KFC Uerdingen: Als Schäfers Stündchen schlug

KFC Uerdingen: Als Schäfers Stündchen schlug

Für den Westdeutschen Fußball-Verband dreht zurzeit ein Bonner Fernsehteam einen Film über die Krefelder Stationen der Fußball-Route NRW. Dienstag war Uerdingens Legende Wolfgang "Kapp" Schäfer Interviewpartner.

Es gibt einige Sekunden in seinem Leben, die vergisst Wolfgang Schäfer nie. Es war die 67. Minute des DFB-Pokalendspiels am 26. Mai 1985 im Berliner Olympiastadion. Der kleine FC Bayer Uerdingen spielte gegen den haushohen Favoriten FC Bayern München. Und es kam die Minute, in der Schäfers Stündchen schlud und er ein Stück Fußballgeschichte schrieb.

Larus Gudmundsson hatte ihn angespielt, "dann bin ich mit dem rechten Fuß leicht weggerutscht und hab' den Ball mit Links reingemacht", erzählte der mittlerweile 51-Jährige, der sich gestern von Mainz aus auf den Weg nach Krefeld gemacht hatte. Für einen Fernsehtermin. Der Westdeutsche Fußball-Verband lässt nämlich zurzeit in jenen 15 Städten in NRW, in denen jemals Fußball-Bundesligisten gespielt haben, einen Film über die so genannte Fußball-Route NRW drehen. In den Städten sind jeweils elf Orte gekennzeichnet, die eng mit den Erfolgen der dortigen Vereine verbunden sind.

Für den gestrigen Drehtag nun hatte sich das Bonner Fernsehteam mit Wolfgang Schäfer am Seidenweberhaus verabredet, wo seinerzeit die Uerdinger Mannschaft von unzählbaren Fans bejubelt wurde. "Die Anreise war eine Katastrophe, ich hab' Ewigkeiten im Stau gestanden", fluchte der Mann mit dem Spitznamen Kapp bei seiner Ankunft bei gefühlten vier Grad unter Null. Aufgewärmt hatte er sich allerdings schnell. Vor der Kamera berichtete er von dem wohl größten Erfolg in der Vereinsgeschichte des FC Bayer, dem Pokalsieg. Und räumte mit einer Legende auf.

Denn nach dem Sieg 1985 verbreitete sich die Mär, er habe mit dem Pokal in einem Bett geschlafen. "Das ging überhaupt nicht", sagte Schäfer. "In dem Pott waren sieben Liter Champagner drin, als ich ihn mit nach oben genommen habe. Gegen halb drei am Morgen stand plötzlich Friedhelm Funkel vor mir mit Sicherheitsbeauftragten, weil die den Pokal vermisst hatten. Und weil da auch ein Reporter dabei war, ist das denn dabei herumgekommen", erzählte Schäfer.

Solche Schlagzeilen liest man um den Pokalhelden von einst schon lange nicht mehr. Fußball-Invalide ist der einstige Stürmer mittlerweile, zu 60 Prozent ist er schwerbehindert. Diese stammen aus den Spätfolgen einer Verletzung, die er sich 1986 beim Intertotocupspiel mit Bayer gegen Lausanne zugezogen hatte. Der Torwart der Schweizer hatte ihn unglücklich mit dem Ellbogen im Gesicht erwischt. Das Jochbein war gebrochen und der Augenboden verletzt — Schäfer aber spielte schnell, im Nachhinein zu schnell wieder, dadurch wurde der Trigeminusnerv irreparabel beschädigt.

Schwindelanfälle und Schmerzattacken folgten, mittlerweile sorgt eine tägliche Dosis von 2300 Milligramm Neurotin für ein schmerzfreies Leben. Das genießt er meist in Tirol, wo er seine eigenen Fußballschule betreibt und Kinder zumeist aus Bayern betreut. "Da kennt man mich ja", sagte er mit schelmischem Grinsen. So ist das eben, wenn man ein kleines Stück Fußballgeschichte geschrieben hat — vor allem gegen Bayern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Krefelder gewannen 1985 den DFB-Pokal gegen Bayern

(RP)
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