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Platz fünf in der Weltrangliste: Falcao macht Kolumbien zum Aufsteiger

Platz fünf in der Weltrangliste : Falcao macht Kolumbien zum Aufsteiger

Das Nationalteam des südamerikanischen Landes ist Fünfter der Weltrangliste – durch die Tore des Mittelstürmers.

Das Nationalteam des südamerikanischen Landes ist Fünfter der Weltrangliste — durch die Tore des Mittelstürmers.

In der Welt des Fußballs spielte Kolumbien nur noch eine Nebenrolle, nachdem das südamerikanische Land 1998 in Frankreich zum letzten Mal an der Endrunde einer WM teilgenommen hatte. Doch kaum wahrgenommen, haben die "Cafeteros", die Kaffeepflücker, wie das Team aus dem Land des weltberühmten Cafe de Colombia genannt wird, nun aber einen gewaltigen Sprung geschafft.

Der Weltverband (Fifa) führt Kolumbien in seiner aktuellen Rangliste sogar an Nummer fünf hinter Spanien, Deutschland, Argentinien und Italien. Brasilien ist auf Platz 18 abgerutscht, weil es als Turnierausrichter keine WM-Qualifikationsspiele bestreitet, mit denen es punkten könnte. Immerhin trotzten die Kolumbianer dem fünfmaligen Weltmeister im November ein 1:1 ab bei einer Freundschafts-Begegnung in New Jersey (USA).

Die Fifa stuft Kolumbien als Aufsteiger Jahres ein, denn keine andere Mannschaft hat 2012 so viele Ranglistenpunkte dazugewonnen. Als Dritter der Südamerikagruppe haben Radamel Falcao und seine Kollegen beste Chancen, sich für die WM 2014 in Brasilien zu qualifizieren. In den drei jüngsten Ausscheidungsspielen erzielte Falcao vier Tore. Betreut wird die Auswahl vom früheren argentinischen Nationaltrainer Jose Pekerman.

Drama um Escobar noch immer in den Köpfen

Nach sechs Jahrzehnten Bürgerkrieg, aufgewühlt durch eine Spirale der Gewalt, von Morden und Drogenkriminalität, hoffen die Menschen Kolumbiens auf eine Zukunft im Frieden. Auch der Fußball war betroffen. 1994 wurde Andres Escobar, Abwehrspieler aus Medellin, Kolumbiens zweitgrößter Stadt, ermordet. Neun Tage zuvor war ihm beim 1:2 gegen Gastgeber USA ein Eigentor unterlaufen, das mit zum Ausscheiden des Teams in der Vorrunde führte. Zwei Drogenhändler sollen es gewesen sein, die ihn in Medellin mit sechs Schüssen töteten.

Kolumbien hatte weltbekannte Profis. Spielmacher Carlos Valderrama, genannt "El Pibe" (der Junge), der Mann mit der üppigen, blonden Lockenmähne, galt in seiner Zeit als bester Fußballer des Kontinents. Zu Ehren des Rekordnationalspielers (111 Einsätze) steht in Santa Marta an der Karibikküste ein 6,70 Meter hohes Denkmal. Der exzentrische Torhüter Rene Higuita, "El Loco" (der Verrückte), war berüchtigt für seine Ausflüge in Richtung gegnerischen Strafraum. Der bullige Offensivspieler Freddy Rincon schoss bei der WM 1990 das Tor zum 1:1-Endstand im Gruppenspiel gegen den späteren Weltmeister Deutschland. Man bezeichnete die Partie in Mailand als Kolumbiens bestes Spiel aller Zeiten. Auch Valderrama und Higuita gehörten damals zur Elf von Kolumbiens goldener Generation.

Alle Hoffnungen ruhen auf Falcao

Heute hat Kolumbien erneut einen überragenden Star. Radamel Falcao. Spitzname "El Tigre" (der Tiger). Der 26-Jährige, Fünfter bei der Wahl des Weltfußballers 2012, wie Valderrama in Santa Marta geboren, gilt als einer der gegenwärtig besten und begehrtesten Torjäger der Welt. Mit dem FC Porto gewann er 2011, mit Atlético Madrid 2012 die Europa League. In beiden Spielzeiten war er Torschützenkönig dieses Europacupwettbewerbs. Am 9. Dezember dieses Jahres traf er beim 6:0-Sieg des Tabellenzweiten Atletico gegen Deportivo La Coruna in der Primera Division fünfmal, darunter war ein Hattrick innerhalb von sieben Minuten.

In Spaniens höchster Liga hat lediglich Barcelonas Weltfußballer Lionel Messi in dieser Saison mehr Tore (26) erzielt als Falcao (17). Real Madrids Superstar Cristiano Ronaldo brachte es nur auf 14 Treffer. Englands Meister Manchester City, Chamions-League-Sieger FC Chelsea und der ambitionierte russische Klub Anschi Machatschkala sollen an Falcao interessiert sein. Ein Verkauf des Kolumbianers, so wird spekuliert, könne eine Ablösesumme von deutlich mehr als 50 Millionen Euro bringen.

Freddy Rincón, vor acht Jahren in den Fußball-Ruhestand getreten, hat in diesen Tagen ebenfalls wieder von sich reden gemacht. Mit 46 Jahren plant der dreimalige WM-Teilnehmer ein Comeback. Er will mit América de Cali in die höchste kolumbianische Liga aufsteigen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Primera Division 12/13: Atleticos Falcao erzielt Fünferpack

(RP/seeg/sap)