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Von Cristiano Ronaldo bis Zlatan Ibrahimovic: alte Herren gegen den Jugendwahn

Gegenpressing : Alte Herren trotzen dem Jugendwahn

Zlatan Ibrahimovic und Joaquin sind inzwischen 40 Jahre alt, Cristiano Ronaldo bringt es immerhin schon auf 36 Jahre – drei Beispiele dafür, dass im modernen Fußball nicht jeder unter 20 sein muss.

Um einen guten Spruch war Zlatan Ibrahimovic noch nie verlegen. Und niemand musste ihn bisher mit Waffengewalt von seiner überragenden Bedeutung im Weltfußball überzeugen. Kleines Beispiel: Als der Schwede vor gut fünf Jahren Paris Saint-Germain verließ, sagte er den goldenen Satz: „Ich kam als König, ich ging als Legende.“

Damals glaubten nicht viele, was inzwischen Realität ist. Die Legende lebt. 40 Jahre hat der Stürmer auf dem Buckel, aber von Rente will er nichts wissen. Er spielt eine mehr als rüstige Rolle beim italienischen Spitzenklub AC Mailand, und neuerdings steht er wieder im Aufgebot der schwedischen Nationalmannschaft – an der Seite von Alexander Isak (22), Mattias Svanberg (22) und Dejan Kulusevski (21), die seine Söhne sein könnten.

Ibrahimovic ist der wortgewaltige Anführer einer Riege von alten Herren, die beharrlich dem Trend zum Jugendwahn trotzt – beinahe wie die Gallier in den Asterix-Heften dem mächtigen römischen Reich trotzen. Und wer weiß, in welchen Topf mit Zaubertrank Zlatan Ibrahimovic und seine Altersgenossen gefallen sind.

Es sind längst nicht mehr nur Torhüter, denen schon immer eine längere Haltbarkeit in den Höhen des Spitzenfußballs zugeschrieben werden durfte. So machte Faryd Mondragon mit 43 sein letztes WM-Spiel, Pat Jennings spielte noch mit 41, und Dino Zoff wurde mit 40 Weltmeister. Feldspieler aber gingen auch zu Zoffs Zeiten in den 1980ern mit Anfang 30 in Pension. Heute schießt Cristiano Ronaldo mit 36 für Manchester United die Netze kaputt, räumt Giorgio Chiellini mit 36 für Juventus Turin im Strafraum auf und ackert Joaquin mit 40 für Betis Sevilla über den Flügel. Und sie tun das, obwohl die Akademien der großen Klubs jedes Jahr Konkurrenten in die Profiabteilungen entsenden, die mit 16 mehr von Taktik, Ernährungsweise und Schusstechnik verstehen als jeder Fußballprofessor vor 20 Jahren.

Wo liegt das Geheimnis der großen alten Männer, wenn sie denn nicht in den Kessel mit Zaubertrank gefallen sein sollten oder jeden Morgen in einen Jungbrunnen steigen? Für Ibrahimovic ist des Rätsels Lösung natürlich er selbst. Das wundert auch niemanden. Noch so ein schöner Wortbeitrag: „Ich werde älter, klar, ich verstehe meinen Körper viel besser. Er ist älter, obwohl mein Geist jünger ist und ich immer besser aussehe.“ So ähnlich empfindet Cristiano Ronaldo sicher auch, dem von jeher ein großer Hang zu ausgiebiger Körperpflege nachgesagt wurde.

Beide profitieren allerdings auch vom wissenschaftlichen Fortschritt, selbst wenn sie das ungern zugeben. Die Sportmedizin hat die Athleten so gläsern gemacht, dass die sogenannte Belastungssteuerung die betagten Körper durch die schweren Prüfungen des Alltags bringt – ohne das Ticket für künstliche Gelenke nach dem Ausklang der Karriere.

Deshalb dürfen sich Ibrahimovic, Ronaldo und Joaquin weiter auf Rekordjagd begeben. Ob sie die Spitzenplätze in der Fußballgeschichte angreifen können, ist trotzdem fraglich. Der legendäre englische Stürmer Stanley Matthews machte fünf Tage nach seinem 50. Geburtstag das letzte Pflichtspiel als Profi. Und der Japaner Kazujoshi Miura steht mit 54 Jahren bei Yokohama FC unter Vertrag.

Spruchweisheiten sind von beiden nicht überliefert. Deshalb zum Abschluss noch mal Ibrahimovic: „Ich fühle mich wie Benjamin Button. Ich wurde alt geboren, und ich werde jung sterben.“ Herrlich.