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Grotenburg seit zwei Jahren gesperrt: KFC Uerdingen trainiert auswärts

Grotenburg seit zwei Jahren gesperrt : KFC Uerdingen trainiert auswärts

Das Stadion des Drittligisten aus Krefeld ist seit 2018 gesperrt. Dem Team steht aber auch kein Trainingsplatz zur Verfügung. Deswegen ist es auf die Gastfreundschaft anderer Vereine angewiesen.

Frank Meyer freut sich auf den 15. März. Der Krefelder Oberbürgermeister fiebert diesem Tag ebenso entgegen wie die Fans des KFC Uerdingen. Denn dann informieren die Stadt, der Verein und das Planungsbüro Albert Speer und Partner gemeinsam über die Grotenburg-Sanierung und den entsprechenden Bauzeitenplan. Das Stadion ist seit Mai 2018 für jeglichen Spielbetrieb aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die 1927 erbaute Grotenburg-Kampfbahn wurde zuletzt Mitte der 70er Jahre erweitert, doch in den zurückliegenden Jahrzehnten wurden die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen nicht vorgenommen. Deshalb trug der Fußball-Drittligist in der vergangenen Saison seine Heimspiele in Duisburg aus, in dieser und in der nächsten Saison spielt er in Düsseldorf.

Dass Krefeld über kein spielbetriebstaugliches Stadion verfügt, ist schlimm genug, aber bei weitem nicht alles. Dem KFC steht auch kein Trainingsgelände zur Verfügung, das professionellen Kriterien standhält. Es gibt kein Vereinsheim, geschweige denn ein Nachwuchsleistungszentrum.

Wer nun denkt, die Mannschaft von Teamchef Stefan Reisinger und Trainer Daniel Steuernagel verfüge über einen regelmäßigen Trainingsplan, wie ihn die meisten Kreisligisten haben, der irrt. Der Fußball-Drittligist trainiert dort, wo ihm ein Platz zur Verfügung gestellt wird, wo er einen ergattern kann. So hat er in dieser Saison schon auf neun verschiedenen Plätzen trainiert: in der Grotenburg, dem Rheinstadiongelände Düsseldorf, im Mönchengladbacher Borussia-Park sowie den Anlagen in Vorst, St. Tönis, Oppum, Meerbusch, am Löschenhofweg und in der Soccer-Halle Torfabrik. Das ist nicht nur unter den 56 deutschen Profiklubs, sondern auch international rekordverdächtig. Und es ist ein Glück, dass der Traditionsverein wenigstens hin und wieder zu Trainingsspielen von Mitleid fühlenden Vereinen der Region eingeladen wird.

Es gibt aber auch Gewinner der Misere. Dazu gehören die Nachbarstädte Duisburg und Düsseldorf, die vom KFC und seinem Präsidenten Mikhail Ponomarev pro Saison rund 1,5 Millionen Euro Miete bekommen haben. Eine stolze Summe, die nicht einmal durch die rund 3000 Zuschauer eingespielt wird, die die Mannschaft zu den Spielen über den Rhein begleiten.

Aber auch die leidtragenden Spieler, die natürlich bessere Arbeitsbedingungen gewohnt sind, zählen zu den Gewinnern – beim Blick auf ihr Konto. Denn auch aufgrund der widrigen Bedingungen halten die Spieler beide Hände auf. Ihre Bereitschaft, auf schlechten Plätzen zu trainieren und sich in teils maroden Kabinen umzuziehen, lassen sie sich mit einer Art Schmerzensgeld versüßen. Es ist kein Geheimnis, dass beim KFC über Drittliga-Tarif gezahlt wird. Das erklärt auch, warum namhafte Spieler wie Kevin Großkreutz, Jan Kirchhoff, Dominic Maroh oder Osayamen Osawe nach Uerdingen gekommen sind.

Die finanzielle Seite schmerzt Ponomarev weitaus weniger als die sportliche. Der Präsident zahlt gerne, wenn er eine Gegenleistung erhält. 2018 hat er den Aufstieg in die Zweite Liga innerhalb von vier Jahren als Ziel ausgegeben. Das scheint bei einigen Spielern in Vergessenheit geraten zu sein angesichts dessen, dass sie bereits zweitklassig bezahlt werden. Mit Blick auf die Bedingungen haben sie das Training schleifen lassen. Und da Teamchef Reisinger bei seinem Amtsantritt deutlich gemacht hat, dass er nach Leistungen und nicht nach dem Klang der Namen aufstellt, hat zum Beispiel Kevin Großkreutz zuletzt recht selten gespielt, oft nur auf der Tribüne gesessen. „Dass nicht jeder Platz hat im Kader, ist normal“, sagt Manager Stefan Effenberg. „Bei uns entscheiden nur sportliche Gründe. Ich finde den medialen Umgang mit Kevin Großkreutz in Teilen fragwürdig. Nichtsdestotrotz nimmt er, wie auch andere Spieler, die zur Zeit nicht zum Einsatz kommen, die Situation an.“

Auch der Teamchef tritt Spekulationen entgegen, er habe den Weltmeister von 2014 aussortiert. „Das ist völliger Quatsch“, sagt Reisinger. „Er gehört zum Kader wie alle anderen auch. Wer sich im Training anbietet oder aufdrängt, der spielt.“ Und weil kein Team der Liga konstant punktet, haben sogar die Uerdinger bei fünf Punkten Rückstand auf den Tabellenzweiten noch eine Aufstiegschance – trotz widriger Bedingungen.