Lazio Rom: Antisemitismus der Lazio-Fans schockiert Italien

Anne-Frank-Bilder im Stadion : Antisemitismus der Lazio-Fans schockiert Italien

Immer wieder fallen Fans von Lazio Rom durch Rassismus und Antisemitismus auf. Nun kam ein weiteres Kapitel in der unrühmlichen Geschichte der Anhänger des italienischen Traditionsklub hinzu.

Nach dem 3:0 (2:0)-Sieg am Sonntag gegen Cagliari Calcio wurden Klebebilder mit antisemitischen Slogans, auf denen Anne Frank in einem Trikot des Stadtrivalen AS Rom zu sehen ist, am Olympiastadion in Rom entdeckt.

Der italienische Fußballverband FIGC leitete eine Untersuchung gegen den Ex-Klub von Weltmeister Miroslav Klose ein. Die berüchtigte Curva Nord war nach rassistischen Gesängen der Lazio-Fans zuletzt schon gesperrt worden. Nun drohen Lazio weitere Sanktionen und eine hohe Geldstrafe. FIGC-Präsident Carlo Tavecchio verurteilte die Aktion als "unsägliches Verhalten".

15 Tatverdächtige ermittelt

Die Polizei hat 15 Tatverdächtige identifiziert. Sie sollen angezeigt werden, hieß es aus römischen Ermittlerkreisen.

Roms Präsident Claudio Lotito kündigte derweil an, dass künftig 200 junge Lazio-Fans jedes Jahr das Konzentrationslager Auschwitz besuchen sollen. "Die meisten unserer Fans sind gegen den Antisemitismus", sagte Lotito.

Lotito legte am Dienstag in Begleitung einer Delegation und zweier Spieler ein Blumengebinde an der Synagoge in Rom nieder. Vertreter der jüdischen Gemeinde waren bei der Kranzniederlegung nicht zugegen. Es handle sich um eine Initiative des Vereins, die man nicht kommentieren wolle, sagte ein Sprecher der Synagoge auf Anfrage. Jenseits von Gesten seien von allen Fußballklubs konkrete Schritte gefragt.

Die Lazio-Fans waren am Dienstag sogar Thema im EU-Parlament. Dessen Präsident Antonio Tajani verurteilte die Aktion aufs Schärfste. "Ich komme nicht umhin, das nachdrücklich zu verurteilen, was geschehen ist in Rom, in Italien, wo eine Gruppe von Hooligans ein Bild von Anne Frank verwendet hat, um Anhänger eines anderen Sportteams zu verunglimpfen", sagte Tajani zu Beginn der Plenarsitzung am Dienstag in Straßburg. "Anne Frank als Beleidigung gegenüber einer anderen Gruppe einzusetzen, halte ich für sehr schwerwiegend."

Jeder in der EU habe das Recht, seine Religion frei auszuüben, und auch die Juden gehörten zur Europäischen Union, sagte Tajani. "Ich bin stolz darauf, jüdische europäische Mitbürger zu haben. Und ich glaube, der Antisemitismus muss als schreckliche Erfahrung der Geschichte der Vergangenheit angehören."

(sid/KNA/dpa)