Er will wieder trainieren: Jörg Berger kämpft sich zurück

Er will wieder trainieren: Jörg Berger kämpft sich zurück

Düsseldorf (RP). Jörg Berger hat eine Autobiografie geschrieben. Darin schildert er seine Flucht aus der DDR und wie er danach von der Stasi gejagt wurde. Nach seiner Krebs-Erkrankung plant er nun eine Rückkehr ins Profigeschäft.

Jörg Berger war immer der Typ für die besonders schweren Fälle. Wann immer es bei einem Fußballklub lichterloh brannte, kam er zum Einsatz. Er war als Trainer bei Fortuna Düsseldorf, zwei Mal in Frankfurt, auf Schalke, Köln, Aachen und zuletzt bei Hansa Rostock engagiert. Man hat ihn den "Feuerwehrmann" genannt.

Seine Einsätze hatten immer die gleiche Mission — Berger sollte retten, was zu retten war. Er sollte Abstiege verhindern, Aufstiege garantieren. Es wurde gejubelt, manchmal geweint. Er war oft erfolgreich, was ihm in der Branche immer wieder feste Arbeitsplätze garantierte. Er war nie einer für langfristige Projekte. Sein Leben änderte sich schlagartig mit einer niederschmetternden Diagnose. Darmkrebs.

Für Berger war es nicht der erste Schicksalsschlag. 1979 flüchtete er vor der ständigen Einmischung der Staatssicherheit aus der DDR in den Westen. Die soll danach Jagd auf ihn gemacht haben und sogar nicht vor einem Giftanschlag auf ihn zurückgeschreckt haben.

Jetzt hat der 64-Jährige seine Autobiografie geschrieben — "Meine zwei Halbzeiten. Ein Leben in Ost und West" (Rowohlt, 19,90 Euro), die Ende der Woche erscheint. "Es ist genau der richtige Zeitpunkt für dieses Buch", sagt Berger. "Ich wollte über mein Leben in beiden Teilen Deutschlands schreiben. Ich bin jetzt aber kein Schriftsteller, einfach ein Autor, der seine Sicht der Dinge schildert."

Passiert ist so einiges. Nach der Wende forderte Berger seine Stasi-Akte an und fand Schockierendes. Aus Freunden wurden plötzlich Feinde. Er schreibt: "Insgesamt zähle ich bis zu 30 regelmäßig auftretende offizielle Informelle Mitarbeiter, die man auf mich angesetzt hatte. Davon neun im Osten. Erschreckend war, Schwarz auf Weiß zu lesen, wie nah die Stasi im Westen an mir dran war. Das Schlimmste jedoch war folgende Gewissheit: Zwei mir nahestehende Menschen hatten mich verraten."

Einer davon war Bernd Stange, einst in der DDR Nationaltrainer. Stange habe denunziert und verkauft, Menschen, die ihm nahestanden, möglicherweise dadurch in Gefahr gebracht. "Die Enttäuschung, von zwei Freunden so behandelt worden zu sein, belastet mich noch heute", sagt Berger.

Sein Buch ist aber auch eine Aufbereitung seiner Krankenakte. Im letzten Kapitel spricht er offen über den Kampf gegen den Krebs. "Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, ob ich damit an die Öffentlichkeit gehen will. Aber ich bin ein Kämpfertyp, will anderen mit meiner Geschichte Mut machen", bekundet er.

"Ich fühle mich wieder gut"

"Ich muss mich weiterhin regelmäßig untersuchen lassen, fühle mich soweit wieder gut. Resignation war noch nie mein Ding. Ich gehe jetzt in die Verlängerung und genieße mein Leben." Berger engagiert sich für Wohltätigkeitsprojekte, er golft und fährt Ski. "Was in Zukunft passiert, kann ich nicht beeinflussen", sagt er.

Berger wäre nicht Berger, wenn er sich nicht gleich ein neues Ziel gesetzt hätte. Er, der Retter, der zwischenzeitlich um sein eigenes Leben kämpfen musste, will wieder im Fußball-Geschäft angreifen: "Wenn ein Verein kommt und fragt, ob ich ihm helfen kann, dann würde ich mir das schon nochmal überlegen."

(RP)
Mehr von RP ONLINE