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Krefeld: Der KFC - außerirdisch gesehen

Krefeld : Der KFC - außerirdisch gesehen

Der KFC Uerdingen hat die Chance, Meister der Regionalliga zu werden. Zum Spiel gegen Wuppertal werden 6000 Zuschauer erwartet. Das Herz des Krefelder Fußballs glüht. Wir wagen einen Blick aufs Ganze - vom Mond aus. Vielleicht versteht man die Grotenburg nur so richtig.

Vielleicht darf man keine Ahnung haben, um das Herz des Fußballs wirklich zu verstehen. Vielleicht muss man Klingone oder Vulkanier, jedenfalls ein Außerirdischer sein. Vielleicht muss man das Herz eines Fußballfans vom Mond aus betrachten, um es in seiner rätselhaften Schönheit leuchten zu sehen. Warum brennt jemand für einen Verein? Für Fußball? Seltsam, diese Liebe. Wie jede Liebe.

Da sind also Erdlinge, die ein Spiel erfunden haben, bei dem es um einen Ball geht, der in zwei Tore soll. Obwohl er ins Tor soll, geben sich alle 22 Leute auf dem Platz Mühe, genau das zu verhindern. Wenn es dann doch passiert, dass der Ball im Netz landet, dann jubeln die Leute auf dem Platz wie verrückt. Meist sind drumherum noch ganz viele andere Leute versammelt, die gar nicht mitspielen dürfen, aber auch jubeln wie verrückt, als hätten sie selbst den Ball ins Netz getragen. Das heißt: Tragen darf man den Ball nicht, obwohl das für Erdlinge viel einfacher wäre. Das muss man sich mal vorstellen: Es hat Millionen Jahre Evolution gebraucht, damit diese Spezies aufrecht gehen kann und die Hände frei hat für Vernünftiges, und dann erfinden die ein Spiel für die Füße.

Und erst dieser KFC. Seine bedeutendste Stunde schlug Erdzeit 1985, als die Uerdinger den sogenannten DFB-Pokal mit einem Sieg über den sogenannten FC Bayern München gewannen. Die größte Stunde aber schlug 1986, als die Uerdinger 7:3 gegen Dynamo Dresden gewannen; im Viertelfinale im Kampf um den Europapokal der Pokalsieger. Nach einem 1:3-Pausenstand geschah das "Wunder von der Grotenburg": Uerdingen schoss noch sechs Treffer und gewann. 1986! Da gab es auf der Erde nicht mal Smartphones, und in Deutschland Ost herrschte ein Typ namens Honecker, der seine DDR immer Döischedemograischreuik oder so ähnlich nannte. Verdammt lang her.

Danach ging es nach Erdmaßstäben bergab. 1995: Hauptsponsor Bayer AG zieht sich zurück. Der Verein steigt ab. In die Zweite, in die Vierte, in die sechste Liga. Seltsam genug: Die Terrestrier, die sich um die Spiele versammelten, obwohl sie nicht mitspielen durften, versammeln sich weiter um diese Mannschaft. Und sie jubeln und leiden und freuen sich bis heute, als wären alle Mittelstürmer und noch in Liga Nummer eins.

Das Spiel ist dasselbe: 22 Mann. Nur Füße. Ein Ball. Keine Hand. Alles völlig sinnlos. Es wäre viel besser, wenn alle eine Föderation bildeten, damit jeder mal ein Tor schießen kann. Ergebnisse würden 90:90 lauten und nicht läppische 1:2 oder lächerliche 0:0.

Am Wochenende ist es wieder soweit. Der KFC erwartet 6000 Leute im Spiel gegen Wuppertal. Der KFC kann Meister werden. Diesmal in Liga Nummer vier. Vielleicht steigt er in Nummer drei auf. Gemessen an 1986: Aufstieg ins dritte Untergeschoss. Aber so braucht man Fans nicht zu kommen. Die Richtung ist's, die alle Herzen erfasst: Aufwärts! Und wetten: Auch ohne Aufstieg bleiben alle Herzen dabei.

Jedenfalls wird von einer Eroberung des Planeten abgeraten. Zu unberechenbar, diese Erdlinge. Außerdem leben da Grotifanten. Furchterregend.

(RP)