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Das Duell zwischen Dresden und Uerdingen weckt Erinnerungen an das Jahrhundertspiel

Uerdingen trifft auf Dresden : Erinnerungen an das Jahrhundertspiel

Wenn am Samstag Dynamo Dresden und der KFC Uerdingen aufeinandertreffen, werden natürlich Erinnerungen an eine Begegnung geweckt, die zwar 34 Jahre zurückliegt, aber noch immer die Älteren unter den Fußballfans in ganz Deutschland elektrisiert.

Wenn am Samstag der KFC Uerdingen bei Dynamo Dresden antritt, dann weckt das bei vielen Erinnerungen an vergangene Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften. Und natürlich überstrahlt hier das 7:3 (1:3) im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger der Saison 85/86 sämtliche anderen Begegnungen. 2007 wählten die Leser der Fußballfachzeitschrift 11-Freunde diese Partie zum größten Fußballspiel aller Zeiten. Zwischen der 58. und 86. Minute erzielten die Uerdinger sechs Treffer, mit denen sie nicht nur den 1:3 Pausenrückstand sondern zudem noch das 0:2 aus dem Hinspiel drehten.

Und ob dessen noch nicht genug folgte in der Nacht nach dem Spiel noch die Republikflucht des Dresdner Spielers Frank Lippmann, der sich trotz Stasiaufpassern aus dem Hansahotel stibitzte und im Westen verblieb. Zur sportlichen Schmach gesellte sich für die seinerzeit noch existierende DDR die politische. Für den Filmemacher Bernhard Dreiner – deutschlandweit bekannt durch seine Historieneinspieler in der ARD-Sportschau – Anlass genug, im Jahr 2007 eine Fernsehdokumentation zu produzieren. 100 Krefelder sahen am 11. Dezember 2007 im Krefelder Cinemaxx-Kino eine exklusive Preview, ehe das Werk am 27. Dezember des gleichen Jahres im Fernsehen zu sehen war.

Ob fußballinteressiert oder nicht, beinahe jeder hat ganz persönliche Erinnerungen an den Mittwochabend des 19. März 1986. Professor Henning Harke, zu jener Zeit Chefarzt der Anästhesie in den Städtischen Krankenanstalten Krefeld, verrichtete Dienst im zwischenzeitlich abgerissenen Zehngeschosser. „Auf sämtlichen Zimmern lief die Partie im Fernsehen und jedes Mal, wenn ich eine Etage tiefer den nächsten Patienten besuchte, war schon wieder ein Tor gefallen“, erinnert sich der Mediziner, der Anfang des Jahrtausends auch einmal Vorsitzender des Vereins war.

Dass das Spiel überhaupt im ZDF übertragen wurde, war Reporterlegende Rolf Töpperwien zu verdanken. Er, mit einem Herz für Uerdingen, hatte bei der Programmplanung für das deutsch-deutsche Duell aus der Grotenburg votiert und gegen eine erneute Übertragung eines Spiels des FC Bayern München (gegen den RSC Anderlecht) gestimmt. In der Halbzeit – als ZDF-Kommentator Rolf Kramer die Fußballarithmetik bemühend den Uerdinger Gesamtrückstand aus Hin- und 45 Minuten Rückspiel mit unaufholbaren1:5 Toren bezifferte – sah Töpperwien seine weitere Karriere beim Sender als beendet an.

Schicksale spielten sich auch im anderen Teils Deutschlands ab. „Auch wir saßen vor dem Fernseher und kaum bist du mal in den Keller gegangen, um eine Flasche zu holen, hatten unsere Dynamos wieder einen Treffer kassiert“, erinnern sich Dresdenfans.

Auch Stefan Krämer, aktuell Trainer des KFC Uerdingen, sah als 19-jähriger die Partie im Fernsehen. „Natürlich ein Fussballspektakel, aber damals war ich an Uerdingen noch nicht so emotional dran“, gesteht der 53-Jährige in der Rückschau. Dennoch freut er sich auf der Treffen dieser beiden Traditionsvereine, das am Samstag (14 Uhr) ohne Zuschauer angepfiffen wird: „Das finde ich extrem schade, ist aber leider nicht zu ändern.“

Den Fußballfans beider Lager in Erinnerung ist auch der 5. Juni 2004. Am letzten Spieltag der damals drittklassigen Regionalliga Nord siegten die Uerdinger zu Hause mit 1:0. Doch feiern konnten die zahlreichen Fans aus Sachsen. Ausgelassen feierten sie auf dem Rasen der Grotenburg den Aufstieg in die zweite Liga. Die Anhänger der Blau-Roten mussten daher nach Spielschluss eine ganze Zeit im Stadion verharren, ehe die Polizei sie durch einen Seiteneingang aus der Grotenburg lotste.