1. Sport
  2. Fußball
  3. International
  4. Italien

SSC Neapel: Gennaro Gattuso folgt auf Carlo Ancelotti

Kurz nach Einzug ins Champions-League-Achtelfinale : SSC Neapel feuert Ancelotti – und verpflichtet Gattuso

Trainer Carlo Ancelotti hat beim SSC Neapel nur Stunden nach dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale seinen Job verloren. Die Gründe gehen aber über die vorherige Negativserie der Italiener hinaus.

Beim Dinner im edlen Hotel Vesuv verging Genussmensch Carlo Ancelotti sogar die Freude am geliebten Rotwein: Für Bayern Münchens Ex-Trainer geriet nach dem Einzug mit dem SSC Neapel ins Champions-League-Achtelfinale durch ein 4:0 gegen KRC Genk das Dinner mit Klubboss Aurelio De Laurentiis zum "letzten Abendmahl" (Corriere dello Sport). Denn danach war Ancelotti seinen Job los!

Die Reaktionen auf den Rauswurf des 60-Jährigen, für den Ex-Weltmeister Gennaro Gattuso schon am Mittwochabend das Kommando beim italienischen Vizemeister übernahm, spiegelten die Skurrilität der Entscheidung: "Es bleibt der Fleck eines indiskutablen Verhaltens von De Laurentiis. Ancelotti hat, obwohl er auch nicht wenige Fehler gemacht, eine solche Behandlung nicht verdient", kommentierte die Gazzetta dello Sport die Entwicklung.

Allerdings hatte Ancelotti seine Entlassung unter dem Vulkan nach rund 18 Monaten schon vor dem Duell mit Genk wie ein Damoklesschwert über sich gespürt. "Ein Trainer sitzt immer auf gepackten Koffern", meinte der Bauernsohn zu Fragen nach Konsequenzen aus dem gestörten Vertrauensverhältnis zu De Laurentiis schon vielsagend.

So schien der Coach, gestählt durch Erfahrungen bei kapriziösen Topklubs wie Juventus Turin, AC Mailand, FC Chelsea, Paris St. Germain, Real Madrid und auch Bayern München, sein bevorstehendes Aus nach dem 4:0 gegen Genk trotz des Endes von Neapels vorheriger Misserfolgsserie von neun Pflichtspielen ohne Sieg vorauszuahnen.

Obwohl die Tifosi Ancelotti feierten und die Spieler ihren Trainer herzlich umarmten, blieb Ancelotti auf dem Rasen des Stadio San Paolo tief in sich versunken - und fuhr danach erhobenen Hauptes ("Ich habe noch nie aufgegeben und werde es niemals tun") zum Essen mit De Laurentiis.

Das Tischtuch zwischen den beiden "Alphatieren" war nach wochenlangem Chaos schon lange vorher zerschnitten. Napolis Boss verübelte Ancelotti sehr, Anfang November seine Anweisung nach der 1:1-Enttäuschung im Champions-League-Gruppenspiel gegen RB Salzburg zur sofortigen Weiterfahrt aus dem Stadion in ein Straftrainingslager ignoriert zu haben. Ancelottis Widerstand erleichterte seinen Spielern, die Anordnung von De Laurentiis ebenfalls nicht befolgen.

Vor diesen Hintergründen war Neapels Absturz in der Serie A auf Platz sieben - acht Punkte hinter den Champions-League-Rängen - für den Multimillionär ein geradezu herbeigesehnter Anlass für die längst beschlossene Trennung. Einen ungünstigeren Zeitpunkt allerdings hätte De Laurentiis nicht wählen können.

Ancelottis Nachfolger Gattuso, der im vergangenen Sommer bei Milan gehen musste, wird auch bei seinem ersten Training auf treue Anhänger seines Vorgängers treffen. "Ich werde", sagte Stürmer Kalidou Koulibaly nach dem Sieg gegen Genk jedenfalls und wirkte dabei wie ein Sprecher des gesamten Teams, "immer an Ancelottis Seite stehen."

(lt/sid)