Wer ist Deniz Naki?

Deutsch-kurdischer Fußballer: Wer ist Deniz Naki?

Auf den Wagen von Deniz Naki sind nahe Düren auf der Autobahn 4 Schüsse abgegeben worden. Der frühere Bundesligaprofi blieb beim Anschlag unverletzt, hatte aber Todesangst. Eine politisch motivierte Tat ist nicht ausgeschlossen. Naki ist bekannt dafür, für seine Meinung einzutreten.

Auf seinen linken Unterarm hat sich Deniz Naki das kurdische Wort Azadi, "Freiheit", tätowieren lassen. Auf dem anderen Arm prangt eine 62, Kennzahl der Stadt Dersim, der Heimatstadt seines Vaters und vieler weiterer kurdischstämmiger Türken alevitischen Glaubens. Für den früheren Fußball-Bundesligaprofi Deniz Naki ist es ein wichtiges Bekenntnis zu seinen Wurzeln.

Er selbst ist Düren geboren und aufgewachsen. Seine Ausbildung als Spieler absolvierte er unter anderem bei Bayer Leverkusen, weitere Stationen waren beim FC St. Pauli (seine erfolgreichste Zeit zwischen 2009 bis 2012) und dem SC Paderborn. Mit der deutschen U19-Auswahl wurde Naki 2008 Europameister — unter anderem an der Seite von Ron-Robert Zieler und den Brüdern Sven und Lars Bender.

Naki ist mit einem durchaus vorzeigbaren Talent gesegnet. Doch seinen Vorgesetzten bereitete er immer wieder Kopfzerbrechen, weil er oft zu ungestüm an sein Tagewerk ging. Die Fans haben ihn auf seinen diversen Stationen immer schnell ins Herz geschlossen, weil sie das Unangepasste an ihm schätzen. Naki sagt, was Naki denkt. Er filtert die Inhalte in der Regel nicht weiter. Für St. Pauli, mit einer traditionell großen Anhängerschaft aus dem linken Spektrum, erzielte er den Siegtreffer gegen Hansa Rostock, das von etlichen Fans aus dem rechten Milieu unterstützt wird. Bei seinem anschließenden Jubel ließ er sich vor gegnerischen Fans zu einer Kopf-ab-Geste hinreißen.

Der sportliche Durchbruch gelang Naki indes hierzulande nicht. 2013 wechselte er schließlich zum türkischen Erstligisten Genclerbirligi Ankara. Und auch dort machte er unmissverständlich klar, dass er ein Freigeist ist, jemand, der sich nicht seinen Mund verbieten lässt. Als der IS die Stadt Kobane belagerte, unterstützte Naki die dort lebenden Kurden. Viele Türken fühlten sich von der Aktion provoziert — es folgten wüste Beschimpfungen und Übergriffe. Von Genclerbirligi sah er sich nicht ausreichend unterstützt, weshalb er seinen Vertrag auflöste.

Er zog weiter und landete schließlich bei Amedspor, einem Drittligisten aus der kurdischen Metropole Diyarbakir. Die Spieler von Amed SK, deren Kapitän Naki ist, laufen in den kurdischen Farben auf, das Team gilt als heimliche Nationalmannschaft der Kurden. Eine schiere Provokation für die türkische Regierung und Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

In einem Facebookpost hatte Naki den Opfern des türkisch-kurdischen Konfliktes gedacht. Der Verband sperrte ihn daraufhin für zwölf Partien. Die türkische Justiz klagte ihn an, Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK begangen zu haben. In einem ersten Verfahren war er freigesprochen worden. In zweiter Instanz wurde der 27-Jährige zu einer Haftstrafe von etwas mehr als anderthalb Jahren verurteilt, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Fünf Jahre lang darf Naki sich nichts zu schulden kommen lassen, sonst muss er hinter Gitter. "Ich werde weiter den Mund aufmachen, wenn ich Menschen in Not leiden sehen", sagte er. "Ich lasse mir nicht meine Meinung verbieten."

Schüsse auf Nakis Auto: Lesen Sie hier mehr zu dem Vorfall auf der A4.

(gic)