DFB-Pokal 19/20: KFC Uerdingen nutzt das Partie gegen Borussia Dortmund für Werbezwecke

Uerdingens Spieler haben hohe Ziele : „Die Jungs wollen irgendwann auch Bundesliga spielen“

Der KFC Uerdingen verliert zwar das Pokalspiel gegen Borussia Dortmund mit 0:2, nutzt aber die Gunst der Stunde, um seine Fans mit einer leidenschaftlichen Leistung zu begeistern und Sympathien zu gewinnen.

Natürlich waren die Kameras auch nach dem Abpfiff auf ihn gerichtet. Jetzt war für Kevin Großkreutz der Moment gekommen, einfach zu genießen. Mit Tochter Leonie auf dem Arm stand er zunächst vor der Kurve, in der die BVB-Anhänger standen. „Meine Tochter und ich hatten Gänsehaut“, berichtete er. „Wir werden heute Nacht nicht schlafen. Es war ein sensationeller Tag, den wir nicht vergessen werden.“ Aber dann er war mit dem Töchterchen auf dem Arm in die Uerdinger Fan-Kurve gegangen und hatte sich gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden dort für eine respektable Leistung feiern lassen. Während anderenorts viele Besucher das Stadion bei einer deutlichen Führung Minuten vor dem Abpfiff verlassen, verharrten die Zuschauer noch Minuten nach dem Spielende auf ihren Plätzen und feierten beide Mannschaften. „Beide Fan-Lager können heute stolz nach Hause gehen“, sagte Großkreutz treffend.

Borussia Dortmund hatte mit dem 2:0-Pokalsieg ihre Pflicht erfüllt, der KFC Uerdingen trotz der Niederlage gewonnen. Dem Drittligisten war es tatsächlich gelungen, den Supercup-Gewinner und Titelkandidaten lange Zeit zu ärgern. „Wir können stolz sein, was wir heute geleistet haben“, sagte Großkreutz. „Das war läuferisch und kämpferisch top.“

Dass die Uerdinger bei allen statistischen Werten zweiter Sieger waren, überraschte nicht – zum Beispiel die 75 Prozent Ballbesitz für den BVB. „Es war doch klar, dass wir nicht das Spiel machen werden“, meinte Selim Gündüz. „Aber wir haben das über 90 Minuten gut gemacht.“

Die drückende Überlegenheit der Schwarz-Gelben war auch eine Folge des taktischen Konzepts, denn Heiko Vogel hatte seine Spieler angewiesen, extrem tief zu stehen und die Räume eng zu machen. Das ging lange Zeit auf, auch wenn die Gäste zu mehreren Chancen kamen.

Die Torschussstatistik sprach mit 11:2 für die Westfalen, doch bei eben diesen beiden Vorstößen hätte der KFC durchaus in Führung gehen können. Doch Osayamen Osawe verfehlte das Tor aus spitzem Winkel und Boubacar Barry fand bei seinem Konter in der Mitte keinen Abnehmer.

Jean Manuel Mbom, der seit Wochen auf der Sechserposition arbeitet, war trotz des Resultates zufrieden. „Wir können mit dem 0:2 gut leben“, sagte der 19-Jährige. „Das war ein geiles Erlebnis, das werde ich nicht vergessen.“

Trainer Heiko Vogel sah das ähnlich, blieb aber bei aller Zufriedenheit erfolgshungrig. „So ein volles Stadion, so eine Stimmung ist doch das, was wir jede Woche erleben wollen“, sagte er. „Wir haben mutig viele junge Spieler eingesetzt. Die Jungs haben große Ziele, die wollen da hin, wo der Gegner ist. Vielleicht nicht zum BVB, aber zu einem anderen Bundesligisten.“

Die Spieler haben Erstliga-Atmosphäre geschnuppert und sie machen keinen Hehl daraus, dass sie in dieser Saison aufsteigen wollen. Dass das Spiel eine Initialzündung sein kann, bestätigte Lukas Königshofer und betonte den Konjunkitv: „Kann, ja kann.“

Mehr von RP ONLINE