KFC Uerdingen: Anatomie eines Skandalspiels

KFC Uerdingen : Anatomie eines Skandalspiels

Die Verbandsspruchkammer entscheidet am Samstag, ob der Grund des Abbruchs der Partie zwischen Ratingen und dem KFC die Ausschreitungen auf der Tribüne oder die Verletzten auf der Tartanbahn war.

Einen Tag nach der Sitzung der Verbandsspruchkammer des Fußballverbandes Niederrhein (FVN), die am Donnerstag über das nach Auseinandersetzungen zwischen Polizei und KFC-Fans abgebrochene Spiel zwischen Germania Ratingen und dem KFC Uerdingen beraten hatte, sind die Verantwortlichen beider Clubs im Grunde genauso schlau wie vorher.

Wie berichtet, beendete Kammervorsitzender Wilfried Loskamp den vierstündigen, an die Verhandlungen der Fernsehserie aus den 60er und 70er Jahren des königlich bayerischen Amtsgericht erinnernden Sitzungsmarathon in der Sportschule Wedau in Duisburg, ohne dass er und seine vier Kollegen ein Urteil verkündeten.

Darüber wird nun heute beraten und das Ergebnis den Vereinen schriftlich zugestellt (siehe Infokasten). Der KFC plädiert dafür, das Spiel neu anzusetzen, weil beide Vereine nicht für den Abbruch verantwortlich gemacht werden können. Ratingen hingegen sieht die Alleinschuld bei den KFC-Fans und will den Sieg am Grünen Tisch erlangen.

Wie hoch die Chancen für den KFC stehen, dass das Spiel neu angesetzt wird, ist schwierig einzuschätzen. Die Kernfrage, die es zu beantworten gilt, ist: War der Grund des Abbruchs zu dem Zeitpunkt, den Schiedsrichter Christian Bandurski wählte, die Ausschreitungen auf der Tribüne? Oder lag es an den vielen durch Tränengas Verletzten, die auf der Tartanbahn vor dem Spielfeld lagen und behandelt wurden? Das machte die Spruchkammer durch ihre gezielt in diese Richtung gehenden Fragen deutlich.

Auch darum waren die Aussagen der mehr als ein Dutzend Zeugen, die der KFC benannt hatte, zu großen Teilen ziemlich wirkungslos, weil sie in erster Linie vom Vorgehen der Polizei und den Vorkommnissen auf der Tribüne handelten. Und das wiederum hat für die Beantwortung der Kernfrage kaum belang. Denn letztlich hat einzig und allein der Schiedsrichter die Entscheidung getroffen, das Spiel zunächst zu unter- und später abzubrechen.

Die Ursache des Abbruchs zu bewerten, ist reine Ermessungssache. Kommt die Kammer zu dem Schluss, dass die Randale der Grund war, hat der KFC schlechte Karten, weil er dann als Verursacher gilt und gemäß den Statuten das Spiel zu seinen Ungunsten gewertet werden muss. Sind aber die durch den Polizeieinsatz Verletzten die Ursache, müsste dies als ein Vorkommnis nach Fremdeinwirkung gewertet werden — und dann muss die Partie neu angesetzt werden, weil dies keinem der beiden beteiligten Vereine angelastet werden kann.

Eine Neuansetzung könnte zum Beispiel auf neutralem Boden erfolgen oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dessen ungeachtet ist damit zu rechnen, dass zusätzlich Geldstrafen ausgesprochen werden. Und da wiederum geht es zum Beispiel darum, ob der Ratinger Ordnungsdienst Fehler gemacht hat oder ob der KFC zur Rechenschaft zu ziehen ist.

Die drohende Geldstrafe dürften die Uerdinger allerdings in Kauf nehmen, wenn das Spiel wiederholt wird. Denn nur dann hat der KFC es noch selbst in der Hand, die Meisterschaft und den Aufstieg zu schaffen, ohne auf Schützenhilfe anderer Teams angewiesen zu sein. Uerdingen hätte dann zwar zwei Punkte Rückstand auf Tabellenführer TuRU Düsseldorf, aber ein Spiel weniger ausgetragen. Und mit einem Sieg in diesem Spiel würde der KFC an den Landeshauptstädtern vorbeiziehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: KFC Uerdingen in Ratingen: Spielabbruch

(RP)
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