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Roberto Baggio: Der "göttliche Pferdeschwanz" wird 50

Roberto Baggio : Der "göttliche Pferdeschwanz" wird 50

Roberto Baggio feiert am Samstag seinen 50. Geburtstag. Der "göttliche Pferdeschwanz", wie er unter anderem wegen seiner Haarpracht genannte wurde, wird von den italienischen Tifosi immer noch verehrt.

Il Divin Codino wird 50. Seinen runden Geburtstag feiert der "göttliche Pferdeschwanz", wie Roberto Baggio während seiner aktiven Karriere unter anderem wegen seiner Haarpracht genannt wurde, ohne großen Trubel in aller Abgeschiedenheit. Der Weltfußballer des Jahres 1993 scheut die große Bühne.

Interviews gibt der 56-malige italienische Nationalspieler, der im WM-Finale 1994 in den USA nach zuvor starken Leistungen im Elfmeterschießen gegen Brasilien im letzten Versuch scheiterte und damit zur tragischen Figur der Squadra Azzurra wurde, seit Jahren nicht mehr. Nachdem Baggio vor 13 Jahren seine aktive Karriere beendet hatte, zog er sich nahezu aus dem öffentlichen Leben zurück.

Obwohl von seinen Landsleuten nach wie vor als Fußball-Ikone verehrt, macht er sich rar. Sein legendäres Haarzöpfchen, sein Markenzeichen, hat Baggio längst abgeschnitten und einem Freund geschenkt, der es wie eine Reliquie in einer Glastheke aufbewahrt. Viel mehr ist vom Profi Baggio, der in der Serie A 205 Treffer erzielte, nicht übriggeblieben.

Fußball interessiert Baggio kaum noch

Kein Interesse an einer Trainer- oder Managerkarriere, keine Fernsehauftritte: Der Buddhist Baggio, der nie ein Freund großer Worte war, lebt bescheiden und zurückgezogen. Fußball interessiert Baggio, der von seinem Spielstil vielleicht Ausnahmekicker Diego Maradona am nächsten kam, kaum noch.

Er setzt andere Prioritäten. Baggio wurde 2010 in Hiroshima mit dem renommierten "World Peace Award" ausgezeichnet und reihte sich damit neben Promis wie Bono, George Clooney und Bob Geldof ein. Die Organisatoren hoben damals den humanitären Einsatz Baggios zugunsten von Wohltätigkeitsorganisationen auf der ganzen Welt hervor. Baggio hat unter anderem Krankenhäuser finanziert, für die Opfer des Erdbebens in Haiti gespendet und sich für die Freilassung der unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, Symbolfigur der burmesischen Demokratiebewegung, engagiert.

Es war einer der letzten großen Auftritte von Baggio im Scheinwerferlicht. Mittlerweile lebt der frühere Juve-Torjäger mit seiner Frau Andreina und seinen drei Kindern unweit von seinem Geburtsort Caldagno nahe der norditalienischen Stadt Vicenza auf einem Hügel in einer von einem Wald umgebenen Villa.

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Baggio wurde am 18. Februar 1967 geboren - als sechstes Kind unter acht Geschwistern. Sein Vater wollte aus dem jungen "Roby" einen Zimmermann machen, doch er konnte ihn nicht vom Fußball fernhalten. Seine Profi-Karriere begann Baggio im Alter von 16 Jahren 1982 beim damaligen Drittligisten Vicenza Calcio. Sein Debüt in der Serie A feierte er im September 1986 im Trikot des AC Florenz.

1993 war Baggio Weltfußballer des Jahres

Von dort wechselte er 1990 für 15 Milliarden Lire (7,75 Millionen Euro) zu Juventus Turin - der bis dato teuersten Transfer der Welt. Einen Scudetto, einen Italia-Pokal und einmal den Uefa-Pokal gewann Baggio mit der Alten Dame. 1993 wurde er Weltfußballer und Europas Fußballer des Jahres. Der verstorbene Juve-Patriarch Gianni Agnelli verglich Baggios fußballerisches Können mit dem Talent des großen Renaissance-Malers Raffael.

Weitere Stationen waren der AC Mailand, mit dem er 1996 erneut die Meisterschaft gewann, der FC Bologna, Inter Mailand und der Provinzklub Brescia, bei dem er am 16. Mai 2004 Abschied vom Profifußball nahm. Die Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" ehrt das einstige Fußball-Genie zu dessen Ehrentag mit einem Buch: "Fußball unter Röntgenstrahlen". Auf ein Wort des Geburtstagskindes warten die Italiener bislang vergeblich.

(sid)