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Serie A: Saisonabbruch in Corona-Krise weiter denkbar

Calcio in der Corona-Krise : Saisonabbruch in Italien weiter denkbar

Im Streit um eine Fortsetzung der Serie A wird der Ton schärfer, der Verband will den Spielbetrieb bald wieder aufnehmen. Widerstand kommt aus Brescia, wo der Kampf gegen das Coronavirus längst nicht gewonnen.

Der Verbandspräsident macht Druck, der Gesundheitsminister spielt auf Zeit und Brescias Klubboss fordert den Saisonabbruch: Als hätte Italien während der Coronakrise keine anderen Sorgen, eskaliert der Streit um eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Serie A von Tag zu Tag.

Nun hat Verbandschef Gabriele Gravina mit einer höchst diskutablen Wortwahl die Kontroverse noch einmal angeheizt. "Ich habe die Pflicht, die Fußballwelt zu verteidigen. Ich will nicht zum Totengräber des italienischen Fußballs werden", sagte der Funktionär. Angesichts von bislang mehr als 23.000 Todesopfern der Coronavirus-Pandemie in Italien eine für viele seiner Landsleute befremdlich wirkende Formulierung.

Und so kassierte sogar der fußballfreundliche Gesundheitsminister Roberto Speranza die Pläne Gravinas für einen Re-Start Ende Mai ein: "Ich liebe den Fußball, doch das Leben der Menschen hat Vorrang." Aktuell habe das Land andere Prioritäten, fügte der Politiker hinzu. "Bei mehr als 400 Todesopfern in Italien pro Tag ist Fußball ehrlich gesagt das letzte Problem, um das wir uns kümmern sollen", so Speranza.

Immerhin acht der 20 Klubs sollen ohnehin dagegen sein, die restlichen zwölf Spieltage auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Wortführer dieser Fraktion ist Massimo Cellino, Vereinsboss von Brescia Calcio. Als Klub aus der Lombardei ist der Liga-Neuling von den Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders betroffen.

"Die Saison muss jetzt enden, ich höre, dass von September oder Oktober geredet wird. Das ist Wahnsinn", erklärte Cellino, der unter anderem Steven Zhang, Präsident von Inter Mailand, unterstützt wird. Auf Verständnis trifft er auch beim deutschen Fußballprofi Robin Gosens, der bei Atalanta Bergamo unter Vertrag steht, einem weiteren Verein aus der Lombardei.

Der 25-Jährige leidet unter der aktuellen Situation. "Die Ungewissheit macht mich mittlerweile fertig. Ich würde gerne wissen, wie es weitergeht", sagte Gosens. Die virale Pause seit Mitte März kostete den Abwehrspieler auch schon die erstmalige Berufung in den Nationalmannschafts-Kader von Bundestrainer Joachim Löw.

Ein Stück weit mehr Klarheit wird indes möglicherweise schon Mitte dieser Woche herrschen, vorgesehen ist ein große Videokonferenz der Liga mit allen Beteiligten. Die Idee, alle Punktspiele in Rom auszutragen, ist vom Tisch, zur Debatte steht ein Plan, nur im Süden Italiens zu spielen, wo sich die aktuelle Situation weniger dramatisch darstellt. Aber auch ein vorzeitiges Saisonende bleibt eine Option.

(ako/sid)