Real Madrid: Zinedine Zidane soll die Königlichen retten

Zidane zurück in Madrid : Es lebe der König

Die Rückkehr von Zinedine Zidane zu Real Madrid sorgt in der Fußballwelt für Schlagzeilen. Zizou soll die Königlichen zurück an die Spitze führen. Das wird aber ganz sicher nicht leicht.

"König", "Heilsbringer", "Lebensretter": Die sensationelle Rückkehr von Zinedine Zidane zu Real Madrid hat in der Fußballwelt ein kleines Beben ausgelöst. Die Vorschusslorbeeren für den Franzosen sind riesig - die Aufgabe ist es aber auch. "Zizou" soll den gefallenen Riesen schnellstmöglich wieder aufpäppeln. Mit alter Expertise. Und neuen Superstars.

"Ich habe auf mein Herz gehört", sagte Zidane bei seiner offiziellen Vorstellung in der spanischen Hauptstadt, deren Inszenierung ein bisschen an den Auftritt eines Popstars erinnerte. Nach 284 Tagen verspüre er "sehr große Lust", wieder für Real zu arbeiten.

Auf der Bühne sprach Zidane von "Liebe" für jenen Klub, den er als Spieler (2001 bis 2006) und Trainer (2016 bis 2018) zu so vielen Titeln und Triumphen geführt hatte. Er redete von seinem "Ehrgeiz" und seiner "Illusion" und klopfte sich voller Pathos immer wieder mit der rechten Hand auf die Brust - die eigentliche Botschaft des Abends versteckte er aber in einem Nebensatz. Man müsse, so Zidane, "einige Dinge ändern", um den Klub wieder dahin zu bringen, wo er hin sollte.

Kaum hatte er den Satz beendet, kursierten in der Szene auch schon die Namen möglicher bevorstehender Millionen-Transfers. Chelseas Eden Hazard steht offenbar ganz oben auf der königlichen Einkaufsliste, aber auch Harry Kane, Neymar, Mohamed Salah und Paul Pogba gelten als Kandidaten zur Ankurbelung des seit Monaten lahmenden Offensivspiels. Einige Beobachter halten sogar eine Rückkehr Cristiano Ronaldos für möglich.

Die Zeit von 100-Millionen-Mann Gareth Bale scheint hingegen abgelaufen. Und auch der zu Bayern München verliehene James soll laut Medienberichten keine Rolle in den Planungen Zidanes spielen. Selbst Nationalspieler Toni Kroos, Weltmeister und jahrelanger Strippenzieher im Mittelfeld des weißen Balletts, gilt nach der heftigen Kritik der vergangenen Wochen (Bernd Schuster: "Dieseltraktor") als Streichkandidat.

Zidane selbst wollte einzelne Personalien bei seinem Comeback nicht kommentieren. Fest steht: Im neuen Real besitzt der Coach nach seiner erneuten Inthronisierung mehr Macht denn je. Der Weltmeister von 1998 gilt als "letzte Patrone" von Klub-Präsident Florentino Perez. "Die Rückkehr des Königs: Zidane allmächtig", titelte die französische L'Equipe am Dienstag.

Zidane, ausgestattet mit einem Vertrag bis 2022, ist in den kommenden Wochen vor allem erstmal als Krisenmanager gefordert. In der Königsklasse krachend gescheitert, in der Meisterschaft ohne Chance mehr: Das Team, das unter dem Franzosen noch im Sommer 2018 zum dritten Mal in Serie die Champions League gewonnen hatte, ist anno 2019 nur noch ein Schatten seiner selbst.

"Zidane kommt in einem Minenfeld an", schrieb France Football, die italienische Gazzetta dello Sport kommentierte: "Madrid braucht eine halbe Revolution." Und der britische Mirror meinte mit Blick auf Zidanes künftigen Kader: "Jetzt kann er im Sommer das Geld raushauen."

Und so muss Zidane einen schwierigen Spagat meistern. Zum einen geht es um einen würdevollen Abschluss einer missratenen Saison. Zum anderen muss er ein neues Team zusammenstellen, das in der kommenden Spielzeit wieder um Titel spielt - und sie am besten gleich alle gewinnt.

(sef)
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