Trennung von Trainer Alexander Voigt KFC-Vorsitzender Damien Raths reagiert halbherzig und zu spät

Meinung | Krefeld · Fußball-Oberligist KFC Uerdingen hat sich von Trainer Alexander Voigt getrennt. Warum das wirklich keine Überraschung ist, warum auch das nur ein kleiner Schritt ist und warum es einer gründlicheren Neuausrichtung bedarf.

 Gut gelaunt und optimistisch ist das Vorstands-Trio, manchmal zu oft (von links): Andreas Scholten, Damien Raths und Christoph Lenz.

Gut gelaunt und optimistisch ist das Vorstands-Trio, manchmal zu oft (von links): Andreas Scholten, Damien Raths und Christoph Lenz.

Foto: BRAUER-Fotoagentur/Stefan Brauer

Der KFC Uerdingen ist Tabellenzweiter der Fußball-Oberliga und befindet sich in einer schweren Krise. Die ist auf den ersten Blick sportlicher Natur, weil der Rückstand auf den Spitzenreiter SSVg Velbert sieben Punkte beträgt. In Wirklichkeit geht sie viel tiefer. Der Verein befindet sich in einer extrem gefährlichen Situation.

Die am Montag erfolgte Trennung, über die unsere Redaktion schon am Sonntag berichtet hatte, dass sie erfolgen wird, war aus mehreren Gründen keine Überraschung. Alexander Voigt war auf Empfehlung des Sportlichen Leiters Patrick Schneider geholt worden. Er lag mit der Trainerverpflichtung aber ebenso daneben wie mit der Zusammenstellung des Kaders 2021/22 und seine weiteren Einschätzungen: eine Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs zu stellen, die in der Lage ist, die Regionalliga zu halten. Letzteres war nicht möglich und im Kader befindet sich in Marcel Kretschmer inzwischen nur noch ein Spieler aus den eigenen Reihen, der aber kaum zum Einsatz kommt.

Der Vorsitzende Damien Raths zog die Reißleine und nahm die Kaderplanung, zunächst noch mit Heiner Essingholt, selbst in die Hand. Dass er allerdings auch Trainer Alexander Voigt nicht einband, deutete nach dem Abstieg bereits auf das kaum noch gegebene Vertrauen hin. Allerdings brachte der Vorstand auch nicht die Kraft auf, Voigt von der Aufgabe zu entbinden. Er durfte bleiben – wie auch Schneider und Dmitri Voronov. Voigts Autorität litt natürlich darunter, und so erfahrene Spieler merken das. Daher kommt die nun erfolgte Trennung ein halbes Jahr zu spät.

Man darf gespannt sein, wie lange Schneider nun als Interimstrainer einspringen muss. Da Voigt in dieser Saison schon mehrmals unter Druck stand, müsste der Vorstand längst einen Plan B haben und die Vorstellung des neuen Trainers sofort erfolgen.

Doch mit einem neuen Trainer ist es nicht getan. Der Verein benötigt dringend sportliche Kompetenz in seiner Führung. Glücklicherweise erheben Andreas Scholten und Christoph Lenz diesen Anspruch nicht, aber ohne diese Kompetenz geht es nicht.

Ein Fan äußerte am Sonntag, der KFC bestreite nun acht Monate lang nur noch Freundschaftsspiele. Das muss der Verein mit aller Macht verhindern, denn das würde ihn in eine existenziell bedrohliche Lage bringen. Sollte der Traditionsverein nämlich in eine neuerliche Abwärtsspirale geraten, so rauschen nicht nur die Zuschauerzahlen in den Keller, sondern es gehen auch die Sponsoren von der Fahne. So werden die nächsten Monate für die Uerdinger ein Ritt auf der Rasierklinge. Will der Verein diesen Kampf gewinnen, so bedarf es auch Härte und Durchsetzungsvermögen. Härte ist allerdings nicht unbedingt das Steckenpferd von Raths, wie sowohl die Art und Weise, als auch die nicht vollzogenen Trennungen zeigen. Ohne diese Härte geht es im professionellen Fußball aber nicht.