Deutsche Importe sind wichtig für die Grenzstädter

Fußball, Eredivise : Venlo profitiert vom deutschen Markt

Durch Zugänge wie Peniel Mlapa, Lars Unnerstall oder Lennart Thy hat der niederländische Erstligist an Qualität gewonnen. Auch den Spielern tut der Wechsel ins Nachbarland gut. Das Ziel Venlos bleibt, auch deutsche Nachwuchsspieler in seiner Akademie aufzubauen und sie möglichst in den Profikader zu integrieren.

Eine Drehung um die eigene Achse offenbart der sportlichen Leitung bei VVV Venlo, dass sich viele der zum Scouting geeigneten Fußballplätze auf deutschem Boden befinden. Was lange Zeit in der Grenzstadt nahezu ignoriert wurde, hat sich seit einigen Jahren als Basis einer lebensnotwendigen Strategie entwickelt. VVV richtet sowohl im sportlichen als auch im wirtschaftlichen Bereich den Blick immer häufiger über die Grenze hinweg. Auch wenn es schon früher Verbindungen nach Deutschland gab, wurde erst mit Robert Pinior begonnen, den deutschen Markt strategisch zu nutzen. Seit 2009 baut der gebürtige Gladbacher ein Business-Netzwerk mit deutschen Unternehmen auf. Inzwischen sind es mehr als 50 Sponsoren, die Venlo unterstützen. „Wir haben klein angefangen und ersten Unternehmen vom Niederrhein eine Plattform für grenzüberschreitende Geschäftskontakte mit niederländischen Firmen unseres Business-Clubs ermöglicht“, sagt Pinior.

Im sportlichen Bereich baute der 33-Jährige gemeinsam mit Roger Bongaerts, Jugendkoordinator bei VVV, das Scouting von Nachwuchsspielern auf. Seit dem sich 2017 der Aufstieg in die Ehrendivision abzeichnete, sind die Niederländer zudem intensiv auf dem Spielermarkt des Nachbarlandes aktiv. Nach dem Aufstieg gehörten drei deutsche Spieler, die einen entscheidenden Anteil am Klassenverbleib hatten, zu den Stammkräften. Nils Röseler, der bereits zum Aufstiegsteam zählte, Lars Unnerstall (zuvor Fortuna Düsseldorf) und Lennart Thy (Werder Bremen) entwickelten sich schnell zu Leistungsträgern und Publikumslieblingen. „Für mich war der Schritt nach Venlo genau die richtige Entscheidung. In Düsseldorf bekam ich nahezu keine Spielpraxis, die konnte VVV mir garantieren“, sagt der 28-jährige Unnerstall. „Zudem hat mich das familiäre Umfeld des Klubs sofort angesprochen.“

Die Leistungen des ehemaligen Schalker Torwarts animierten PSV Eindhoven dazu, ihn zu verpflichten. Der niederländische Meister lieh Unnerstall zunächst für eine Saison nach Venlo aus. Worüber sich nicht nur VVV-Sportdirektor Stan Valckx freut: „Das es uns gelungen ist, Lars ein weiteres Jahr an unseren Verein zu binden, hätte uns wohl niemand zugetraut. Er gehört zu den besten Torhütern der Liga und ist obendrein noch ein wahnsinnig toller Charakter.“ Die deutsche Delegation wurde zu Beginn dieser Saison mit Peniel Mlapa, Christian Kum und Axel Borgmann erweitert. Mlapa (28) spielte in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach und die TSG Hoffenheim. Jetzt kam er auf Leihbasis vom Zweitligisten Dynamo Dresen. „Venlo war für mich genau das Richtige. Ich habe meinen Stammplatz, spüre das Vertrauen des Trainerteams und wir haben eine richtig gute Truppe“, sagt Mlapa. Ihm gelang in Venlo auch der Sprung zurück ins Nationalteam Togos, für das er nach zahlreichen Einsätzen in deutschen U-Nationalmannschaften nun aufläuft. „Auch für die kommende Saison sondieren wir schon seit Monaten den deutschen Spielermarkt“, sagt Pinior. „Mittlerweile bekommen wir fast schon mehr Spieler aus Deutschland angeboten als aus den Niederlanden.“ Das Ziel bleibt aber, auch deutsche Talente in der Nachwuchsakademie auszubilden. „Es wäre klasse, wenn ein deutscher Spieler in den Profikader rücken würde“, sagt Pinior.

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