Trotz vieler Veränderungen Manches ist beim KFC Uerdingen noch wie früher

Analyse | Krefeld · Nach Abschluss der Insolvenzverfahren und dem Absturz in die Fußball-Oberliga im Sommer 2021 sollte bei den Uerdingern alles anders werden. Aber was wurde verändert und ist tatsächlich anders? Und was hat sich nicht oder kaum verändert?

Das Vorstands-Trio des KFC Uerdingen (von links): Christoph Lenz, Damien Raths und Andreas Scholten.

Das Vorstands-Trio des KFC Uerdingen (von links): Christoph Lenz, Damien Raths und Andreas Scholten.

Foto: BRAUER-Fotoagentur/Stefan Brauer

Die Berg- und Talfahrt des KFC Uerdingen in den zurückliegenden Jahrzehnten sucht ihresgleichen. Vom Europapokal-Halbfinale in die fünften Liga, ein Aufstieg in die Dritte Liga und der erneute tiefen Fall in die fünfte Liga – ein rasanter Ritt. Diese sportlich schwindelerregende Labilität in dieser Zeit wurde wirtschaftlich garniert mit vier Insolvenzverfahren. Nach dem neuerlichen Tiefpunkt im Sommer 2021 sollte alles anders werden. Aber was ist tatsächlich anders geworden? Und was ist wie früher oder zumindest sehr ähnlich?

Veränderungen

Rückkehr in die Grotenburg Den größten Unterschied zu den zurückliegenden Jahren verantwortet die Stadt Krefeld. Nach drei Spielzeiten mit so genannten Heimspielen in Duisburg, Düsseldorf, Lotte und Velbert kann der KFC wieder in der Grotenburg spielen, in der bis zu 2.527 Zuschauer Platz finden. Wenngleich es sich um eine Baustelle handelt und die Besucher auf Betonsteinen sitzen, so ist es für den Verein existenziell, wieder in der Heimatstadt spielen zu können – wegen der Zuschauerzahlen, des Catering, des Merchandising, der Sponsoren. Ohne die Rückkehr in die Grotenburg wäre der Verein nicht überlebensfähig gewesen.

Umgängliche Führung Der Vorstand mit dem Vorsitzenden Damien Raths an der Spitze verfügt über ein mitteleuropäischen Gepflogenheiten entsprechendes Sozialverhalten. Mehr noch, Raths verkörpert in diesem Punkt mit seiner überaus freundlichen, smarten Art geradezu das Gegenstück zu seinem Vorgänger Mikhail Ponomarev. Damit ist Raths natürlich ein angenehmer Gesprächspartner sowohl für die Stadt als auch für Sponsoren.

Gesamtverein im Blick Neben der Rückkehr in die Grotenburg gibt es zwei überaus positive Entwicklungen, die den Gesamtverein betreffen – dank der Hilfe der Stadt. Da ist zum einen die Geschäftsstelle an der Violstraße, einen Steinwurf vom Stadion entfernt, die in diesen Tagen dank der Sanierung durch die Groteburg Supporters bezogen werden kann; zum anderen der Kooperationsvertrag in Sachen Jugendarbeit mit dem SC Bayer 05 Uerdingen, der eine leistungsorientierte Ausbildung des Krefelder Nachwuchses ermöglicht.

Konservative Haushaltsführung Der neue Vorstand hat bei seinem Amtsantritt angekündigt, nur noch das Geld ausgeben zu wollen, welches ihm auch tatsächlich zur Verfügung steht. So kommt der Verein seinen Zahlungsverpflichtungen pünktlich und voll umfänglich nach. Das ist ein Vertrauen schaffendes Signal an die Geschäftspartner. Somit gibt es keine finanziellen Gründe für Unruhe im Verein.

Unverändert

Sportliche Ambitionen Was sich nicht verändert hat, ist der kurzfristige sportliche Erfolgsdruck. Wie schon in früheren Jahren zählt nur der Aufstieg. Es kann keine Mannschaft aufgebaut werden, die wächst, sondern es wurde mit erheblichen finanziellen Investitionen ein Kader erstellt, von dem die Meisterschaft erwartet wird. Dafür zahlen die Uerdinger – wie schon in der Vergangenheit – deutlich über Liga-Tarif. Sollte das sportliche Ziel allerdings nicht erreicht werden, so ist die Gefahr ziemlich groß, dass sich der Hauptsponsor Hermes Arzneimittel und womöglich auch der Vorsitzende Damien Raths zurückziehen.

Geringe Transparenz In Damien Raths steht eine Persönlichkeit an der Spitze des Vereins, die mehr als nur über Richtlinienkompetenz verfügt. Er hat die Zusammensetzung des Kaders in die Hand genommen, er führt die Gespräche mit der Stadt und den Sponsoren. Sein Führungsstil ist geschmeidig, aber konsequent. So wurden Mitarbeitern Aufgaben entzogen, ohne eine Trennung zu vollziehen. Das geht zwar geräusch-, aber natürlich nicht kostenlos. Neben Raths gehören Vize Andreas Scholten und Christoph Lenz als Geschäftsführer dem dreiköpfigen Gremium an. Der Vorstand wurde im Juni 2021 vom Verwaltungsrat eingesetzt, der von den Mitgliedern gewählt wird. Ihm gehören Andreas Galland als Vorsitzender seit 2010 an sowie Mustafa Ertürk und Harald Grassen. Im Januar 2023 soll es erstmals seit November 2019 wieder eine Mitgliederversammlung geben.

Schwache Kommunikation Die Arbeit ist für einen oder für drei mannigfaltig. Darunter leiden auch die Kommunikation und Außendarstellung. Das scheint das nicht gewollt, sondern die Folge der Überforderung und fehlenden Erfahrung zu sein.

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