Bierhoff: "Aufstand der Fans spitzt sich zu": Italiener weniger am Verdienst der Spieler interessiert

Bierhoff: "Aufstand der Fans spitzt sich zu" : Italiener weniger am Verdienst der Spieler interessiert

Frankfurt/Main (sid). Mit Sorge, aber auch mit leisem Verständnis betrachtet Oliver Bierhoff von jenseits der Alpen das "neue" Verhalten der deutschen Fans. "Der Aufstand der Fans spitzt sich in Deutschland auf jeden Fall zu", prophezeit der Kapitän von Europameister Deutschland als Stargast der 6. Sponsoringtage des Deutschen Fachverlags in Frankfurt/Main am Donnerstag.

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p class="text">"Fußball weckt eben große Emotionen beim Publikum", stellte der 31 Jahre alte Mittelstürmer des italienischen Meisters AC Mailand fest. Der ehemalige Profi von Borussia Mönchengladbach, des Hamburger SV und von Bayer Uerdingen macht aber einen gravierenden Unterschied beispielsweise zwischen den "renitenten" Anhängern von Borussia Dortmund und den Zuschauern auf dem Apennin aus.

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p class="text">"In Italien wird die Kritik der Fans wenig auf das Geld bezogen, das die Spieler verdienen. In Deutschland ist das anders: Fans und Medien reden nur noch von 'Millionarios'." Und das ist dem Schützen des "goldenen Tores" beim 2:1-Endspielsieg der DFB-Auswahl im EM-Endspiel 1996 im Londonder Wembley-Stadion gegen Tschechien ein Dorn im Auge, zumal die Belastung für die Spitzenkräfte unter seinen Kollegen mittlerweile "sehr hoch" sei.

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p class="text">"Es ist für die deutschen Fans sicher ein Problem, wenn ein Spieler zwei Millionen Mark verdient, aber die Leistung nicht stimmt", äußerte der italienische "Gastarbeiter", der nach seinen Stationen bei Ascoli Calcio und Udinese Calcio in Mailand mittlerweile seinen dritten Arbeitgeber im Land des dreimaligen Weltmeisters gefunden hat.

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p class="text"> Spaltung der KlubsIm europäischen Spitzenfußball befürchtet der 1,91 m große und 84 kg schwere Bierhoff eine Spaltung der Klubs, weil die Champions League seiner Meinung nach "aufgebauscht" ist: "Diese Liga soll ein Meister-Wettbewerb sein mit maximal zwei Vereinen pro Land. Aber jetzt sind es teilweise vier. Wir Profis würden uns eine Straffung wünschen", plädiert Bierhoff trotz der aktuell gescheiterten Versuche, die "Königsklasse" der Europäischen Fußball-Union Uefa erneut zu modifizieren. Bierhoff redete Klartext: "Ich sehe durchaus die Gefahr, dass die 'Kleinen' finanziell bald nicht mehr mithalten können."

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p class="text">Der wie immer eloquente frühere Essener brach auch eine Lanze für die Bodenständigkeit des Fußballs. "Die nationalen Ligen sind für meine Begriffe unverzichtbar. Der Fan will überall alte, gewachsene Rivalität sehen" - aber nicht mit dem Negativbeispiel aus der Serie A zwischen dem AC Venedig und US Cagliari. "Die Prügelei zwischen Spielern dieser Vereine muss eine Ausnahme sein. So etwas ist mir in meiner bisherigen Karriere noch nicht vorgekommen", meinte Bierhoff.

Sein Dasein als Profi in Italien scheint der DFB-Kapitän sehr zu genießen: "Auch wenn der Druck durch die Zuschauer da ist, wenn es mal nicht so gut läuft: In das Privatleben geht das bei uns selten." Die positive Abschottung gegen Versuche der Medien, "Home-Stories" über den ehemaligen Torschützenkönig der ersten italienischen Liga zu produzieren, ist Bierhoff ein eminent wichtiger Faktor.

(RPO Archiv)
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