1. Sport
  2. Fußball
  3. KFC Uerdingen

Fußball: So strebt der Regionalliga-Absteiger KFC Uerdingen den Wiederaufstieg an

Interview Patrick Schneider : „Wir haben die Hälfte des Kaders beisammen“

Patrick Schneider, der Sportliche Leiter des KFC Uerdingen, nennt die Gründe für den Abstieg, aber auch was ihn positiv überrascht hat, was in der kommenden Saison anders sein wird und was er sich wünscht.

Der KFC Uerdingen ist aus der Fußball-Regionalliga abgestiegen, hat aber Respekt erworben. Als der Verein vor einem Jahr in Trümmern lag, stellte sich Patrick Schneider der Herausforderung und übernahm die Verantwortung. Über Nacht stellte er ein Team zusammen  und nahm dann Korrekturen vor. Die Aufholjagd in der Rückrunde, die der KFC als 14. beendete, reichte jedoch nicht mehr für den Klassenerhalt.

Herr Schneider, der KFC ist abgestiegen. Wie fühlt sich das für Sie an?

Schneider Der Abstieg tut natürlich weh. Bei den Begleitumständen vor dem Saisonstart konnte das passieren, trotzdem ist es ärgerlich, wenn man sieht, zu was die Mannschaft in der Lage war. Viele haben uns eine 6:0-Klatsche nach der anderen prophezeit. Einige deftige Niederlagen gab es, aber es gab auch viele Spiele auf Augenhöhe und leider zu viele späte Gegentore.

Ein kurzer Blick zurück: Ihnen wurde oft fehlende Erfahrung im Senioren- und Regionalligabereich vorgeworfen. Zu Recht?

Schneider Dieser Vorwurf wurde ja gerade von Ihrer Redaktion geradezu mantraartig wiederholt. Dies war aber nicht der Hauptgrund für den Abstieg. Die fehlende Vorbereitung, die dann in einer schlechten Regenerationsfähigkeit mündet und zu vielen Verletzungen führte, zu viele Rote Karten und die vielen späten Gegentore waren eher die Gründe dafür. Letztendlich hat sich die Mannschaft leider zu spät gefunden, um den Abstieg noch verhindern zu können.

Fanden Sie Ihre Kaderplanung gelungen?

Schneider Wenn man nur sechs Wochen Zeit, hat einen Kader zusammenzustellen, ist es schwierig, von Planung zu sprechen. Bei der Zusammenstellung ist es uns nicht gelungen, die Flügel vernünftig zu besetzen. Leider mussten wir schon allein in der Hinrunde im Durchschnitt sieben Spieler pro Spieltag ersetzen – sei es durch Verletzungen, durch Sperren oder durch die Tatsache, dass sie noch gar nicht spielberechtigt waren. Ein paar Verletzte hat man ja immer, aber das war schon massiv. Dadurch konnte der Kader seine volle Kraft leider erst sehr spät entwickeln, bis er zum Ende der Saison quasi am Stock ging.

War der Kader nicht zu groß? Zuviel Quantität, zu wenig Qualität?

Schneider Wir sind mit 20 Spielern in die Saison gegangen. Durch den Einstieg von Hermes Arzneimittel als Hauptsponsor waren nochmal Transfers möglich, um die Qualität des Kaders zu erhöhen. Schlösser, Sierck, Karakas, Jensen und Terada kamen somit später dazu. Yun und Kenia waren erst spät spielberechtigt. Was natürlich auch dazu führte, dass sich der Kader ein Stück weit aufblähte. Dies haben wir im Wintertransferfenster allerdings korrigiert, indem wir uns von Ntika, Schubert, Klossek und Yeboah (Leihe) getrennt haben. Barini war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr Teil des Kaders. Brdaric kam zum Glück noch dazu. Am Ende der Saison wurde es nochmal richtig knapp und wir mussten auf einige U19-Spieler zurückgreifen. Die Rückrundentabelle hat gezeigt, dass der Kader unter normalen Umständen genug Qualität hatte. Wir stellten immerhin die achtbeste Offensive in der Rückrunde und das, obwohl wir die letzten zehn Spiele auf Shun Terada und einige andere Spieler verzichten mussten.

  • Für die neue Saison : Diese Rolle beansprucht Thioune bei Fortunas Kaderplanung
  • Viersens Trainer Kemal Kuc muss derzeit
    Endspurt in der Landesliga : 1. FC Viersen visiert den zweiten Tabellenplatz an
  • Volker Hansen wird auch in der
    Absteiger der Landesliga tritt nicht mehr an : DJK/VfL Giesenkirchen zieht seine Mannschaft zurück

Was würden Sie heute anders machen?

Schneider Vieles war alternativlos. Die offensiven Flügel würde ich allerdings anders besetzen.

Was hat Sie positiv überrascht?

Schneider Die Fans, die die Mannschaft und den Verein auf Teufel komm raus supportet haben. Sie haben verstanden, unter welchen Umständen wir in die Saison gegangen sind und dass es ein großer Erfolg war, überhaupt angetreten zu sein. Hätten wir die Qualität der Fans gezeigt, wären wir wahrscheinlich ohne Niederlage aufgestiegen. Da gab es bei anderen Vereinen schon deutlich andere Beispiele, wie Fans auf so etwas reagieren. Nach dem Jahreswechsel hat die Mannschaft nochmal Charakter gezeigt und trotz großem Rückstand auf das rettende Ufer nochmal eine tolle Serie hingelegt.

Genug der Vergangenheit. Lassen Sie uns nach vorne blicken. Wer ist diesmal für die Kaderplanung verantwortlich?

Schneider Am Ende des Tages entscheidet der Vorstand unter der Federführung von Damien Raths, wer kommt und wer geht. Aber natürlich in Absprache mit Alex Voigt und mir und der großartigen Unterstützung von Heiner Essingholt und Dmitry Voronov.

Sind Sie froh, dass der Druck nicht auf Ihnen alleine lastet?

Schneider Das hat er noch nie. Wer aber nicht sieht, dass die Vereinsverantwortlichen als Team agieren, hat den neuen KFC Uerdingen noch nicht gänzlich verstanden.

Wenn Sie die Wahl hätten: wie viele Spieler würden Sie halten? Und können Sie zumindest zwei, drei Namen verraten?

Schneider Es ist schon wichtig, einen gewissen Kern dieser Mannschaft zu halten, um nicht wieder eine komplett neue Mannschaft aufbauen zu müssen, und auf eine gewisse Basis zurückgreifen zu können. Mit Leonel Kadiata und Shun Terada haben bereits zwei Jungs verlängert. Levan Kenia würde ich gerne in seiner jetzigen Rolle als spielender Co-Trainer beibehalten, weil er den Unterschied ausmachen kann und mit seiner Erfahrung auch neben dem Platz hilft. Dazu kommen noch einige andere, die ich gerne weiter für den KFC auflaufen sehen würde. Haben sie aber bitte Verständnis, dass ich hier keine Namen nenne. Die Spieler wissen aber Bescheid.

Was ist in diesem Sommer anders?

Schneider Wir werden eine Vorbereitung haben und müssen nicht aus dem Nichts eine Mannschaft aufbauen.

Ist der KFC nicht wieder zu spät dran?

Schneider Nein. Wir haben bereits die Hälfte des Kaders beisammen, mit der anderen Hälfte sind wir in Gesprächen. Das ist mit dem letzten Jahr überhaupt nicht zu vergleichen.

Wie groß soll der Kader sein?

Schneider 20 bis 22 Spieler plus drei Torhüter – das ist eine Größe, an der man sich orientieren kann.

Worauf werden Sie diesmal besonders achten?

Schneider Das sich alle noch mehr den gemeinsamen Zielen unterordnen und die Größe des Vereins verstehen.

Was ist Ihr Saisonziel?

Schneider Einen Aufstieg zu planen und zu versprechen, ist nicht möglich, weil es auch immer andere Vereine gibt, die es schaffen, einen erfolgreichen Kader zusammenzubauen. Trotzdem wollen wir um den Aufstieg mitspielen.

Ein generelles Thema: Die Männer trainieren mal in Hüls, mal in Oppum, die Jugend demnächst wahrscheinlich bei Bayer am Löschenhofweg. Ist es nicht unbefriedigend, dass auch nach Jahren einfach keine Lösung in puncto Vereins- und Trainingsgelände gefunden wird?

Schneider Zunächst einmal ist es eine Riesensache, gerade für die Fußball-Jugend in Krefeld, dass Bayer und der KFC Uerdingen kooperieren. Somit können wir allen talentierten Spielern eine Heimat bieten und sie müssen nicht mehr zwangsläufig in die vielen umliegenden Nachwuchsleistungszentren abwandern. Es ist gerade im letzten Jahr so viel Positives im Verein und seinem Umfeld passiert. Sicher gibt es noch einige Dinge zu professionalisieren, aber bei der Fülle an Aufgaben konnten wir nicht alle Versäumnisse der früheren Verantwortlichen aufarbeiten. Natürlich ist eine eigene Heimat erstrebenswert, aber man muss in dieser Gemengelage auch dankbar für die Hilfe von Oppum und Hüls sein. Viele haben alles dafür getan, uns dort die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen.

Benötigt der KFC überhaupt ein Nachwuchsleistungszentrum, wo viele Spieler im engen Umkreis auf höchster Ebene ausgebildet werden?

Schneider Die geplante Kooperation zwischen Bayer und dem KFC Uerdingen ermöglicht uns den Abstand zu den Strukturen, welche ein NLZ bietet, deutlich zu verringern. Im Hinblick auf die Reformbemühungen des DFB in puncto Jugendausbildung ist es auf lange Sicht aber notwendig, wenn man sich auf höchster Ebene messen möchte. Grundsätzlich glaube ich aber, dass man auch ohne dieses Gütesiegel gut ausbilden kann. Wenn wir diese Strukturen schaffen können, sollte man sich aber auch darum bemühen.

Sie haben drei Wünsche frei für den Verein und die erste Mannschaft. Wie lauten sie?

Schneider Die nächsten 20 Jahre keine Insolvenz. Dass die Mannschaft und der Verein ihre vollen Potentiale ausschöpfen. Direkter Wiederaufstieg.