war der 20 Jahre alte Leon Schneider, der vom 1. FC Köln ausgeliehen wurde und zum zweiten Mal in Folge der Startelf angehörte, nachdem Haktab Omar Traore einen Riss des Syndesmosebandes erlitt. Aber auch der vom Regionalligisten SV Rödinghausen gekommene Verteidiger ist erst 22 Jahre alt.

Solch ein radikaler Umbruch hat meist zur Folge, dass es anfangs nicht reibungslos läuft. „Die Ergebnisse sind insgesamt betrachtet nicht befriedigend, die Leistung war es zuletzt schon“, sagt Krämer, dessen Team zwei Niederlagen (1:2 in Ingolstadt, 0:2 gegen Meppen) zum Saisonauftakt nun zwei Unentschieden (0:0 in Rostock, 1:1 gegen Bayern II) folgen ließ. „Die Verjüngung der Mannschaft ist gewollt und es ist genau der richtige Weg“, sagt der Fußballlehrer. „Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir in den nächsten Monaten die notwendigen Punkte holen und ordentlich da stehen.“