Interview mit KFC-Geschäftsführer Nikolas Weinhart

Fußball : „Wir sind wie Zecken an den Spielern“

Der zweite Vorsitzende über sein Erfolgsrezept bei Transfers, das Stadion Grotenburg und Präsident Ponomarev

Nikolas Weinhart ist zweiter Vorsitzender des KFC Uerdingen. Doch dieser Titel beschreibt seine Tätigkeit nur unzureichend. Vielmehr ist der 35-Jährige auch Manager oder Sportdirektor des Fußball-Drittligisten.

Herr Weinhart,der KFC hat mit den spektakulären Verpflichtungen von Spielern wie Maximilian Beister, Stefan Aigner oder zuletzt Weltmeister Kevin Großkreutz Aufsehen erregt. Wie ist es Ihnen gelungen, gestandene Profis der ersten und zweiten Liga nach Uerdingen zu locken?

Weinhart Wir sind wie Zecken an den Spielern dran, an den meisten nicht nur Wochen, sondern Monate. Es bedarf vieler Gespräche und viel Zeit.

Können Sie mal ein Beispiel nennen?

Weinhart Ja, zum Beispiel Manuel Konrad. Den haben wir bereits nach dem zweiten Spieltag der vergangenen Saison erstmals kontaktiert. Und wir sind dran geblieben, weil wir ihn unbedingt haben wollten.

Und Sie haben ihn und andere namhafte Spieler bekommen. Wie groß ist Ihre Zufriedenheit?

Weinhart Nein, Zufriedenheit verspüre ich weniger, eher große Vorfreude auf die kommende Saison. Ich freue mich riesig, dass wir auf Gegner wie den 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig oder 1860 München treffen. Das ist eine tolle Liga, die uns einiges abverlangen wird.

Schaffen Sie das überhaupt organisatorisch? Kann das Umfeld so schnell mitwachsen?

Weinhart Ja, wir haben ein tolles Team auf der Geschäftsstelle, das wir mit Augenmaß vergrößert haben. Und an Tagen, an denen mehr Arbeit anfällt, guckt keiner auf die Uhr, weil sie alle Spaß dran haben und den Erfolgsweg des KFC mitgehen wollen.

Aber nur weil es in Uerdingen so schön ist, kommen keine Top-Spieler zum KFC. Da gehört auch das nötige Kleingeld dazu.

Weinhart Aber das Geld allein ist es sicherlich nicht. Da schwimmen wir in der Liga mit den anderen Vereinen mit. Was wir können, können andere auch, aber vielleicht sind wir näher dran.

Wenn nicht das Geld, was lockt die Spieler dann nach Uerdingen?

Weinhart Wir haben eine intakte Mannschaft, das ist ein ganz großes Plus. Die Spieler, die kommen, freuen sich, mit diesen Jungs spielen zu können. Und das sind charakterlich richtig gute Jungs, die werden mit uns durchs Feuer gehen.

Womit können Sie noch locken?

Weinhart Wir locken nicht, sondern haben eine Vision und leisten Überzeugungsarbeit. Das hat auch oft eine menschliche Komponente, schließlich konkurrieren wir mit anderen Vereinen. Wir präsentieren unsere Vision und unser Konzept mit großer Leidenschaft. Das ist für die Spieler interessant, und gleiches erwarten wir auch von ihnen.

Welche Rolle spielt Präsident Mikhail Ponomarev?

Weinhart Eine sehr große, weil er bei den Gesprächen immer dabei ist.Ein solches Engagement von einem Präsidenten und Investor kennen die Spieler nicht. Das ist für sie neu und außergewöhnlich, das macht Eindruck. Aber sie spüren genau, dass das nicht gespielt ist, sondern echt, absolut authentisch. Herr Ponomarev ist mit ganzem Herzen dabei.

Mannschaft und Verein scheinen auf Kurs, aber was ist mit dem Stadion? Ist es nicht ein großer Nachteil, die Heimspiele in Duisburg bestreiten zu müssen?

Weinhart Natürlich ist das nicht schön, aber wir müssen das Beste daraus machen. Aber natürlich würden wir viel lieber in der Grotenburg spielen. Das ist unser Wohnzimmer, unsere Heimat, unser Stadion.  Fast überall stehen moderne Arenen, von solch alten, Charme ausstrahlenden Fußballstadien gibt es nicht mehr viele. Allein diese Flutlichtmasten sind schon eine Klasse für sich. Ich hoffe, dass wir baldmöglichst wieder hier spielen können.

Muss das Stadion nicht völlig erneuert werden?

Weinhart Natürlich muss einiges getan werden, aber ich meine, wir sollten darauf achten, dass der Charakter erhalten bleibt. In Bochum, finde ich, ist das sehr gut gelungen.

Aprospos Bochum, wann spielt der KFC in der Zweiten Liga?

Weinhart Das weiß ich nicht.

Anders gefragt: Wie lautet die Zielsetzung in dieser Saison?

Weinhart Wir haben das Saisonziel noch nicht exakt formuliert. Wir sind als Aufsteiger sicherlich nicht der Favorit, aber wir wollen uns möglichst schnell akklimatisieren und haben eine gute Mannschaft. Und Herr Ponomarev hat ja Grundsätzliches dazu gesagt.

Ja, dass er innerhalb von vier Jahren mit dem Verein in der Zweiten Liga spielen möchte.

Weinhart Das habe ich auch gehört.

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