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"Vom angekündigten Schlag sehr betroffen": Johansson fordert Beibehaltung des Transfersytems

"Vom angekündigten Schlag sehr betroffen" : Johansson fordert Beibehaltung des Transfersytems

Monte Carlo (sid). Der Präsident der Europäischen Fußball-Union Uefa, Lennart Johansson, hat nach der Sitzung der Exekutive in Monte Carlo die Beibehaltung des Transfersystems im Profifußball gefordert und ist damit erneut auf Konfrontationskurs mit der Kommission der Europäischen Union (EU) in Brüssel gegangen.

"Wir sind sehr betroffen von dem angekündigten Schlag der Europäischen Kommission gegen das Transfersystem. Die von der EU geforderten Reformen darauf hinaus, dass der Profifußball in Europa instabil und chaotisch wird", sagte Johansson in Monte Carlo.

Die Kommission hatte den Fußball-Verbänden viereinhalb Jahre nach dem "Bosman-Urteil" ein Ultimatum bis Ende 2000 zum Umbau des internationalen Transfersystems gestellt. "Wenn Fifa und Uefa bis dahin keine neuen Vorschläge machen, muss die Kommission Sanktionen gegen das bestehende System ergreifen. Das bedeutet, dass das derzeitige System nicht mehr legal wäre. Niemand wäre mehr an das existierende Modell gebunden. Klubs und Spieler hätten die Wechsel selbst zu klären", hatte Kommissionssprecherin Amelia Torres in Brüssel erklärt.

Verluste bei Klubs würden wachsen

Die EU-Kommission fordert von Fifa und Uefa die Einführung eines außerordentlichen Kündigungsrechtes für die Spieler. Damit soll die in den Römischen Vertragen garantierte freie Wahl des Arbeitsplatzes, die durch Ablösesummen im Falle laufender Verträge aus Sicht der Kommissare gefährdet ist, gewährleistet werden. Brüssel ist nach Angaben von Amelia Torres allerdings durchaus zu dem Zugeständnis bereit, dass der abgebende Klub für den vorzeitigen Wechsel eines Spielers eine finanzielle Entschädigung in allerdings "angemessener Höhe" erhält.

Mit der EU-Forderung würden nach Angaben von Johansson in Monte Carlo die Verluste bei den europäischen Profiklubs noch größer. Johansson: "Die von der Kommission geforderte Aufhebung des Transfersystems bedroht nicht nur die Entwicklung der Spieler, sonnder auch die die Finanzen der Klubs und deren Planbarkeit in der Zukunft."

Johannsson auf der Seite der Ligen

Der Schwede forderte eine "neuen konstruktiven und positiven Dialog mit der europäischen Kommission", um Fehlentwicklungen zu stoppen. Der Uefa-Präsident kündigte Konsultationen mit dem Weltfußballverband an. Schon am 31. August soll in Zürich das Transfersystem im Zentrum der Debatte stehen: "Der Fußball bleibt eine Einheit, und wir hoffen, dass die europäische Kommission dies zur Kenntnis nimmt."

Johansson stellte sich mit seiner Forderung auf die Seite der europäischen Ligen und der Klubs, die ebenfalls eine Beibehaltung des Transfersystems gefordert hatten. Die EU bedrohe mit der Forderung nach ablösenfreien Wechsel von Profifußballern auch bei noch laufenden Verträgen die Zukunft des Fußballs, erklärte Johansson in Monte Carlo. Man sei zum Dialog bereit, aber nicht gewillt, die drohende Zerschlagung des Transfersystems hinzunehmen.

(RPO Archiv)