Torwart-Wechselspiel in Europa: Thibaut Courtois wechselt zu Real Madrid

Torwart-Wechselspiel in Europa: Courtois wechselt zu Real Madrid

Kurz vor dem Schluss des Transferfensters verpflichtet der FC Chelsea den spanischen Torwart Kepa als Ersatz für den abwanderungswilligen Thibaut Courtois. Die Blues brechen damit einen nur wenige Wochen alten Rekord. Auch andere Topclubs verstärken sich im Tor.

Der spanische Fußball-Nationaltorhüter Kepa Arrizabalaga wird Liverpools Alisson als teuersten Schlussmann der Welt ablösen. Der Keeper von Athletic Bilbao steht unmittelbar vor einem Wechsel zum FC Chelsea, die festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 80 Millionen Euro hat Kepa bereits hinterlegt. Damit war der Weg frei für eine spektakuläre Torhüter-Rochade. So wechselt Chelseas bisheriger Stammkeeper Thibaut Courtois zu Champions-League-Sieger Real Madrid.

Erst vor wenigen Wochen hatte Liverpool bei der Verpflichtung des brasilianischen Nationalkeepers Alisson für die Rekordsumme von rund 75 Millionen Euro an die AS Rom überwiesen. Nun packt Chelsea noch einmal fünf Millionen Euro mehr für Kepa drauf.

Die Verpflichtung einer neuen Nummer eins an der Stamford Bridge war nötig geworden, weil Courtois auf einen Abschied drängte. Der Belgier fehlte zuletzt unentschuldigt beim Training, offenbar um seinen Wechsel zu Real zu forcieren. Courtois' Kinder leben in Madrid. Der Keeper betonte zuletzt mehrfach, dass es ihn deshalb nach Spanien ziehe. 35 Millionen Euro zahlt Real für den Belgier, dazu wird der kroatische Mittelfeldspieler Mateo Kovacic für ein Jahr an Chelsea ausgeliehen. Was bei aus Reals bisheriger Nummer eins Keylor Navas nun wird, ist unklar. Navas erklärte, er wolle es „mit jedem aufnehmen“.

Beinahe wäre Kepa selbst in Madrid gelandet. Real Madrids Präsident Florentino Pérez hatte im Winter mit Bilbao den Wechsel Kepas zu den Königlichen für „nur“ 25 Millionen Euro bereits fest vereinbart. Aber der damalige Real-Coach Zinedine Zidane stoppte den Transfer im letzten Moment. „Kepa ist sehr gut“, soll Zidane gesagt haben, „aber mein Torwart ist Keylor Navas“. Ob der neue Coach Julen Lopetegui das genauso sieht? Nach Zidanes Absage verlängerte Bilbao den Vertrag mit Kepa, erhöhte die Ablösesumme und darf sich nun als Gewinner fühlen.

Chelsea bekommt dafür den zur Zeit wohl talentiertesten spanischen Keeper. Während der Weltmeisterschaft in Russland stimmten bei einer Umfrage der spanischen Sportzeitung „AS“ rund 50 Prozent der Leser für den 1,89-Meter-Mann als Stammtorhüter von „La Roja“. Trotzdem hielt Nationalcoach Fernando Hierro an David de Gea fest, der nur von 38 Prozent unterstützt wurde. Nach einer starken Saison mit Manchester United galt auch De Gea als Kandidat für Madrid. Nach seiner wenig überzeugenden WM kühlte das Real-Interesse aber ab.

In Liverpool wurde Loris Karius nach der Alisson-Verpflichtung zur Nummer zwei degradiert. Der deutsche Keeper, dem im Finale der Champions League gegen Madrid (1:3) zwei folgenschwere Patzer unterlaufen waren, musste im Sommer viel Kritik und Spott ertragen. Am Dienstag wurde der 25-Jährige bei seiner Einwechslung im Testspiel gegen den FC Turin (3:1) jedoch vom Publikum in Anfield mit lautem Applaus gefeiert. Ein Wechsel ist trotzdem nicht ausgeschlossen.

Direkt nach dem verlorenen Champions-League-Finale war in Liverpool auch der italienische Torwart-Oldie Gianluigi Buffon gehandelt worden. Der 40-Jährige wechselte schließlich zu Paris Saint-Germain, wo im Sommer Thomas Tuchel das Traineramt übernommen hat. Der deutsche Keeper Kevin Trapp überließ Buffon großzügig das Trikot mit der Rückennummer 1. Die Chancen auf einen Stammplatz stehen für Trapp, der in der vergangenen Saison nur Ersatz für den Franzosen Alphonse Areola war, vor der neuen Spielzeit ohnehin schlecht.

Beim FC Arsenal konkurriert der 26 Jahre alte Bernd Leno, der von Bayer Leverkusen kam, mit dem zehn Jahre älteren Petr Cech, der die Eins zumindest auf dem Trikot behält. Leno tritt in die Fußstapfen von Jens Lehmann, der von 2003 bis 2008 im Arsenal-Tor stand. Lehmann staunt über die jüngste Entwicklung. „Wenn ein Klub für 60, 70, 80 Millionen Euro einen Torwart holt, müsste er eigentlich alles können“, sagte Lehmann der „Sport Bild“. Ein Weltklasse-Torhüter sei Alisson nicht. „Diesen Nachweis hat er noch nicht erbracht.“

(rent/dpa)