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Auch beim KFC Uerdingen regiert der Rotstift

Spieler und Vereine zögern : Auch beim KFC Uerdingen regiert der Rotstift

Die Corona-Pandemie hat nicht nur den Fußball zeitweise lahmgelegt, sondern lässt auch die Preise sinken - nicht nur die horrenden Ablösesummen, sondern auch die Verdienstmöglichkeiten der Spieler.

Fußballanhänger nahmen es staunend zur Kenntnis, Freunde anderer Sportarten schüttelten mit dem Kopf als 1976 erstmals ein deutscher Verein die Schallmauer von einer Million Mark für einen Transfer durchbrach. Der 1. FC Köln schrieb mit der Verpflichtung des Belgiers Roger van Gool vom FC Brügge Fußballgeschichte.

Heute können die Fans über eine solch läppische Summe nur schmunzeln. Sie sind längst ganz andere Summen aus dem gigantischen Geschäft gewohnt. Der französische Klub Paris St. Germain blätterte 2018 für den Brasilianer Neymar 222 Millionen Euro hin und hält damit den Rekord. Da wirkt die acht Jahre zuvor von Real Madrid vorgenommene Verpflichtung von Cristiano Ronaldo für 94 Millionen Euro schon beinahe wie ein Schnäppchen.

In der Bundesliga verkündete Bayer Leverkusen im Winter, dass der international umworbene Kai Havertz nicht unter 100 Millionen Euro wechseln werde. Doch dann kam die Corona-Pandemie und ließ aufgrund der Zwangspause das Geld im Fußballgeschäft knapp werden. Der 1. FC Kaiserslautern meldete Insolvenz an, Schalke 04 beantragte eine Landesbürgschaft und es wird vermutet, dass es nur wenige große Transfers in diesem Sommer geben wird. Zu groß sind die Unwägbarkeiten.

Aber nicht nur das Transfergeschäft ist von spürbar geringerer Liquidität betroffen, sondern auch die Ausgaben im Bereich Personalkosten. So sinken die Verdienstmöglichkeiten der Spieler und die Vereine sind mit Vertragsabschlüssen bislang äußerst zurückhaltend. Wohl denen, deren Verträge noch länger laufen.

Von den Sparmaßnahmen der Vereine sind aber nicht nur die großen Klubs betroffen, sondern auch die Drittligisten und Amateure. So hat der KFC Uerdingen noch keinen einzigen der 13 auslaufenden Verträge verlängert, aber bereits zwei eigentlich noch länger laufende Kontrakte mit Spielern – Roberto Rodriguez und Hakim Guenouche – vorzeitig aufgelöst. Und es dürften noch weitere vorzeitige Trennungen erfolgen.

Es ist bekannt, dass zwei der 13 Spieler das Angebot erhalten haben, ihren Vertrag beim KFC zu verlängern: Christian Dorda und Adam Matuschyk. Dass sie noch keine Unterschrift geleistet haben, deutet darauf hin, dass es sich um ein Angebot zu reduzierten Bezügen handelt. Das wiederum ist aufgrund der Marktlage nicht verwunderlich, wenngleich für die Spieler unangenehm. Es zeigt, dass Präsident Mikhail Ponomarev unternehmerisch auf die Situation reagiert. Auch in Uerdingen, wo in den vergangenen drei Jahren sehr gut verdient wurde, regiert der Rotstift. Auch soll es nur noch leistungsbezogene Verträge mit kürzerer Laufzeit geben. Zwei Spieler, die an ihre Chance glauben, haben das Angebot angenommen und kommen neu hinzu: Mittelfeldspieler Peter van Ooijen von VVV Venlo und Verteidiger Omar Haktab Traoré vom SV Rödinghausen.