1. Sport
  2. Fußball
  3. KFC Uerdingen

Lokalsport: Ellguth ist im Endspiel dabei

Lokalsport : Ellguth ist im Endspiel dabei

Keiner trägt das Trikot des KFC Uerdingen so lange wie er, doch in dieser Saison saß er oft nur auf der Bank. Jetzt ersetzt er in der wichtigsten Saisonphase Kapitän Erb. Trainer Krämer vertraut dem 28-Jährigen hundertprozentig.

Es ist die 38. Minute im Heimspiel des KFC Uerdingen gegen den Wuppertaler SV. Mario Erb wird schwer verletzt vom Feld geführt. Der Kapitän hat bei einem Kopfballduell einen komplizierten Kieferbruch erlitten. Er wird sofort ins Krankenhaus gebracht und operiert. Für den 27 Jahre alten Profi ist die Saison natürlich beendet.

Das ist überaus bitter. Mario Erb ist nicht nur der Kapitän der Mannschaft, sondern er bildet gemeinsam mit Christopher Schorch die Innenverteidigung der Viererkette, das Herzstück der Abwehr. Sie ist mit nur 24 Gegentoren die beste der Liga, ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Meisterschaft. Und jetzt?

Trainer Stefan Krämer hatte die Lösung sofort parat. "Das war für mich überhaupt keine Frage", sagt er. "Mir war klar, dass Patrick die Position übernimmt. Er hat das in den vergangenen Wochen im Training sehr gut gemacht und gezeigt, dass er das kann." Patrick Ellguth kam in der 38. Minute, die Abwehr stand weiterhin sicher, der KFC gewann das Spiel 4:0.

Ellguth kann das, aber er konnte es in den vergangenen Wochen und Monaten nicht so zeigen, wie er es gerne getan hätte. Dabei ist der 28 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler quasi das Urgestein des KFC, denn kein anderer Spieler trägt länger das blau-rote Trikot als er.

Vor sechs Jahren kam Ellguth aus Bielefeld nach Uerdingen. 157 Spiele absolvierte er seitdem für den KFC in der Oberliga und Regionalliga. Er war Stammspieler. Doch in dieser Saison stand er nur in den ersten elf Begegnungen regelmäßig auf dem Platz, danach saß er häufiger auf der Bank als ihm lieb sein konnte.

Aber er gehörte stets zum Kader. Trainer Stefan Krämer brachte ihn in Rödinghausen (3:0), in Dortmund (6:2) und auch jetzt. "Es ist unser ganz großer Vorteil, dass wir nicht nur eine erste Elf, sondern einen richtig guten Kader haben", sagt der Coach. "Wir haben 17, 18 Spieler, die ich sofort bringen kann. Das war schon in den vergangenen Wochen wichtig, denn wir konnten während eines Spiels immer reagieren, immer neue Akzente setzen, für frischen Schwung sorgen."

Patrick Ellguth hat schwierige Wochen hinter sich, denn die Zeit auf der Bank war gewiss nicht angenehm. Plötzlich ist er in den entscheidenden Tagen gesetzt: Sonntag in Wiedenbrück, wo der KFC mit einem Sieg Meister der Regionalliga werden und sich für die beiden Relegationsspiele gegen Waldhof Mannheim qualifizieren kann. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das auch einen Profi eigentlich nicht kalt lässt.

Trainer Stefan Krämer widerspricht energisch. "Paddy ist ein super Typ", sagt der Coach. "Er hat immer so trainiert, dass er sofort bereit ist. Jetzt ist es soweit. Er wusste, wenn die Chance da ist, muss er liefern - und das hat er gemacht."

Dass die lange Wartezeit bei Ellguth Spuren hinterlassen hat, bestreitet Krämer und erklärt verschiedene Verhaltensweisen von Spielern: "Paddy ist ein totaler Teamplayer. Es hat ihn gefreut, dass es so gut läuft. Natürlich will jeder spielen, aber wenn einer auf der Bank sitzt, gibt es zwei Reaktionsmöglichkeiten: entweder ist man beleidigt oder trainiert top für den Ernstfall. Wer beleidigt reagiert, wird seine Chance im Ernstfall nicht nutzen; wer gut trainiert, wird sie nutzen." Ellguth hat sie genutzt. "Paddy ist im Endspiel dabei, und das hat er sich verdient", sagt Krämer.

(ths)