Millionen für die Tradition: Indonesier will Inter Mailand kaufen

Millionen für die Tradition : Indonesier will Inter Mailand kaufen

16 Titel hat Massimo Moratti in 18 Jahren mit Inter Mailand geholt. Doch zuletzt blieb der Erfolg aus, das Geld für Stars ist knapp. Umso verlockender ist da die Millionenofferte eines indonesischen Investors. Und tatsächlich scheint der Präsident schwach zu werden.

Ein Inter-Mailand-Trikot hat sich Erick Thohir schon gekauft. Mit einer großen Tüte in der Hand verließ er in der vergangenen Woche den Fan-Shop des traditionsreichen italienischen Fußball-Klubs in der Mailänder Innenstadt. Das Interesse des 43 Jahre alten Indonesiers an dem Klub ist groß, er will mehr als 300 Millionen Euro investieren und die Mehrheit der Anteile übernehmen. Viele Fans befürchten einen Verkauf der Seele des Vereins und das Ende einer Ära — und auch Präsident Massimo Moratti zögert noch. Doch die wirtschaftlichen Argumente scheinen ihn zu überzeugen.

"See you soon"

Vergangene Woche flog der Millionenerbe Thohir zum zweiten Mal von Jakarta nach Mailand und traf sich mit den Morattis zum Mittag.Italienische Medien prophezeiten eine Einigung für das Wochenende, doch dann reiste Thohir überraschend wieder ab. Beim Verlassen des Hotels gab der asiatische Tycoon den Journalisten aber ein "See you soon" ("Bis bald") mit auf dem Weg. "Mir gefallen die Stadt, die Leute und das Essen. Ich hoffe, bald wiederzukommen", sagte er.

Wann das so weit sein könnte, ließ Thohir offen. "Ich wiederhole, dass ich großen Respekt für Moratti habe, am Ende entscheidet er." Es scheint, als ob der 68 Jahre alter Inter-Patriarch weiter zögert - der Verkauf der Mehrheit seiner Anteile an dem Klub, den bereits sein Vater führte, ist schmerzhaft. Seit 1995 steht Moratti an der Spitze, gewann mit vier Trainern 16 Titel, darunter fünf Meisterschaften und die Champions League. Mit dem Verkauf würde eine Ära zu Ende gehen.

Inter ist für Moratti eine Herzensangelegenheit — und umgekehrt lieben ihn die Fans. Doch der Verein hat ihn in 18 Jahren auch viel Geld gekostet: Insgesamt soll Moratti 1,2 Milliarden Euro in mehr als 260 Spieler investiert haben, holte teure Stars wie Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic. Doch in den vergangenen Jahren blieben die Erfolge aus, Morattis Geschäfte liefen schlechter, das Geld fehlte.

Unterschrift schon im August?

Die wirtschaftlichen Aspekte scheinen ihn daher zum Verkauf zu bewegen. Eine Unterschrift der Verträge könnte im August folgen, um 65 und 75 Prozent der Anteile soll es gehen. Bislang hält Moratti 98,3 Prozent, weitere Aktionäre sind der Reifen-Hersteller Pirelli mit 1,6 Prozent und mehrere kleinere Anteilseigner. Moratti würde am liebsten die Mehrheit an Inter behalten — das lehnt Thohir jedoch ab.

Spekuliert wird über die zukünftige Rolle der Morattis, die in jedem Fall weiter in die Geschäfte des Traditionsklubs involviert sein sollen. Möglich wäre, dass Thohir Präsident und Morattis Sohn Marioangelo sein Vize wird. Für Thohir ist der europäische Fußball Neuland, weshalb er Unterstützung im sportlichen Bereich sucht.

Von dem neuen Image Inters und der Markenstrategie hat er hingegen eine klare Vorstellung. In dem Serie-A-Club sieht Thohir einen traditionsreichen Verein mit enormen Entwicklungsmöglichkeiten. "Das Ziel ist, aus Inter eine globale Marke zu machen, wie es heute United, Liverpool, Real sind", sagte sein Berater Anthony Macri der "Gazzetta dello Sport".

Großer Sport-Fan

Der Sport ist eine Leidenschaft des Indonesiers. Er besitzt in den USA Anteile am Fußball-Klub DC United und dem Basketball-Verein Philadelphia 76ers, in Indonesien an zwei weiteren Basketballklubs. Das nötige Kleingeld für sein teures Hobby verdient er als Erbe des Konzerns Astra International, der unter anderem mit Autohandel und Finanzgeschäften ein Milliarden-Vermögen angehäuft hat.

Steigt Thohir bei Inter ein, könnte das Folgen über den Klub hinaus haben. "Es wird das Gesicht des Vereins ändern. Und vielleicht sogar des ganzen italienischen Fußballs", kommentierte die "Gazzetta dello Sport". Bislang sind Investoren in der Serie A eine Seltenheit. Lediglich der AS Rom gehört seit zwei Jahren einem Amerikaner. Doch folgt nun Inter, könnte damit die Tür für weitere Investoren geöffnet werden.

(dpa)