„Traum nicht mehr weit entfernt“ Die SSC Neapel fiebert nach 33 Jahren dem Titel entgegen

Hamburg/Neapel · Die Vorfreude ist riesig, der Titel zum Greifen nah: Die SSC Neapel könnte schon am Sonntag erstmals seit 33 Jahren wieder italienischer Fußball-Meister werden.

Der SSC Neapel steht kurz vorm Titelgewinn in Italien.

Der SSC Neapel steht kurz vorm Titelgewinn in Italien.

Foto: dpa/Marco Alpozzi

Die schmalen Treppen in der Altstadt sind längst mit langen blau-weißen Bändern ausgelegt, rund um die Via Toledo werden minütlich neue Spruchbänder platziert, und einige Fans würden am liebsten den Vesuv erleuchten lassen. Die Anhänger der SSC Neapel bereiten sich hingebungsvoll auf den lang ersehnten italienischen Meistertitel vor, den ihre Lieblinge schon am Sonntag unter Dach und Fach bringen könnten.

33 Jahre nach dem letzten Scudetto, noch mit Fußball-Legende Diego Maradona, sind die Bedingungen klar: Gewinnt Verfolger Lazio Rom am Sonntag (12.30 Uhr/DAZN) nicht bei Inter Mailand und besiegen die Neapolitaner anschließend US Salernitana (15.00 Uhr/DAZN), wäre eine der größten Überraschungen in der jüngeren Geschichte der Serie A perfekt. Das Napoli-Spiel wurde eigens von Samstag auf den Sonntag verlegt, damit die SSC nicht „auf der Couch“ Meister wird.

Bei 17 Punkten Vorsprung auf Inter stellt sich die Frage nach dem „Ob“ schon gar nicht mehr, es geht nur noch um das „Wann“. Daraus macht auch Mannschaftskapitän Giovanni di Lorenzo keinen Hehl mehr. „Als Fan bin ich abergläubisch, aber ich kann sagen: Der große Traum ist nicht mehr weit entfernt“, erklärte der Abwehrspieler.

Der Nationalspieler bereitet sich bereits gedanklich auf die Meisterehrung vor: „Es ist schon etwas seltsam, wenn ich daran denke, dass ich nach Maradona der erste Napoli-Kapitän bin, der die Trophäe entgegennehmen wird. Das wird unglaublich.“

Auch deshalb, weil es nach den goldenen Jahren mit dem exzentrischen Superstar aus Argentinien stetig und heftig bergab ging mit dem 97 Jahre alten Traditionsverein. Zwei Abstiegen in die Serie B 1998 und 2001 folgte 2004 ein Konkurs mit anschließendem Neustart in der Drittklassigkeit. Drei Jahre dauerte der steinige Weg zurück in die Serie A.

Die lang ersehnte Krönung dürfte nun für eruptive Freude sorgen, am in der Nähe gelegenen Vesuv verfolgt man das durchaus mit Sorge. Einige Fans könnten den Vulkan als Schauplatz für eine Pyro-Show wählen, mahnte die Nationalparkbehörde, und dies sei überhaupt keine gute Idee. Die Polizei kündigte daraufhin an, den Zugang zum Vulkan zu sperren. In der Stadt werden mehr als 1000 Polizisten im Einsatz sein.

Einen Vorgeschmack dessen, was am Sonntag in der italienischen Hafenmetropole passieren könnte, erhielten die SSC-Profis jedenfalls bereits am Montag nach dem 1:0-Sieg bei Rekordmeister Juventus Turin.

Tausende jubelnde Fans warteten auf dem Flughafen Capodichino auf die Rückkehr des Teams. Als der Mannschaftsbus um 02.30 Uhr den Flughafen verließ, dauerte es lange, bis er auch nur ein paar Meter zurücklegen konnte, da sich die Tifosi um das Fahrzeug drängten und ihren Lieblingen möglichst nahe sein wollten.

Neapels Torjäger Victor Osimhen, früher Bundesliga-Profi des VfL Wolfsburg, filmte die Jubelszenen vom Dach des Busses, di Lorenzo begrüßte die heißblütigen Anhänger mit einer blauen Vereinsfahne. Vielleicht auch als Reaktion auf eine fast göttliche Botschaft auf einem schlichten Transparent: „Ich weiß, 33 Jahre habe ich auf dich gewartet - endlich bist du da!“

(SID/loy)
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